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Konkurrenz

Auch wenn's um ein Bildungsprojekt geht – die Aussicht auf einen Markt von 100 Millionen Laptops ruft die Großen auf den Plan, die bislang außen vor sind, aber jetzt doch mitmischen wollen. Zunächst machten sich Intel und Microsoft über den Spar-Laptop lustig, Bill Gates stänkerte "get a real Laptop". Als Microsoft dann aber als Schnellschuss erst ein aufgemotztes Handy als bessere Alternative für Länder mit Nachholbedarf präsentierte, danach den Ultra Mobile PC (UMPC) empfahl, waren die Lacher auf der anderen Seite – der UMPC mit seiner kurzen Laufzeit, den ergonomischen Unzulänglichkeiten und dem Preis von 1000 Euro kann nun wirklich nicht gegen den XO bestehen.

Der zunehmende Erfolg des OLPC-Projekts führte dann zu seriöseren Reaktionen. Die Kehrtwende vollzog Gates im Dezember mit dem Ziel, Windows auf den XO zu bringen. Negroponte assistierte augenzwinkernd und flunkerte, der SD-Slot sei eh nur für Microsoft eingebaut worden – Windows braucht mehr als ein Gigabyte an Platz, der XO hat aber nur 512 MByte. Windows auf dem XO ist wohl eher ein Windei.

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Sugar hat keinen Datei-Manager, sondern verweist auf ein Journal, das Änderungen und Dateien chronologisch listet. Vergrößern

Intel nimmt dagegen die Herausforderung an. Der Chip-Hersteller setzt sein Bildungsprodukt World Ahead dagegen. Das dazugehörige Notebook hieß erst Eduwise, jetzt Classmate und soll 400 US-Dollar kosten. Classmate ist noch etwas kleiner als der XO, hat ein 7-Zoll-Display (800 × 480, 133 dpi), ein Gigabyte Flash-Speicher statt Festplatte und einen Celeron M (900 MHz). Die Laufzeit soll vier Stunden betragen, als Betriebssystem kommt Windows XP Embedded zum Einsatz, aber auch Linux ist möglich. Unter anderem China, Brasilien, Indien, Mexiko und Nigeria haben Interesse angemeldet. Brasilien fährt zweigleisig und hat derzeit neben XOs auch Classmate-Prototypen im Testbetrieb. Laut Intel läuft die Serienproduktion bereits.

Intel will das World-Ahead-Programm in den nächsten Jahren mit insgesamt einer Milliarde Dollar finanzieren. Ziel des Projekts soll sein, Nationen an aktuelle Technik und an Highspeed-Internet-Zugänge heranzuführen sowie Lehrer und Schüler entsprechend auszubilden. Wie die Gelder konkret verteilt werden und was von den Nationen selbst kommt, teilte das Unternehmen bislang nicht mit.

OLPC motiviert offenbar zum Engagement reicher Unternehmen in Ländern mit dürftiger IT-Infrastruktur, wie das Beispiel Intel zeigt. Sofern daran ein Bildungsauftrag hängt und nicht nur Hardware wie aus dem Füllhorn über Länder kommt, ist das grundsätzlich zu begrüßen. Projekte wie Simputer in Indien oder der Longmeng mit Godson-Prozessor für China, die sich auf die Herstellung von möglichst günstiger Hardware konzentrieren, sind damit nicht vergleichbar und derzeit nicht zukunftsfähig. Auch sie wollen bislang unterversorgte Gegenden an die digitale Welt heranführen, sind aber rein kommerziell ausgerichtet.

Fazit

Die Köpfe hinter One Laptop Per Child, allen voran Nicholas Negroponte, ziehen offenbar die Fäden an den richtigen Stellen. Das Bildungsprojekt mit dem Ziel, möglichst vielen Schulkindern in Entwicklungs- und Schwellenländern einen möglichst günstigen Laptop zu geben, hat in kurzer Zeit einen enorm weiten Weg zurückgelegt. Allen Widrigkeiten, Kritikern und ungelösten Fragen zum Trotz hat OLPC das Potenzial, eine Vielzahl von Menschen an moderne Kommunikationsformen heranzuführen und Inhalte zu vermitteln. Die bereits ausgelieferten XO-Laptops sind sichtbares Zeichen dafür, was in der Welt bewegt werden kann, wenn Visionäre, global agierende Unternehmen und internationale politische Organisationen zusammenarbeiten.

Auf der Bildungsebene hat OLPC aus den Fehlern anderer Projekte gelernt, indem neue Technik nicht auf den Schultern der Lehrkräfte abgeladen wird. OLPC-Vorstandsmitglied Michail Bletsas hat das in einem Interview mit ORF.at während der 3GSM auf den Punkt gebracht: "Ich glaube, es ist ein kosteneffektiver Weg, um auf der Bildungsebene etwas zu verändern, indem man die Kinder antreibt, sich selber etwas beizubringen, statt sich auf den traditionellen Ansatz zu stützen, der das Bauen von Schulen und das Training von Lehrern voraussetzt – was Generationen dauern kann." Für den Endpreis von 150 US-Dollar hat OLPC dafür einen Laptop und eine Bedienoberfläche entwickelt, von der auch Schulkinder in Industriestaaten profitieren würden. Zudem steckt der kleine Rechner voller Innovationen: Das sonnenlichtfähige Dualmode-Display und die Mesh-Vernetzung hat kein anderes Notebook.

Die nächsten Schritte werden entscheidend für den Erfolg des Projekts sein: Der XO-Laptop samt Software muss die Serienreife erreichen und Abschlüsse der Kaufverträge mit den Pilotstaaten über fünf bis zehn Millionen Laptops stehen an. Wenn das Projekt das derzeitige Tempo beibehält, kann OLPC zuversichtlich in die Zukunft blicken. (jr)

Literatur
[1] Guido R. Hiertz, Funk-Maschen, Standard für WLAN-Mesh-Netze erreichen Entwurfsstatus, c't 5/07, S. 208
[2] TamTam (tamtam4olpc.wordpress.com)
[3] Sugar-Emulation (wiki.laptop.org/go/OS_images_for_emulation)
[4] Bitfrost (dev.laptop.org/git.do?p=security;a=blob;hb=HEAD;f=bitfrost.txt)
[5] Entwickler-Blog (planet.laptop.org)
[6] OLPC-Portal (www.laptop.org) und Wiki (wiki.laptop.org)
[7] Gut informiertes Blog (www.olpcnews.com)
[8] Video-Demo Sugar (www.ivr-usability.com/olpc/olpc.html)

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