Zur Entwicklung eigener Augmented-Reality-Anwendungen stehen eine ganze Reihe nützlicher Werkzeugpakete und Hilfen zur Auswahl.
Die Bibliothek ARToolkit dient zum Tracking umrandeter 2D-Barcodes (Fiducial Markers) und stammt bereits aus dem Jahr 1999. Für den nicht kommerziellen Einsatz ist die Software frei (GPL-Lizenz). Ihr nach ActionScript 3 portierter Abkömmling FLARToolKit dient zur AR-Integration von Augmented Reality in Webseiten. Das Tool identifiziert Marker auf Videobildern und berechnet deren Position und Orientierung. Die eigentliche 3D-Grafik bleibt Sache des Programmierers; FLARToolKit enthält immerhin Hilfsklassen für Flash-3D-Engines wie Papervision3D. Mehrere Web-Tutorials führen vor, wie man die Komponenten zum Zusammenspiel bewegt, eine Anleitung für die ersten Schritte liefern Inside FLARManager, Getting Started with Augmented Reality und Marker”s” Generator.
ARtisan von OneZeroThrice geht einen Schritt weiter: Durch die Integration von FLARToolKit und Papervision 3D erspart es eher visuell orientierten Entwicklern die Erforschung der inneren Vorgänge. Auch ARtisan steht unter der GPL.
Die Forscher der TU Graz arbeiten seit 2002 an ihrer frei verfügbaren AR-Plattform Studierstube – so benannt nach Fausts Alchemielabor. Parallel dazu entwickeln sie die „Studierstube for Embedded Systems (ES)“ für Smartphones & Co. Anders als ARToolkit soll Studierstube alle zur AR benötigten Bereiche abdecken, vom Tracking bis zum Rendering.
Auch andere Forschungsgruppen stellen ihre Produkte frei zur Verfügung – zumindest bisher. Das Fraunhofer-Institut für Grafische Datenverarbeitung (IGD) bietet eine öffentliche Betaversion seiner Entwicklungsumgebung für AR- und VR-Anwendungen Instantreality zum Download an.
Im Rahmen des EU-geförderten Projekts IPerG (Integrated Project on Pervasive Gaming) fielen zwischen 2004 und 2008 verschiedene „Packages“ ab. Das AR Based Games Solution Package besteht aus eine Reihe von Werkzeugen und C++-Bibliotheken sowie der kommerziellen Plattform Morgan des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik. Das Institut vergibt auf Anfrage kostenlose Lizenzen für den akademischen Einsatz.
Die Firma Metaio verkauft unter dem Namen Unifeye Design eine für Marketingagenturen, Produktdesigner und Architekten konzipierte AR-Werkstatt. Mit der Software wurde Ende 2008 die Cabrio-Variante des Mini eingeführt. Eine auf Unifeye Design aufbauende AR-Anwendung projiziert in ausgewählten Spielzeughandlungen auf ungeöffnete Lego-Packungen ein 3D-Bild des fertig zusammengebauten Inhalts.
Ins kommerzielle Lager gehört auch das AR-media Plug-in für den 3D-Modeller Google Sketchup. Das Plug-in von Inglobe Technologies setzt Sketchup-Modelle anhand eines 2D-Markers und einer Webcam in die Videoaufnahme, wo es sich drehen und verschieben lässt. Die kostenlose Version zeigt nur 30 Sekunden Video am Stück – genug, um am eigenen Schreibtisch auszuprobieren, was Augmented Reality so faszinierend macht. (pek)