Wikitude verfolgt den entgegengesetzten Ansatz wie Layar: Außer auf offene verfügbaren Geo-Datenbanken setzt die Software auf eine emsige Community, die ihre Umgebung nach dem Wiki-Prinzip mit Namensschildchen bestücken soll.
Nicht, dass Wikitude keine kommerziellen Absichten verfolgen würde – hinter der Software steckt das österreichische Startup Mobilizy. Doch das Ziel ist ein offenes, umfangreiches Geo-Lexikon à la Wikipedia. Derzeit lässt sich der Browser nur über das Web-Portal www.wikitude.me füttern; in absehbarer Zeit soll es aber auch direkt über den AR-Browser klappen.
Den Grundstock des Datenbestands bilden georeferenzierte Wikipedia-Einträge sowie Empfehlungen von Qype. Wie bei Layar sollen künftig auch Unternehmen und Organisationen Datensätze über ein API einpflegen können. Im Unterschied zur Konkurrenz schneidet Wikitude den Informationsbestand nicht in Scheibchen, sondern zeigt zunächst alle vor Ort verfügbaren Informationen an.
Zur besseren Übersicht weisen Icons auf die Datenquelle hin; zusätzlich kann der Anwender die Daten nach groben Kategorien filtern. Der holistische Ansatz reduziert zwar das lästige Hin und Her zwischen den Ansichtsmodi – vom Parkhaus-Wegweiser zum Restaurantführer zum Hotel-Guide. Andererseits besteht bei wachsender Datendichte die Gefahr, dass die Übersicht verloren geht und Dubletten entstehen. Auch AR-Spam könnte sich breitmachen. Mobilizy-Gründer Philipp Breuss-Schneeweis mag sich zu diesem Thema noch keine Gedanken machen: „Momentan sind eher zu wenig als zu viele Daten verfügbar. Um solche Probleme kümmern wir uns, wenn sie auftreten.“
Mobilizy möchte Wikitude später durch Spezial-Versionen finanzieren, die interessierte Unternehmen mit einem ausgewählten Datenbestand auf ihren eigenen Seiten bereitstellen können – etwa ein Tankstellenverzeichnis oder einen Schnellrestaurant-Finder.
Die World-Browser sind ein erster Schritt für die erweiterte Realität auf Smartphones, AR-Begeisterte seien vor überhöhten Erwartungen aber gewarnt: iPhone & Co bringen zwar alle Grundvoraussetzungen mit – GPS, Lagesensor und Kamera. Derzeit gibt es jedoch noch keine Geräte, deren CPU- und Grafikleistung komplexeren AR-Anwendungen gewachsen wären.