GSM-Renner
EDGE: schnelles Internet auch ohne UMTS
Rudolf Opitz - 31.07.2006
T-Mobile gibt Gas beim mobilen Internetzugang: Mit der EDGE-Technik beschleunigt der Anbieter die Datenübertragung in seinem GSM-Mobilfunknetz auf das Drei- bis Vierfache. Kunden mit einem halbwegs aktuellen Handy kommen dadurch automatisch schneller ins Internet – und das ohne UMTS.
Wer sein Handy über den Datendienst GPRS (General Packet Radio Service) zum Mailen und Surfen nutzt, musste bislang mit Datenraten leben, die denen eines betagten Analog-Modems gleichen. Mit EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution) landen Daten drei- bis viermal so schnell beim Empfänger: Während aktuelle GPRS-Handys üblicherweise bis zu 53,6 kBit/s empfangen und 26,8 kBit/s senden, erreichen EDGE-Geräte maximal 217,6 kBit/s in Empfangs- und 108,8 kBit/s in Senderichtung. Damit übertrumpft EDGE nicht nur einen ISDN-Kanal, sondern beim Senden sogar UMTS: Normale UMTS-Handys senden maximal 64 kBit/s.
Die EDGE-Technik eignet sich sowohl zur Beschleunigung des paketorientierten Datendienstes GPRS als auch für das verbindungsorientierte HSCSD (High Speed Circuit Switched Data), das von E-Plus und Vodafone angeboten wird. Die Varianten nutzen dieselben Funknetz-Ressourcen wie die normalen Datendienste. In der Praxis kommt nur die GPRS-basierte Variante, auch Enhanced GPRS (EGPRS) genannt, zum Einsatz. Prinzipiell funktioniert EDGE auch mit HSCSD; man spricht dann von Enhanced Circuit Switched Data (ECSD). Da HSCSD als mobiler Datendienst keine große Rolle mehr spielt – mit ihm lassen sich direkte Kontakte zu Modemgegenstellen und Faxgeräte herstellen –, ist eine Einführung von ECSD nicht geplant.
EDGE, oder besser gesagt EGPRS, spielt als kostengünstige Alternative zu UMTS in vielen Ländern schon längst eine große Rolle. Es kommt etwa in Osteuropa, aber beispielsweise auch in Österreich und der Schweiz zum Einsatz und versorgt dort unter anderem dünn besiedelte Gebiete, für die sich ein UMTS-Ausbau nicht lohnen würde. In Deutschland hatten sich die Netzbetreiber bislang gegen EGPRS ausgesprochen und auf das bessere und technisch anspruchsvollere UMTS verwiesen – schließlich hat man Milliarden dafür investiert.
GSM-Vorstoß
Auf der CeBIT 2006 hat T-Mobile jedoch parallel zum offiziellen Start des UMTS-Beschleunigers HSDPA angekündigt, sein GSM-Netz mit EGPRS auszustatten. Der Dienst stehe in bereits umgerüsteten Funkzellen ab sofort zur Verfügung. T-Mobile nutzt dabei die geplante Modernisierung und den Ausbau seines GSM-Netzes – 1200 neue GSM-Basisstationen sollen bundesweit zusätzlich entstehen -, um weiträumig auf EGPRS umzustellen. Der Plan sieht vor, bis 2007 rund 10 000 Standorte mit neuen Basisstationen von Alcatel und Ericsson auszustatten. Die aktuelle Netz-Hardware der Zulieferer versteht sich standardmäßig auf EGPRS, sodass der Netzbetreiber den Datendienst quasi als Dreingabe dazubekommt.
Nokia stattet GSM-Handys wie das 6131 schon seit längerem mit EGPRS aus, andere Hersteller wie LG verkaufen EDGE-fähige Mobiltelefone bislang nicht in Deutschland.
T-Mobile ist damit der einzige Netzbetreiber in Deutschland, der bislang den schnellen GSM-Datendienst anbietet. Doch gibt es zurzeit nur wenige Standorte. Im dritten Quartal 2006 will T-Mobile die Umrüstung des GSM-Netzes beschleunigen. Dann sollen auch ländliche Gebiete bedacht werden, in denen eine UMTS-Versorgung vorerst nicht geplant ist. Der Netzbetreiber will EGPRS zur Grundabdeckung nutzen und bis 2007 50 Prozent der Bundesbürger mit EGPRS versorgen. Dies dürfte eine gute Nachricht für Kunden sein, die bislang weder Zugang zu DSL noch zu UMTS haben.
Da EGPRS an sich kein brandneuer Datendienst ist, gibt es einen für potenzielle Anwender entscheidenden Vorteil: Viele Handynutzer brauchen sich fürs Surfen via EGPRS kein neues Endgerät zu kaufen, da zahlreiche Modelle damit schon ausgestattet sind. Wir haben die bisher verfügbaren, EGPRS-fähigen Handys in der Tabelle auf der letzten Seite dieses Artikels aufgelistet. Der Start des Datendienstes dürfte auch weitere Hersteller dazu animieren, ihre Geräte, die im Ausland längst mit EGPRS verkauft werden, auch hierzulande anzubieten.
