Das Wort "Prepaid" steht für Vorkasse. Im Mobilfunkmarkt ist es in den Köpfen der meisten Kunden oft mit dem Wort "Kostenkontrolle" verbunden. Um ein Prepaid-Produkt nutzen zu können, muss der Kunde in Vorleistung treten und sein Guthabenkonto auffüllen. Viele lassen sich dadurch zu dem Schluss verleiten, dass bei leerem Guthabenkonto keine Telefonate oder Datenverbindungen mehr möglich sind. Das ist leider mitunter ein teurer Trugschluss.
Bei einigen Mobilfunk-Providern kann das Guthaben unter Umständen ins Minus rutschen, etwa bei Fonic und O2. Die Unternehmen schreiben in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB): "Einzelne Entgelte, insbesondere Entgelte für den Versand von SMS aus dem Ausland oder den Empfang von Gesprächen im Ausland, können mit zeitlicher Verzögerung abgebucht werden." Und logischerweise ist der Kunde anschließend verpflichtet, den Negativ-Saldo wieder auszugleichen.
Noch ungünstiger sind die Vertragsbedingungen bei der Drillisch-Tochter Simply. Hier muss der Kunde trotz Prepaid-Verfahren eine Ermächtigung zum Lastschrifteinzug erteilen – deren Widerruf kostenpflichtig ist. Offenbar plant der Anbieter fest ein, dass das Konto ins Minus rutscht. Bei Guthabenende werden Gespräche nicht getrennt. In den AGB heißt es dazu: "simply weist ausdrücklich darauf hin, dass Roamingverbindungen, Verbindungen zu Premiumdiensten sowie über das Sprach- oder Datennetz in Anspruch genommene Mehrwertdienste verzögert vom Netzbetreiber übermittelt werden können und deshalb eine verzögerte Abrechnung erfolgen kann. Dies erfolgt dann in einer der darauffolgenden Rechnungen." Das sind, wohlgemerkt, die AGB für die "Prepaid"-Verträge. Kein Wunder, dass Simply nicht von einer vollen, sondern nur von einer "erhöhten" Kostenkontrolle spricht.
Und natürlich legt der Vertrag auch gleich fest, was mit dem Negativ-Saldo zu geschehen hat: Der Kunde muss das ausgleichen, und zwar "unverzüglich". Die obligatorische Sperre bei leerem Konto ist also in das Belieben von Simply gestellt. Abgerundet wird das durch saftige Zusatzgebühren, etwa für das Sperren der Karte.
Vollends unterlaufen wird der Prepaid-Gedanke bei Simply mit einer Strafgebühr von 1,79 Euro pro Monat, wenn die Karte zwei Monate lang nicht für kostenpflichtige, abgehende Gespräche genutzt wird. Das ist ein Mindestumsatz durch die Hintertür, der nur im gut versteckten Hinweis zu "keine Grundgebühren" und "kein Mindestumsatz" zu finden ist. Unterm Strich verbindet Simply damit alle Nachteile von Post- und Prepaid-Verfahren in eleganter Weise.