Kinderleicht lernen für alle
Das Projekt "One Laptop Per Child" geht in die kritische Phase
Jürgen Rink - 19.04.2007
Die Geschichte von einem, der einen außergewöhnlichen Laptop an Millionen von Kindern verschenken will, klingt nach einer Hollywood-Schnulze. Doch das Projekt "One Laptop Per Child" (OLPC) existiert, verteilt bereits Laptops an interessierte Regierungen und peilt noch für dieses Jahr die millionenfache Auslieferung an.
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Ursprünglich hieß er 100-Dollar-Laptop, jetzt hört er auf den Namen XO, und als solcher fand er den Weg in die c't-Redaktion. Den XO-Laptop hat die gemeinnützige Organisation One Laptop Per Child (OLPC) entwickelt, die auf eine Initiative von Nicholas Negroponte zurückgeht. XO ist nicht einfach nur ein Billigst-Laptop, sondern Teil eines umfassenden Bildungsprojekts. Negroponte, Mitbegründer des MIT Media Lab in Cambridge, USA, startete One Laptop Per Child zusammen mit weiteren Media-Lab-Mitarbeitern im Juli 2005.
Hinter OLPC steht die Überzeugung, dass durch Wissensvermittlung und Ausbildung von Schulkindern in Entwicklungs- und Schwellenländern die Welt ein Stück weit gerechter und friedlicher wird. Der XO-Laptop dient mit seinen Kommunikationsmöglichkeiten und Inhalten als Mittel für dieses Ziel. OLPC plant dabei im ganz großen Maßstab und strebt die millionenfache Produktion von XO-Geräten an. In zwei Jahren soll die Jahresproduktion bei etwa 100 Millionen liegen, was die derzeitige Weltjahresproduktion aller Notebooks übertreffen würde.
Die Organisation entwickelt Hard- und Software des XO und hält die Fäden für die Herstellung und den Verkauf in der Hand. Sie hat mit dem weltgrößten Notebook-Hersteller Quanta bereits einen Vertrag über den Bau des Laptops in der Tasche. Quanta wird den XO in seinem Werk in der ostchinesischen Stadt Changshu fertigen. Die erste Charge von 875 Prototypen (Code-Name BTest-1) ging Ende letzten Jahres an die Entwickler, von der zweiten Prototyp-Version mit Namen BTest-2 lieferte Quanta im Februar eine Stückzahl im vierstelligen Bereich. Noch dieses Jahr soll die erste Million XO-Laptops serienreif vom Band laufen, aber bis dahin haben die Entwickler noch einige Arbeit vor sich, wie die Fehlerliste von BTest-2 verdeutlicht (wiki.laptop.org/go/BTest-2_Release_Notes).
OLPC will den Laptop ausschließlich an Regierungen verkaufen, weder Privatpersonen noch Fachhändler bekommen ihn. Der XO-Verkauf über herkömmliche Vertriebskanäle könnte zwar Geld in die Kassen spülen – auch ein Spendenaufschlag auf den XO wäre denkbar -, aber das würde die Kapazitäten der kleinen OLPC-Gruppe übersteigen, die ganz ohne Marketing-Team auskommt.
Ein umfassendes Sicherheitskonzept sowie die Zusammenarbeit mit UN-Stellen sollen dafür sorgen, dass der XO nach der Lieferung an Regierungsstellen nicht in falsche oder korrupte Hände fällt. Auch die Hardware-Auswahl soll den Diebstahl von vornherein unattraktiv machen. Diese Maßnahmen sollen einen Graumarkt verhindern, wenn die Welt mit Millionen von XO-Laptops bereichert wird.
