Das Display ist sensationell, der avisierte Stromverbrauch rekordverdächtig und die Bedienung grundlegend anders und im Idealfall spielerisch zu lernen. Auch an einen mechanischen Generator denkt OLPC, denn mancherorts ist Strom ein Luxusgut. c't stand ein Prototyp der ersten Charge für einen Vorabtest zur Verfügung.
Die Hauptplatine des XO steckt hinter dem Panel im Displaydeckel.
Das Aussehen stammt ursprünglich vom Design-Haus Design Continuum, für die jetzt vorgestellten Prototypen hat Fuseproject die Gestaltung übernommen. Der XO misst einige Zentimeter weniger als 12-Zoll-Subnotebooks und wiegt mit Akku etwa ein Kilogramm. Weil im Deckel hinter dem Display das Mainboard steckt, fällt der Gehäuseteil mit der Tastatur sehr dünn aus – ideal also für Kinderhände. Auch die Tastatur richtet sich mit ihrem 13,3-mm-Tastenraster am Zielpublikum aus – Notebook-Tasten für Erwachsene liegen im 19-mm-Raster.
Der Unterbau ragt hinter dem Display hinaus und endet in einem stabilen Griff. Im aufgeklappten Zustand verhindert der Griff das wegen des vergleichsweise schweren Deckels drohende Kippen des Laptops. Dem zugeklappten Gerät sollen Staub und Spritzwasser nichts ausmachen. Die mit zwei Millimetern recht dicke Gehäusehülle trägt zur Stabilität bei.
Herzstück des Mainboards ist ein Geode-GX2-500-Prozessor mit 366 MHz und einem 32 KByte kleinen Cache. Die x86-kompatible CPU sieht man sonst hauptsächlich in Embedded-Hardware. Sie integriert bereits Grafikchip und Northbridge, aber die Southbridge AMD CS5536 ist ein eigener Chip mit USB-2.0-, Sound und IDE-Anbindung und einer Datenanbindung von 32 MHz. Dem System steht ein eigener Speicher-Controller zur Seite, weil der im Geode-System den Entwicklern zu langsam war.
Die Rechenleistung liegt zwar weit unter der aktueller Notebooks, aber der Geode GX2-500 nimmt maximal etwa 3,5 W auf, der Chipsatz weniger als 1 W – Geode-Systeme sind eben auf einen besonders niedrigen Stromverbrauch hin optimiert. Da mit diesen Werten sowohl Lüfter als auch Kühler entfallen, passt das Board in den Display-Deckel. 128 MByte DDR266-DRAM dienen als Hauptspeicher. Der XO hat keine Festplatte, sondern kann Daten nur auf 512 MByte NAND-Flash-Speicher ablegen. Da auch ein optisches Laufwerk fehlt, hat der XO keine beweglichen Teile im Gehäuse. Für Erweiterungen stehen USB-Slots und ein SD-Card-Slot zur Verfügung.
Daten können per WLAN auf einem Schul-Rechner abgelegt werden. Für einen Preis von 100 US-Dollar plant OLPC einen solchen Server mit 330 GByte Speicherplatz. Doch bislang ist von ihm noch nichts zu sehen. Nur wenige Schulkinder wohnen in der Nähe der Schule, die meisten eher in Nachbarschaft anderer Kinder. Für die drahtlose Verknüpfung der OLPCs per WLAN haben sich die Entwickler deshalb einen Kniff ausgedacht. Die WLAN-Chips arbeiten untereinander als sogenanntes Mesh (vermaschtes Netz), in dem jeder Laptop Daten für andere weiterleitet. Das reduziert die Infrastruktur: Im Minimalfall genügt eine einzige WLAN-Basisstation, um alle Schüler ans Internet zu bringen.
Einzelne XOs halten als Mesh Point Portal mit einer WLAN-Basisstation Kontakt, die den Internet-Zugang bereitstellt. Parallel leiten sie Daten an die anderen Mesh Points weiter. Das Ganze funktioniert mit ein und derselben WLAN-Schnittstelle. Der OLPC-Laptop gilt dabei als erste Implementierung nach dem für Mesh-Netzwerke entstehenden IEEE-Standard 802.11s [1].
Im XO sorgt der Anfang 2005 vorgestellte USB-WLAN-Chip 88W8388 von Marvell für die Vernetzung. Er enthält einen ARM-Prozessorkern nebst etwas RAM als Firmware-Speicher und funkt nach IEEE 802.11g. Dank seines ARM-Kerns kann der WLAN-Controller den Funkbetrieb auch dann aufrechterhalten, wenn der XO ausgeschaltet ist. Geschwindigkeitsrekorde sollte man von einem WLAN-Mesh nicht erwarten: Der typische Durchsatz über mehrere Knoten liegt mit ein bis zwei Megabit pro Sekunde im unteren DSL-Bereich. Doch das genügt für das Nachschlagen in Online-Enzyklopädien oder für die Kommunikation per E-Mail und Chat. Das Mesh dient vor allem auch zur Vernetzung der Kinder untereinander, ohne dass externe Verbindungen notwendig sind. Zusammen mit Skype oder Telepathy, der eingebauten Kamera und dem Mikrofon, ist der XO sogar videokonferenzfähig.
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