Nach einer nur mäßig beachteten Entwicklung kommen in den USA und in Großbritannien erste Femto-Zellen auf den Markt – kleine Mobilfunkboxen, die die Funkversorgung innerhalb von Gebäuden verbessern. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Mini-Basisstationen das Potenzial haben, den Telefoniemarkt umzukrempeln.
Femto-Zellen, auch als private Funkzellen bezeichnet, sind kleine Mobilfunksende- und Empfangsstationen, die im privaten Bereich, beispielsweise in Wohnungen eingesetzt werden. Sie koppeln Mobilgeräte wie Handys über Kurzstrecken-UMTS-Verbindungen an DSL- und Kabelmodemanschlüsse und leiten so Mobilverbindungen indirekt zum Kernnetz eines Mobilnetzbetreibers (Core Network) – also nicht über dessen übliche Basisstationen und Leitungen, sondern übers Internet. Vom Kernnetz aus werden die Verbindungen dann über übliche Wege zur Gegenstelle geführt.
Es gibt Femto-Zellen für UMTS-Netze, aber auch für andere Mobilnetzarten (z. B. für das in den USA gebräuchliche CDMA2000). Weil sie just dort aufgestellt werden, wo man sie braucht, können sie die Funkversorgung gegenüber der direkten Anbindung über öffentliche Basisstationen desselben Mobilnetzbetreibers teils drastisch verbessern.
Während das Signal einer typischen Makrozelle große Flächen abdecken muss (Quadratkilometer) und dabei durch Hindernisse wie Gebäude teils stark gedämpft wird, deckt eine daheim aufgestellte Mini-Basisstation nur wenige Quadratmeter ab und hat dafür oft sogar Sichtverbindung zum Handy (deep coverage). Daher wird das Handy oder das Smartphone nicht von einem verwaschenen Signal einer entfernten Basisstation versorgt, sondern vom deutlich klareren Signal einer nahe liegenden Femto-Zelle. Die Signals Research Group, ein Forschungsunternehmen, und der Femto-Zellenhersteller Airvana haben unabhängig voneinander entsprechend der besseren Versorgung deutlich höhere, nämlich im Mittel bis zu fünffache Kapazität gegenüber herkömmlichen Basisstationen ermittelt.
Die Ergebnisse belegen offensichtlich, dass sich Femto-Zellen gut für die Versorgung ungünstig gelegener Standorte eignen. Aus dieser Sicht entsprechen sie auch weitgehend den bereits länger bei Geschäftskunden eingesetzten Pico-Zellen. Beides sind Kleinst-Funkzellen, Pico und Femto bezeichnen zunächst nur unterschiedliche Kundengruppen. Beide erreichen mit bis zu 100 mW Sendeleistung Reichweiten von etwa 10 bis 30 Metern. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass Femto-Zellen anders als Pico-Zellen ohne die meist teuren Mietleitungen zum Backbone des Betreibers auskommen. Deshalb können sie zusätzlich die Betriebskosten für das Mobilnetz deutlich senken.