Im Schlepptau der Bluetooth-Handys dürften sich auch Freisprecheinrichtungen für Autos verbreiten, etwa das Vivanco Multitalk Voice Unit CK3000, aber auch tragbare Versionen von Ericsson (die HBH-Modelle) oder Nokia (HDW-1). Ein anderer Antriebsmotor für Bluetooth sind die zahlreichen PDA-Erweiterungen. So ausgestattet kann ein PDA zum Beispiel über ein Bluetooth-Handy surfen oder seinen Datenbestand mit PCs oder Notebooks synchronisieren. Von TDK stammen blue5 und blueM, Palm selbst brachte seine SD-Bluetooth-Card und Blade-Module von Red-M gibt es sowohl für Palm- als auch für Handspring-PDAs. Für Pocket-PCs haben Socket sowie Euric passende Erweiterungen parat.
Das Besondere an Bluetooth ist wohl nicht die Technik, denn es gibt eine Reihe älterer Funkverfahren, die schneller sind oder größere Strecken überbrücken. Das Besondere sind seine Auslegung und die variantenreichen Anwendungsgebiete, die der Computerwelt und dem digitalen Nomaden einen bisher nicht gekannten Komfort bescheren sollen.
Bluetooth wurde zunächst ersonnen, um mit dem Wirrwarr der verschiedenen Peripherieschnittstellen am PC aufzuräumen und den Kabelsalat zwischen den Geräten zu beseitigen. Dereinst sollen nur noch Geschichtsbücher an all die verschiedenen Stecker und Stöpsel für Tastaturen, Mäuse, Drucker, MP3-Player, Organizer, Laptops, Scanner oder auch Digitalkameras erinnern.
Doch der Kurzstreckenfunk, der in seiner besonders stromsparenden Variante bis zu 10 m überbrückt, soll auch Organizern und Handys zugute kommen, damit sie untereinander Telefonbücher und Kalender abgleichen können oder PCs Surfverbindungen verschaffen. Auch Ad-hoc-Vernetzung und Dateiübertragung zwischen Laptops sind vorgesehen.
Daneben erwartet man Lösungen für die herkömmliche Schnurlostelefonie, bei der eine Basisstation den Kontakt zum Festnetz liefert, obwohl es mit DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunications) ein bereits verbreitetes Verfahren gibt. Von DECT hat Bluetooth aber noch mehr abgeguckt: In beiden Spezifikationen ist vorgesehen, dass öffentliche Plätze wie Flughäfen oder Einkaufszentren mit zahlreichen Basisstationen versehen werden, die den Zugang zum öffentlichen Telefonnetz liefern - nutzen soll man sie natürlich erst, nachdem man sich bei der Telefongesellschaft angemeldet hat. Während es jedoch DECT-seitig noch keine solche Anwendung gibt, soll es schon bald nicht nur entsprechende Bluetooth-Netztechnik geben, sondern auch erste Vorverträge von jungen US-Telefongesellschaften - Telefonzellen könnten also bald ausgedient haben.
Bluetooth soll aber zusätzlich auch als Vermittler zwischen Handy und Freisprecheinrichtung fungieren - eingehende Anrufe landen dann zum Beispiel zunächst auf dem Mobiltelefon, doch statt den eigenen Hörer und das Mikrofon zu nutzen, leitet das Handy die Verbindung via Bluetooth an ein Headset oder ein Bluetooth-Autoradio weiter.
Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer, teilweise innovativer Anwendungen: So will man auf Bluetooth-Grundlage Gepäckverfolgungssysteme aufbauen, für die sich zum Beispiel Flughäfen interessieren dürften. Bluetooth-Handys könnten den PC drahtlos und vollautomatisch abschließen, sobald man damit dessen Funkzelle verlässt. WAP- und Bluetooth-bewährte Handys könnten andererseits die aktuellen Schnäppchenangebote im Display zeigen, sobald man einen Supermarkt betritt. Außerdem sind Produkte aus dem Bereich Datenerfassung zu erwarten, von denen wohl die Reifendruckmessung während der Fahrt zu den spektakulärsten gehört.
Andererseits gibt es Unverträglichkeiten mit einer anderen Funkübertragungstechnik, wie der dritte Teil unseres Schwerpunkts näher beleuchtet. Untersuchungen weisen darauf hin, dass der WLAN-Durchsatz bei Anwesenheit von Bluetooth vorübergehend einbrechen kann. Bluetooth selbst ist davon aber nicht betroffen. Langfristig könnte ein Wechsel von WLAN ins 5-GHz-Band Abhilf schaffen. Entsprechende Geräte sind in den USA bereits erhältlich, drüfen allerdings hierzulande nicht betrieben werden.