Rund 80 Millionen Mobilfunkkunden gibt es derzeit in Deutschland. Statistisch gesehen hat jeder Bundesbürger, vom Säugling bis zum Greis, eine SIM-Karte mit zugehöriger Rufnummer. Der Boom war so gewaltig, dass man die Mobilfunknummern sogar teilweise um eine Stelle verlängern musste, weil die dafür reservierten Rufnummernblöcke sonst am Ende nicht ausgereicht hätten.
Seit November 2002 steht jedem Mobilfunkkunden das Recht zu, seine Rufnummer bei einem Wechsel des Netzbetreibers mitzunehmen. Mit viel Aufwand schufen die Mobilfunkbetreiber eine Datenbank, um Anrufe auch weiterhin ins richtige Mobilfunknetz leiten zu können. Von der Möglichkeit der Mitnahme macht aber nur eine verschwindend kleine Minderheit Gebrauch. Gerade einmal 1,1 Millionen Rufnummern sind seit 2002 tatsächlich in ein fremdes Netz gewandert und aktuell dort geschaltet. Ähnlich sehen die Zahlen in Österreich aus, dort sind lediglich 1,7 Prozent der Kunden mit der Rufnummer in ein Fremdnetz gewechselt.
Das Desinteresse der Kunden hat verschiedene Gründe. Der wichtigste ist, dass die Rufnummernmitnahme in Deutschland von keinem Anbieter aktiv vermarktet wird. Der Kunde muss explizit danach fragen, wenn er im Laden einen neuen Mobilfunkvertrag abschließt, obendrein bedeutet die Portierung zusätzlichen Papierkram. Dazu kommt, dass die Rufnummer im Zeitalter von Kurzwahlspeichern nicht mehr ganz den Stellenwert besitzt wie noch vor einigen Jahren. Kaum noch jemand lernt die Rufnummer auswendig, sondern wählt sie aus einer Liste. Der Eintrag dort ist mit wenigen Handgriffen auf den aktuellen Stand gebracht. Dennoch bleibt es lästig, alle potenziellen Kommunikationspartner informieren zu müssen, wenn man eine neue Mobilfunknummer hat. Die wenigsten Mobilfunkkunden lassen ihre Mobilfunknummer ins Telefonbuch eintragen, sodass es für Freunde und Geschäftspartner schwierig werden kann, die neue Rufnummer zu erfahren.
Das Gesetz weist zudem eine erhebliche Lücke auf: Alle Mobilfunkbetreiber müssen dem Kunden die Möglichkeit einräumen, seine Rufnummer mitzunehmen. Das Mitbringen ist aber in ihr Belieben gestellt. Wenn der Kunde einen neuen Vertrag abschließt, darf der Vertragspartner also durchaus ablehnen, die vorhandene Rufnummer zu schalten. Während alle Netzbetreiber und fast alle Service-Provider zumindest ihren Vertragskunden das Mitbringen erlauben, sperren sich einige Discounter für Prepaid-Verträge. Simyo, blau.de oder Schwarzfunk beispielsweise sparen sich den Aufwand, Rufnummern anderer Anbieter in ihr System zu importieren. Wer dort Kunde wird, erhält eine neue Rufnummer - ob er will oder nicht. Die einzige Alternative ist es, sich einen anderen, teureren Anbieter mit mehr Service zu suchen.