Mit speziellen Displays und handlichem Format eignen sich E-Book-Reader für die Lektüre längerer Texte besser als jeder PC und jedes Handy. Sie stellen E-Books gestochen scharf und augenfreundlich dar und die Akkus halten mehrere Wochen.
Das Angebot an deutschen Bestsellern als digitale Bücher hat auf dem Markt der E-Book-Reader hierzulande zu einer regelrechten Explosion geführt: Im Wochentakt stellen Hersteller neue Reader vor oder rüsten ihr bestehendes Portfolio auf den Standard Epub um. In Deutschland sind inzwischen ungefähr ein Dutzend Reader erhältlich, weitere lassen sich aus dem Ausland importieren.
Als Testkandidaten treten an: die internationale Version des Amazon Kindle 2, das Cybook Opus von Bookeen, der Hanvon N518, der Digital Reader 1000S von Irex Technologies, der Iriver Story und die beiden Sony Reader PRS-505 und Touch Edition. Auf dem deutschen Markt sind eine Handvoll weitere verfügbar, die wir aus unterschiedlichen Gründen nicht berücksichtigt haben. So sind einige wie der COOL-ER und der eSlick Reader von Foxit derzeit nicht lieferbar, das BeBook Mini erreichte uns zum Test nicht rechtzeitig und der Reader Txtr des gleichnamigen Start-ups war zum Redaktionsschluss noch nicht im Handel. Zwei weitere Geräte, das BeBook und das Cybook Gen3, haben wir bereits vorgestellt [1, 2 ].
Alle getesteten Lesegeräte verwenden als Display-Technologie sogenanntes elektronisches Papier, das von dem amerikanischen Unternehmen E Ink entwickelt wurde und nur beim Umblättern Strom benötigt. Das sorgt nicht nur für traumhaft lange Akkuzeiten von mehreren Wochen, sondern ist auch besonders augenfreundlich: Ohne aktive Beleuchtung und mit hoher Auflösung zwischen 160 und 200 dpi sehen Texte gestochen scharf aus und wirken im Kontrast wie auf Umweltpapier gedruckt. Im Dunkeln benötigt man wie für gedruckte Bücher eine Leselampe. Beim Lesen von Romanen vergisst man schnell, dass man einen digitalen Text vor sich hat.
Die meisten Reader-Displays haben eine Diagonale von 6 Zoll und 600 x 800 Bildpunkte. Das Cybook Opus und der Hanvon N518 haben 5-Zoll-Displays und sind bei derselben Auflösung etwas kompakter, der Digital Reader 1000S bietet mit 10,2 Zoll Diagonale und 1024 x 1280 Bildpunkten das größte E-Ink-Display. Zwei entscheidende Nachteile hat die Technik (noch): Farbdisplays gibt es in Deutschland bisher nicht, und das Umblättern dauert mit einer halben bis zwei
Sekunden recht lange. Um die vorige Seite komplett zu löschen, invertieren die Reader außerdem den Inhalt beim Blättern, was gewöhnungsbedürftig ist.
Für E-Books existieren verschiedene Formate, einen mit allen Geräten kompatiblen Standard gibt es nicht. Zwar ist der Großteil digitaler Dokumente im Format PDF vorhanden, jedoch ist dieses mit festem Layout unflexibel und für die Lesegeräte mit kleineren Displays denkbar ungeeignet. Bis auf den Kindle unterstützen alle Reader PDF, jedoch muss man bei vielen vertikal und horizontal scrollen, was sehr mühsam ist. Ausnahme ist der Irex Digital Reader, dessen Display auch für DIN-A4-Dokumente ausreicht. Die Sony Reader und der Iriver Story versuchen, unter Aufgabe des Originallayouts die PDFs umzuformatieren, was bei einfach strukturierten Dokumenten auch einigermaßen gut funktioniert.
Für digitalisierte Bücher eignen sich Formate besser, die sich flexibel an das Display anpassen und typische Buchmerkmale wie Kapitel, Seitenzahlen und Inhaltsverzeichnisse abbilden können. In Deutschland verwenden die meisten Verlage, Buchhändler und Lesegerätehersteller dafür das quelloffene Format Epub und verknüpfen es mit Kopierschutz von Adobe. Die meisten E-Book-Reader beherrschen Epub mit Adobe DRM, im Test nur nicht der Kindle und der Digital Reader von Irex. Amazon setzt auf das eigene proprietäre Format AZW, Irex auf das früher beliebte Mobipocket, wobei die Unterstützung von Epub über ein Firmware-Update bei Irex in Planung ist.
Viele der Gerätehersteller kooperieren mit Buchhändlern, Sony hierzulande beispielsweise mit Libri.de und Thalia, Iriver mit Hugendubel. Eine Integration des Shops auf dem Gerät gibt es nur beim Kindle 2, wo man über Mobilfunk darauf zugreifen kann. Das Angebot an deutschsprachigem digitalem Lesestoff im Format Epub ist mit mehreren tausend E-Books inzwischen recht groß, aber noch lange nicht umfassend. Im Format Mobipocket gibt es vorwiegend Klassiker und Nischen-Belletristik, englischsprachig auch Bestseller. Amazon bietet für die internationale Version des Kindle rund 300.000 Bücher an, darunter viel aktuelle Belletristik, allerdings fast ausschließlich englischsprachig.
Bestseller gibt es selten ohne Kopierschutz. Bei Epub und PDF mit DRM ist zur Freischaltung des Lesegeräts die Adobe-Anwendung Digital Editions (Mac OS, Windows) notwendig. Die Sony-Geräte bringen eine eigene Verwaltungssoftware (Mac OS, Windows) für kopiergeschützte E-Books mit. Sie eignet sich wie Digital Editions auch zum Betrachten der Bücher am PC. Über Editions kann man E-Books auf den Reader übertragen, alle im Test vorgestellten Reader werden aber auch als USB-Massenspeicher erkannt. Der Hanvon N518, der Kindle und die Sony Reader haben eine vorgegebene Ordnerstruktur für verschiedene Medienkategorien, die man beim Überspielen einhalten muss.