Viel genauer als bei unseren Messergebnissen klappt die Handy-Ortung derzeit nicht – selbst für Notfälle, bei denen es um Leben und Tod geht, haben die Mobilfunkgesellschaften kein spezielles Instrumentarium in der Hinterhand. Der privaten Björn Steiger Stiftung, die sich seit ihrer Gründung 1969 für den Aufbau des flächendeckenden Notfallhilfe-Systems engagiert, fallen als Abhilfe gleich zwei technische Systeme ein, wie ihre Pressesprecherin Melanie Storch berichtet: Zum einen habe man zusammen mit der Universität Duisburg-Essen ein verbessertes Verfahren namens Mobile Assisted Positioning (MAP) entwickelt. Um dieses einsetzen zu können, bräuchten die Betreiber allerdings detailliertere Daten etwa über die Position und Leistung der Sendemasten.
Die Alternative: Handys mit eingebautem GPS-Modul können zumindest unter freiem Himmel ihre Position viel genauer bestimmen. Damit solche GPS-Daten vom Mobiltelefon allerdings auch den Notrufleitstellen zur Verfügung stehen, müssen die Schnittstellen bekannt sein, und die unterscheiden sich wieder von Telefon zu Telefon. Bisher kann die Björn Steiger Stiftung Service GmbH den Notfall-Ortungsdienst per Handy-GPS nur für wenige ganz konkrete Geräte anbieten, etwa für das Benefon TWIG Discovery oder das Secufone mit eigener Notruftaste. Mit dem Zusatzmodul activepilot lässt sich der GPS-Notruf auch bei anderen Mobiltelefonen nachrüsten. Ein Client zur Installation auf vorhandenen GPS-Handys ist in Vorbereitung.
Einen dritten Weg beschreitet das Bayerische Landeskriminalamt mit seinem Funkzelleninformationssystem (FIS-Bayern). In mühevoller Kleinarbeit sind Streifenwagen ein engmaschiges Gitternetz im ganzen Land abgefahren, haben die Signale von 190.000 Funkzellen vermessen und mit GPS-Koordinaten verknüpft. Auch beliebte Wanderwege und Klettersteige wurden abgelaufen, sodass bereits vier Fünftel des Landes erfasst sind. "Im Notfall hilft die Datenbank das Suchgebiet erfolgreich einzugrenzen", sagt Ernst Wirth vom bayerischen Landeskriminalamt. Denn auch bei FIS findet keine aktive Ortung eines Mobiltelefons statt, vielmehr korrigieren die Daten aus dem Gelände die idealisierten Rechenergebnisse der üblichen Triangulation. Die Methode ähnelt damit dem Fingerprinting-Verfahren bei der Positionsbestimmung per WLAN, mit der diese in kontrollierten Umgebungen bis auf wenige Meter genau gelingt [2].