Das mobile Internet rückt im wahrsten Sinne des Wortes näher denn je. Und das nicht, weil Medien, Marktforscher und Marketing-Abteilungen es beinahe täglich betonen. Die Verbreitung breitbandiger mobiler Internetzugänge zu immer moderateren Preisen, die Leistungsfähigkeit der aktuellen Generation mobiler Endgeräte und Innovationen im Bereich der Mensch-Maschine-Schnittstelle wie das iPhone-User-Interface mit seinem "Multi Touch Sensing" oder Techniken, die Realwelt und mobiles Internet "clever" miteinander verknüpfen, liefern die Basis, Internetinhalte zu jeder Zeit und an jedem Ort anbieten zu können. Eine dieser technischen Neuerungen ist das "Mobile Tagging" mit 2D-Barcodes.
Bei 2D-Barcodes handelt es sich, im Gegensatz zu den eindimensionalen Strichcodes EAN-13, die jeder von der Supermarktkasse kennt, um als Fläche generierte Codemuster. Diese können mit einem entsprechenden Lesegerät ausgelesen und anschließend die gespeicherten Informationen dekodiert werden. Bei der Information kann es sich um Plain Text, eine URL oder ein beliebiges Textdatenformat handeln.
2D-Barcodes können ein höheres Datenvolumen als die "klassischen" Strichcodes speichern und sind zudem mit für den robusten Einsatz im Consumer-Bereich nötigen Fehlerschutzmechanismen versehen. Das eigentlich Interessante aber ist: In Zukunft wird es möglich sein, 2D-Barcodes mit einem Barcode-Reader auslesen zu können, den viele immer bei sich tragen: dem Handy.
Im Zeitalter des Web 2.0 beschreibt ein Tag ein vom Nutzer frei vergebenes Schlagwort, das mit einem Webobjekt der Wahl (Bild, Video, URL et cetera) verknüpft ist, etwa die Tags "Sommer, Mama, Strand, Italien" mit einem Foto des letzten Urlaubs. Die Schlagworte sind beliebig und gleichwertig, unabhängig von einer vorgegebenen Taxonomie, und erlauben damit die Anreicherung von Webobjekten mit wertvollen zusätzlichen Metadaten durch jeden Benutzer.
Im Unterschied dazu beschreibt der Begriff "Mobile Tagging" die Auszeichnung eines Gegenstands, etwa eines Plakats an der Bushaltestelle, mit einem 2D-Barcode und den Prozess des Auslesens der im Barcode enthaltenen Information.
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2D-Barcodes und Mobile Tagging entstanden im Consumer-Bereich in Japan. 2002 schlossen sich die japanischen Netzwerk-Provider NTT DoCoMo und J-Phone, Endgerätehersteller wie Panasonic, NEC und Sharp sowie die Serviceprovider Denso, Mediaseek und 3Gvision zusammen, um neue Lösungen für die zu diesem Zeitpunkt aktuell in die Endgeräte integrierten Kameras zu entwickeln.
Heute, fünf Jahre später, sind 2D-Barcodes (speziell die QR Codes = Quick Response Codes) in Japan etabliert. Mehr als 95 Prozent der mobilen Nutzer kennen QR Codes und mehr als 70 Prozent nutzen sie, um weiterführende Informationen mobil abzurufen. Das Land, in dem das mobile Internet das stationäre bereits weit hinter sich gelassen hat, ist wieder einmal Vorreiter im Bereich innovativer mobiler Lösungen.
In Europa steckt der Einsatz von 2D-Barcodes im Consumer-Bereich noch in den Kinderschuhen. Während im Business-2-Business-Bereich seit Langem auf 2D-Barcode gesetzt wird, kommt der Einsatz im B2C-Geschäft nur schleppend in Gang. Nach Bahn- und Flugtickets sowie dem rudimentären Einsatz im Handyticketing-Bereich kommt lange nichts. Langsam mehren sich aber die Anzeichen, dass Mobile Tagging auch in Europa den Durchbruch schaffen könnte. Ausgehend von der Schweiz und Großbritannien fallen einem mehr und mehr Barcodes in der Werbung, der Kunst oder im öffentlichen Raum auf.