Der Browser ist gut bedienbar, reagiert schnell auf Zoomgesten, auf einen Doppeltipp (Zoom auf aktuelle Textspalte) oder aufs Drehen des Pre. Es handelt sich um eine ältere Webkit-Version, die im Acid3-Test schlecht abschneidet; Flash funktioniert nicht, soll aber bald nachgerüstet werden, wie Adobe bekannt gab. Eine separate Anwendung erlaubt den Zugriff auf einige YouTube-Videos.
Das Mailprogramm kommt mit POP3-Accounts gut zurecht. Bei IMAP fehlt die Möglichkeit, nur abonnierte Ordner anzuzeigen, sodass auf Servern mit mehreren hundert oder gar tausend Ordnern viele Funktionen nicht praktikabel nutzbar sind. SSL- und TLS-Verschlüsselungen lassen sich einrichten, über einen Umweg gelingt auch, die von einigen Firmen-Mailservern benötigte Zertifikate einzubinden.
Der Messenger kennt nur die Protokolle AIM/Apple Talk und Google Talk, der Rest inklusive des eigentlich zu AIM kompatiblen ICQ fehlt. SMS verschickt man ebenfalls über diese Anwendung, wobei sie Dialoge protokollunabhängig pro Kontakt anzeigt, sodass man eine SMS-Unterhaltung per Chat weiterführen kann.
Für Dateien und Mail-Anhänge stehen ein Dokument-Anzeiger, der Word-Dateien und einfache Excel-Tabellen darstellt, und ein PDF-Viewer bereit. Bilder erkennt das Pre nur im JPEG-Format. Bei Texteingaben ändert eine Rechtschreibkorrektur ab und zu Wörter, nachdem man sie mit der Leertaste beendet – inwiefern man darauf Einfluss nehmen kann, erschließt sich nicht ohne die Online-Hilfe, die bis zum Redaktionsschluss nicht freigeschaltet war.
Nur wenige Anwendungen nutzen den Lagesensor, um beim Drehen des Pres auch den Bildinhalt zu kippen: der Browser, die Uhr, die Fotoanzeige. Videos werden im Querformat angezeigt, alle anderen Anwendungen nutzen das Hochformat. Tastatureingaben muss man sowieso im Hochformat vornehmen, weil WebOS keine Bildschirmtastatur hat.
Wenn eine im Hintergrund laufende Anwendung etwas mitzuteilen hat – beispielsweise beim Eintreffen von Mails, SMS oder Chat-Nachrichten, für verpasste Anrufe oder am Fälligkeitsdatum einer Aufgabe –, blendet sie dazu ein Icon am unteren Bildschirmrand ein. Tippt der Benutzer es an, bekommt er etwas mehr Details angezeigt, bei nochmaligem Antippen öffnet sich die Anwendung selbst.
Die meisten geöffneten Anwendungen arbeiten auch bei ausgeschaltetem Gerät weiter. Was tagsüber für Mail, Chat und Twitter äußerst praktisch ist, führt nachts allerdings nicht nur dazu, dass jede Spam-Mail das Pre aufbrummen lässt, sondern dass der Akku möglicherweise am nächsten Morgen leer ist. Eine Funktion zum zentralen Abschalten von Hintergrundaktivitäten fehlt, man muss abends die Anwendungen schließen. Andererseits muss das Pre eh meist über Nacht ans Ladegerät, weil sich der Akku bei intensiver Gerätenutzung schnell leert.
Das Pre sichert die Konfiguration automatisch einmal täglich auf einem Palm-Server, was sich auch abschalten lässt. Über ein Webinterface lässt sich ein gestohlenes Pre fernlöschen. Wenn es mit einer fremden SIM oder nur per WLAN eingebucht ist, gelingt allerdings kein von außen initiiertes Löschen, sondern das Pre muss sich beim Palm-Server melden – beispielsweise beim täglichen Backup oder bei der Suche nach Updates.
Der App Catalog zum Herunterladen neuer Anwendungen ist einfach zugänglich, bietet aber noch keine allzu große Auswahl. Auch bieten Restaurantführer, Trinkgeldkalkulatoren und Ähnliches derzeit nur für die USA sinnvolle Funktionen an – mehr kann man allerdings vor dem Deutschlandstart auch nicht erwarten.
Das Palm Pre kann in vielen, aber nicht allen Disziplinen mit dem iPhone mithalten. Viele kleine Unstimmigkeiten trüben die Freude darüber, dass Palm die UMTS-Version schon deutlich vor dem Weihnachtsgeschäft auf den Markt bringt. Die offen angelegte Architektur lässt auf Zusatzfunktionen und die Unterstützung weiterer Online-Dienste hoffen, doch das müssen Palm und die Anwendungsentwickler erstmal einlösen. Bis dahin bekommt man mit dem Pre ein vergleichsweise günstiges Smartphone mit mächtigem Betriebssystem, das nicht an teure Spezialverträge gebunden ist. (jow)
[1] Lutz Labs, Rudolf Opitz, Palms letzte Hoffnung, Erste Erfahrungen mit dem Smartphone Pre, c't 14/09, S. 27
| Pre | |
| Smartphone mit WebOS | |
| Hersteller | Palm |
| Anbieter | O2 |
| Technische Daten | www.handy-db.de/1496 |
| Lieferumfang | Ladegerät, USB-Kabel, Stereo-Headset, Tasche, Kurzanleitun |
| Abmessungen (H × B × T), Gewicht | 101 mm × 60 mm × 17 mm, 135 g |
| max. Laufzeit (*1) (Bereitschaft / Sprechen) | 200 h / 5 h (GSM und UMTS) |
| Display-Auflösung (Farbtiefe) / Größe | 320 × 480 (24 Bit) / 3,1 Zoll |
| USB / Bluetooth / WLAN | 2.0 / 2.1+EDR / 802.11 b/g |
| HSDPA / HSUPA | 3,6 MBit/s / - |
| SAR-Wert (*1) | 0,77 W/kg |
| Kamera-Auflösung | 2032 × 1520 |
| Mediaplayer-Formate | MP3, AAC, M4A, WAV, 3GP, H.263, H.264, MPEG-4 |
| Preis ohne Kartenvertrag | 481 € |
| *1 Herstellerangabe | |