Die Suche nach der optimalen Aufbereitungsform der AR-Daten ist ebenso wenig zu Ende wie die Konzeption interessanter Einsatzmöglichkeiten. Eine naheliegende Idee sind AR-Navigationsgeräte, die Fahrhinweise und Pfeile direkt in die Straßensicht projizieren und Sehenswürdigkeiten in der Kamerasicht in 3D markieren. Zwei Blaupunkt-Geräte kommen der Idee zwar schon recht nahe, bleiben bei der Umsetzung aber weit hinter dem Ideal zurück: Die Displays des Travelpilot 500 und 700 reichern das live aufgenommene Video zwar durch Richtungspfeile an, diese liegen so aber nicht richtig auf der Straße.
Auch das Einblenden personenspezifischer Metadaten per AR steckt noch in den Kinderschuhen. Das schwedische Entwicklerhaus The Astonishing Tribe stellte kürzlich „Augmented ID“ für Smartphones vor. Es soll Leute per Gesichtserkennung identifizieren und injiziert dann einen Kranz an Kontaktdaten in das Live-Bild der Kamera. Per Augmented ID identifizierte Personen können für berufliche und private Anlässe getrennte Profile definieren: Auf der Party gibt der Browser Musikgeschmack und Familienstand wieder, bei einer Business-Präsentation eine elektronische Visitenkarte und einen Download-Link zur Powerpoint-Datei. Vorerst müssen sich sowohl die Betrachter als auch die zu Betrachtenden für den Dienst angemeldet haben. Prinzipiell spricht aber nichts dagegen, dass sich die Gesichtserkennung irgendwann auch an Facebook-Profilen orientiert. Was für die Generation 2.0 eine lockende Vorstellung sein mag, ist für Datenschützer freilich ein Alptraum.
Forscher sehen das Ziel in einer möglichst lückenlosen AR-Erfahrung, die sich unauffällig in die Realität einfügt. „Idealerweise möchte man Kontaktlinsen mit eingebauten halbdurchsichtigen Displays haben,“ schlägt Dieter Schmalstieg vor; erste Prototypen sind schon in Entwicklung. Bis Wirklichkeit und AR tatsächlich nahtlos ineinander fließen, dürfte jedoch noch einige Zeit ins Land gehen.
Dazu muss das Interesse an Augmented Reality aber zunächst eine kritische Masse erreichen, ohne dass auf dem Weg dorthin die Begeisterung überkocht. Sonst könnte AR das Schicksal der Virtual Reality ereilen, die in der allgemeinen Wahrnehmung noch auf dem Weg zur Serienreife plötzlich Schnee von gestern war.
Bleibt zu hoffen, dass Dieter Schmalstieg von der TU Graz recht hat, wenn er schwärmt: „AR unterscheidet sich grundsätzlich von einer symbolischen Interaktion, die aus der Desktop-Welt kommt und nur dort wirklich passt. [Hier] findet die Interaktion unmittelbar in der Welt statt; jeder Ort und jedes Objekt kann prinzipiel zum Interaktionsträger werden.“ Trotz oberflächlicher Ähnlichkeiten mit VR verfolgt Augmented Reality eben ein ganz anderes Ziel: die Realität zu erweitern und zu erklären statt sie zu ersetzen. Darin spiegelt sich ein grundsätzlicher Wunsch, der jeden Hype überleben dürfte. (acb)