Auf den ersten Blick ist das Motorola Atrix ein ganz normales Android-Smartphone. Steckt man es in eine der optionalen Docking-Stationen, sieht man plötzlich ein Desktop-Linux.
Auf dem Motorola-Smartphone Atrix läuft nicht nur Android, sondern zusätzlich ein Desktop-Linux. Dies ist allerdings nur sichtbar, wenn das Smartphone – das mit guter Ausstattung, aber mäßiger Kamera durchaus in der Oberliga mitspielt, siehe letzte Seite dieses Artikels – in einer passenden Halterung steckt. Davon hat Motorola zwei im Programm: ein Notebook-ähnliches Gerät mit 11,6-Zoll-Bildschirm sowie eine Multimedia-Station mit HDMI- und USB-Buchsen.
Das 300 Euro teure und 1,1 kg schwere Lapdock enthält ein spiegelndes Display mit 1366 × 768 Punkten, eine Tastatur, ein Trackpad, einen 36-Wh-Akku und zwei USB-Schnittstellen. Das Atrix steckt man in eine Halterung hinter dem Display. Es startet beim Aufklappen ein Linux. Vom üblichen Desktop sieht man jedoch nichts – es läuft eine Webtop getaufte Oberfläche mit einer erweiterbaren Programmstartleiste à la Mac-OS-Dock am unteren Rand und in einem Fenster die Android-Oberfläche des Telefons.
Echte Webtop-Anwendungen gibt es nur zwei: einen Dateibrowser und Mozilla Firefox in der steinalten Version 3.6. Zwar findet sich in der Navigationsleiste auch ein Facebook-Icon, doch dieses führt lediglich zu einem Browser-Fenster mit facebook.com, aber ohne Menüzeile. Über die Navigationsleiste lassen sich weitere Web-Anwendungen hinzufügen, etwa Google Docs. Eigene Programme kann man nicht installieren, lediglich Firefox-Add-ons.
Mit der Entertainment-Center-App spielt man Videos und Musik ab, sie hat jedoch keinen Zugriff auf per USB angeschlossene Speichermedien. Auf dem Telefon gespeicherte Videos spielte sie ruckelfrei ab, nach knapp 9 Stunden ging dem Lapdock die Puste aus – der Smartphone-Akku war danach noch voll, denn das Lapdock lädt das Smartphone auch, wenn es selbst im Akkubetrieb läuft.
Sieht aus wie ein Notebook, ist aber keins: Der Antrieb sitzt im Android-Smartphone auf der Rückseite.
Android-Apps laufen auf der Webtop-Oberfläche im Fenster oder im Fullscreen-Modus, man bedient sie per Trackpad oder Tastatur; zum Telefonieren nutzt man den Freisprechmodus. Beim Blättern in langen Listen vermisst man schnell einen Scrollbalken. Eine gemeinsame Account-Verwaltung gibt es nicht, wer auf der Webtop-Oberfläche auf Google-Dienste zugreifen möchte, muss sich hier erneut anmelden; die Zwischenablage funktioniert nur vom Webtop in Richtung Android.
Android läuft jedoch nicht nur als Fenster, sondern auch unter der Oberfläche: So nutzen etwa beide Systeme das gleiche Download-Verzeichnis. Startet man den Android-Browser und steckt das Atrix dann in das Lapdock, so kann man dort im Firefox an der gleichen Stelle weiter lesen. Umgekehrt speichert das Smartphone die auf dem Webtop geöffneten Webseiten; man kann diese unterwegs auf dem Smartphone wiederherstellen. Die Bookmarks hält das System ebenfalls synchron.
Motorola hat unter Linux einen PDF-Viewer installiert, andere Office-Dokumente schaut man sich auf Wunsch mit dem Office-Paket auf dem Android-Teil an – allerdings nur in dessen Standard-Auflösung.