Dass elektromagnetische Felder (EMF) prinzipiell gesundheitsgefährdend sein können, ist seit Jahrzehnten unbestritten. Ob das allerdings auch für die EMF gilt, die uns im Alltag umgeben, da scheiden sich immer noch die Geister. Auch die Forscher ringen noch um eine zuverlässige Grenzziehung, ab wann EMF definitiv keine negativen Auswirkungen auf den Körper haben [1]. Solange eine wissenschaftlich fundierte Aussage hierüber aussteht, bleibt vorsichtigen Gemütern nur, das potenzielle Risiko so weit wie möglich zu minimieren.
Zu diesem Schluss ist vor einiger Zeit auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gekommen, bei dem die Beschäftigung mit nicht ionisierender Strahlung (siehe Grafik) immer breiteren Raum einnimmt. Unter diesem Begriff fasst das BfS nieder- und hochfrequente Felder sowie optische Strahlung einschließlich UV-Licht zusammen in Abgrenzung zur ionisierenden Strahlung, deren Beginn das BfS bei der Röntgenstrahlung sieht. Eine neu aufgelegte BfS-Broschüre zu Strahlung und Strahlenschutz soll Laien einen breiten Überblick über die physikalischen, biologischen und messtechnischen Grundlagen geben [2].
EMF im Überblick: Ionisierende und nicht ionisierende Strahlung hat je nach Frequenzbereich unterschiedliche Auswirkungen, wobei sich die Wissenschaft bei eventuellen nicht thermischen Effekten noch nicht einig ist.
In dieser Broschüre informiert unter anderem auch eine Übersicht zu den "wichtigsten Quellen hochfrequenter Strahlung" über Grenz- und Strahlenschutzrichtwerte sowie typische Messwerte für die tatsächlich auftretende Belastung – wobei nicht erläutert wird, ob sich die Wichtigkeit auf die Nutzung oder das Gefährdungspotenzial bezieht. So finden sich in der Liste neben Rundfunk- und Fernsehsender, CB-Funk, Mobilfunk und Radargeräten zwar auch die in Kaufhäusern genutzte HF-Diebstahlsicherung – Aussagen zu WLAN und anderen neueren Funktechniken inklusive RFID sucht man aber vergebens. Ob das nun daran liegt, dass das BfS diese Techniken einfach noch nicht berücksichtigt hat, oder ob das Bundesamt die Belastung hierdurch tatsächlich für unbedeutend hält, erfährt man in der Broschüre leider nicht.
Zusammenfassend zieht das BfS trotzdem den Schluss, dass die Grenzwerte für Hochfrequenzfelder (HF, siehe Kasten Grenzbereiche) im Alltag in der Regel eingehalten und oft weit unterschritten werden, wobei auch hierbei unklar bleibt, was genau das BfS in diese Bewertung einbezogen hat. Gleichzeitig empfiehlt das BfS dem Einzelnen ausdrücklich eine Minimierung der Belastung: "Aus Gründen der Vorsorge ist es zu begrüßen, wenn unmittelbare Feldeinwirkungen möglichst gering gehalten werden." Diese Forderung richtet sich ganz ausdrücklich auch an die Funknetzplaner. Konkrete Hinweise zur individuellen Vorsorge beziehen sich vor allem auf die in der Regel stärkste Belastungsquelle: Mobiltelefonieren. Selten, kurz, nur bei gutem Empfang, mit Headset und Handy mit niedrigem SAR-Wert telefonieren und im Zweifel eine SMS schicken, lauten die Empfehlungen des BfS.
Eine Zusammenstellung, welche konkrete Belastung eigentlich vom Mobilfunk sowie den anderen körpernah genutzten Funktechniken WLAN, Bluetooth und DECT ausgeht, sucht man in der Broschüre allerdings vergeblich – obwohl man deren Nutzung anders als bei den genannten Sendern tatsächlich auch selbst beeinflussen könnte. So bleibt nach der Lektüre immer noch unklar, wie man die Belastungen am effizientesten minimieren kann, beziehungsweise, wo sich ein eventueller Aufwand zur Vorsorge gar nicht lohnt, weil die Belastung eh nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was eine nicht beeinflussbare oder unverzichtbare Quelle liefert.
Auch generell sind systematische Untersuchungen hierzu Mangelware. So bleiben vorläufig nur grobe Abschätzungen. Als leicht zugängliches Kriterium bietet sich für den Vergleich mehr oder weniger direkt am Körper genutzter Funktechniken auf den ersten Blick die Strahlungsleistung an: Mobiltelefone (max. 2000 mW im D-Netz, 1000 mW im E-Netz, 125 mW UMTS), WLAN (100, 200 mW), Bluetooth (1, 2, 5, 100 mW), DECT-Telefon (ca. 10 mW). Da die tatsächliche Belastung darüber hinaus nicht nur von der Entfernung, sondern auch von Parametern wie der Frequenz und der Abstrahlcharakteristik der Antenne abhängt, liefert diese schlichte Hierarchie allein nach der Sendeleistung insbesondere bei relativ dicht beieinander liegenden Leistungen aber höchstens eine grobe Orientierung.