Aktuelle AR-Ansätze werden nicht nur durch die verfügbare Hardware eingeschränkt, sondern auch durch die eher magere Datenlage. Michael Zöllner arbeitet am Fraunhofer-Institut für Grafische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt in der Abteilung „Virtuelle und Erweiterte Realität“. Aktuell sieht der Diplom-Designer in sozialen Netzwerken die üppigste Datenbasis für flächendeckende AR-Anwendungen.
Röntgenblick für Bauarbeiter: Augmented Reality ...
Bild: TU Graz/vidente.at
Smartphone-Clients für den Microblogging-Dienst Twitter ergänzen auf Wunsch jeden Beitrag um die Ortsangabe mit GPS-Daten. Zöllners iPhone-Anwendung „TwittARound“ wertet diese Informationen aus, um die Tweets lokalisierbarer Anwender in die Umgebung einzublenden. Schwenkt man das iPhone durch die Umgebung, hängt der Horizont voller Tweets. Was auf den ersten Blick als reine Spaßanwendung erscheint, lässt sich natürlich auch für ernsthaftere Zwecke einsetzen.
... blendet ein virtuelles Loch mit im Boden verborgenen Leitungen an.
Bild: TU Graz/vidente.at
„Augmented Reality ist immer dort von Vorteil, wo man eine Information direkt vor Ort braucht, aber weder Zeit noch Lust für Abstraktionsleistungen hat“, argumentiert Zöllner. Eine AR-Ausrüstung könnte Wartungstechnikern bei komplexen Aufgaben den Blick ins Handbuch ersparen, wenn die bildlichen Darstellungen direkt und praktisch über die zu reparierende Hardware gelegt würden. „Das kann man gleich mit Telemetriedaten zur Selbstdiagnose kombinieren“, ergänzt Dieter Schmalstieg, Professor für Virtuelle Realität und Computergrafik an der TU Graz. Dabei denkt Schmalstieg nicht nur an den industriellen Einsatz: „Die Behebung von Papierstaus im Kopierer stellt Endanwender vor Herausforderungen im räumlichen Denken.“ Auch beim Zusammenbauen von Ikea-Möbeln wäre AR hilfreich.
Der Bauarbeiter mit Display-Brille am Helm ist zwar noch Zukunftsmusik, aber gerade bei der Architektur sieht Schmalstieg konkrete Anwendungsmöglichkeiten. Mit AR ließe sich etwa testen, ob eine vorgesehene Maschine überhaupt in die existierende Fabrikhalle passt. Innerhalb eines Hauses könnten Handwerker per AR-“Röntgenblick“ Stromkabel in der Wand, unterirdische Wasserleitungen oder Fundamente sehen. Ein solcher Durchblick ist auch für Mediziner interessant, die den Körper ihrer Patienten zur Diagnose oder Operationsplanung mit 3D-Scans überlagern.