Auf Dauer soll sich Augmented Reality nicht auf mickrige Handy-Displays beschränken; langfristiges Ziel ist die großflächige Integration virtueller Inhalte in die Realität, ohne die Mobilität des AR-Nutzers einzuschränken.
Die Pioniere schnallten sich Anfang der Neunziger ihre Computer noch auf den Rücken und mussten sich erstmal verkabeln, damit ihnen die errechneten Videodaten auf klobigen Spezialbrillen angezeigt werden konnten. Fast zwei Jahrzehnte später sind derartige Head-Mounted Displays (HMD) für Forscher und AR-Visionäre immer noch die Hardware der Wahl – zumindest im Prinzip. Sie nehmen dem Träger kaum Bewegungsfreiheit und behalten stets eine stabile Relation zu Kopf und Auge.
Für den Massenmarkt sind HMDs nach wie vor zu schwer und zu teuer. Das IGD fördert ein Projekt zur Entwicklung einer OLED-Display-Brille mit dem Namen iSTAR (Interactive See-Through Augmented Reality Display). In die OLEDs integrierte Photodioden sollen zur Erfassung von Augenbewegungen benutzt werden, damit der Träger die Hardware durch bloße Änderung der Blickrichtung steuern kann.
Michael Zöllner vom IGD sieht den Durchbruch derartiger Sehhilfen noch in weiter Ferne: „Im Consumer-Bereich gibt es noch keinen Markt, deshalb geht die technische Entwicklung nur im industriellen Umfeld weiter. Damit sich Head-Mounted Displays im Alltag durchsetzen, müssen sie so leicht sein wie eine normale Brille.“
Wolfgang Broll teilt die Skepsis des Kollegen: HMDs lösen bei vielen Leuten Berührungsängste aus. Immer mehr Leute führen jedoch ein Smartphone mit sich und haben sich an den Umgang damit gewöhnt: „Deshalb wird die erste große Augmented-Reality-Welle voll auf die Handys setzen“ – obwohl dafür gegenüber den Labor-Prototypen viele Abstriche in Kauf zu nehmen sind. Neben den bereits erwähnten Grenzen gehört dazu auch, dass das Handy auch dann dasselbe Bild zeigt, wenn man schräg darauf sieht – das bricht die Illusion, durch das Gerät „hindurch zu sehen“. Der hohe Berechnungsaufwand bedeutet auch, dass AR-Browser die Akkulaufzeit erheblich verkürzen.
Zöllner sieht den AR-Trend auf dem Handy mit gewisser Skepsis: „Das ist nicht die Augmented Reality, an der wir seit zehn Jahren forschen. Es wird eine große Enttäuschung geben, weil die Anwendungen auf den Telefonen im Alltag nicht so rund laufen wie in den schönen Videos.“ Dennoch findet er es richtig, schon jetzt damit an die Öffentlichkeit zu treten – nicht, dass es noch einen Weg zurück gäbe.
Aktuelle Augmented-Reality-Projekte experimentieren auch mit anderen Hardware-Klassen als HMDs und Smartphones, etwa mit Ultra-Mobile PCs – tastaturlose Mini-Rechner mit einem Format zwischen Smartphone und Netbook. Im Massenmarkt fanden die Geräte nie die passende Nische [3], und so frotzelt Zöllner auch: „Der Einsatz in der AR-Forschung ist der letzte Sinn, den diese Rechnerplattform noch hat“. Da diese Rechner freihändig geführt werden, erfordert das Tracking der aufgenommenen Umgebung aufwendige Bildverarbeitungsalgorithmen.
Ein anderer Ansatz montiert Tablet PCs fest an einem Schwenkarm. Winkelmessungen an den Gelenken informieren die Bildverarbeitung über die aktuelle Position des Geräts. Die fixe und genaue Positionierung erkauft man jedoch mit dem Verlust an Flexibilität.