Als die Initiative One Laptop Per Child (OLPC) Ende 2005 den weltgrößten Notebook-Fertiger Quanta für den Bau des XO-Laptop ins Boot holte, tat Intels Vorstandsvorsitzender Craig Barett den damals noch 100-Dollar-Laptop genannten XO als Spielzeug ab. Doch spätestens als klar war, dass OLPC keine Luftnummern produziert, sondern mit AMD und anderen namhaften Herstellern im Jahr 2006 bereits erste Boards entwickelte, dürften die Alarmglocken geschrillt haben.
Intel gab Vollgas und präsentierte nur sechs Monate nach der despektierlichen Barett-Äußerung seine Version eines Schüler-Laptops für Entwicklungs- und Schwellenländer. Auf dem World Congress on Information Technology in Austin, Texas, stellte Intel-Chef Paul Otellini am 3. Mai 2006 das Eduwise genannte Gerät samt zugehörigem Programm World Ahead vor. Mittlerweile hat Intel den Eduwise in Classmate PC umgetauft und rührt seit Monaten kräftig die Werbetrommel für den Schüler-Laptop. Seit Ende März liefert Intel den Laptop unter anderem in Chile, Brasilien und Mexiko aus. Derzeit kostet der Rechner über 300 US-Dollar, der Verkauf an Privatleute ist wie beim XO-Laptop nicht vorgesehen.
Mit Classmate PC und dem Bildungsprogramm World Ahead positioniert sich Intel seit Mai 2006 gegen One Laptop per Child und damit den XO-Laptop. Doch seit 13. Juli werden die Karten komplett neu gemischt: Otellini und OLPC-Boss Nicholas Negroponte vereinbarten, dass der Chiphersteller einen der Vorstandssitze von OLPC bekommt.
Um die Auswirkungen dieses Schachzugs zu verstehen, ist ein genauer Blick auf den Classmate PC und Intels Aktivitäten in den Entwicklungs- und Schwellenländern notwendig. Da passte es gut, dass Intel im Vorfeld dieses Paukenschlags mit der Versendung von Testmustern an die IT-Presse begann. Eines davon konnte die Redaktion ausführlich unter die Lupe nehmen, inklusive der von Intel vorgesehenen pädagogischen Anwendungen und Inhalte. Den XO-Laptop hatte heise mobil bereits früher unter die Lupe genommen.
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