Doch das Alleinstellungsmerkmal währte nur kurz, denn wenige Wochen später zog T-Mobile mit dem NaviGate BlueKit nach, ebenfalls eine Offboard-Navigationslösung für Symbian-OS-Handys der 60-Serie, bei der die Routenberechnung nicht auf dem Endgerät stattfindet. Vielmehr sendet der Anwender per GPRS-Mobilfunk eine Zieladresse an einen Online-Telematik-Server, dieser ermittelt anhand der mitübertragenen GPS-Standortdaten die kürzeste Strecke zum Ziel und transferiert die Routendaten zurück auf das Handy.
Vorteilhaft bei dieser Technik ist vor allem, dass das Endgerät ohne eigenes Kartenmaterial auskommt und die Speicherressourcen des Handys deshalb nur in geringem Maß in Anspruch genommen werden. Zudem haben Telematikzentralen meist Zugriff auf das neueste Kartenmaterial und können aktuelle Verkehrsinformationen bei der Routenberechnung mit berücksichtigen: Sind für die Idealstrecke Staus oder wetterbedingte Behinderungen bekannt, lassen sich umgehend Alternativrouten ermitteln, die streckenmäßig vielleicht etwas länger ausfallen, zeitlich für den Autofahrer aber doch günstiger sein können. Auch benötigt der Nutzer von Offboard-Navigationsanwendungen normalerweise keinen zusätzlichen PC, von dem aus er die Client-Software auf das Mobiltelefon spielt, sondern die Servicebetreiber bieten die Möglichkeit, das Programm entweder per WAP oder E-Mail auf das Handy zu laden. Die von mobilen Onboard-Navigationssystemen leidlich bekannten Stunden der Installation reduzieren sich dadurch auf wenige Minuten.
Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille: Nimmt man Offboard-Navigationsdienste in Anspruch, ist dies - über die Anschaffungskosten für Software und Satellitenempfänger hinaus - immer mit weiteren Kosten verbunden: Entweder verlangt der Betreiber vom Kunden einen turnusmäßigen Obolus (Monats- oder Jahresgebühr) für die Nutzung des Dienstes oder er lässt sich jede Routenberechnung einzeln bezahlen. Zusätzlich muss der Anwender die Gebühren für den GPRS-Datentransfer tragen. Und bei der Nutzung von Systemen, die zusätzlich zur Pfeil- auch noch eine Kartendarstellung mitbringen, können bei längeren Routen durchaus Datenmengen von 100 KByte und mehr anfallen.
Nutzt man einen Offboard-Navigationsdienst über die Grenzen Deutschlands hinaus, sollte man vorher sehr genau die Roaming-Preisliste des heimischen Mobilfunkproviders checken. Denn hierzulande gebuchte GPRS-Pauschalpakete sind in der Regel im Ausland nicht nutzbar, und eine Routenführung von den Alpen bis zur italienischen Stiefelspitze kann sich bei Preisen von bis zu einem Euro für den 10-KByte-Datenblock später als böse Überraschung auf der Telefonrechnung entpuppen. Auch die Abhängigkeit von Funknetz und Server-Verfügbarkeit erweist sich bei Offboard-Lösungen gelegentlich als Crux: Lässt sich nämlich keine GSM/GPRS-Verbindung herstellen oder ist der Telematik-Server down, hilft selbst bei bestem GPS-Empfang nur der
Mit Verkaufsargumenten wie "nur 1 x investieren", "keine laufende Kosten", "diensteunabhängig", ergeben sich gerade hier Marktchancen für neue Anbieter, die es verstehen, die Ressourcen moderner Handy-Generationen effektiv zu nutzen und die Endgeräte selbst für komplexe Navigationsaufgaben einzuspannen. Zahlreiche Handys sind inzwischen mit schnellen Prozessoren und zusätzlichen Memory-Slots (SD, MMC) ausgestattet, die einen Ausbau der Speicherkapazität bis in den Gigabyte-Bereich erlauben. Dass sich ein Handy-Navigationssystem mit kompletter Deutschlandkarte inzwischen ohne weiteres auf einer 256-MByte-MMC-Karte unterbringen und auch betreiben lässt, wird später am Beispiel von Route 66 beschrieben. Ein Problem bei Onboard-Lösungen ist allerdings das Erneuern des Kartenmaterials: Neue Kartendaten gibt es in der Regel nur, wenn eine neue Programmversion fertig ist - und diese muss erneut bezahlt werden. Da die Navigationssystem-Hersteller die in Form von Rohdatenbanken gelieferten Kartendaten selbst aufbereiten, ist auch eine Anfrage bei den Kartenmaterial-Lieferanten zwecklos. Wechselt der Hersteller den Kartenmaterial-Lieferanten oder entwickelt er ein völlig neues Produkt, schauen Besitzer älterer Systeme generell in die Röhre.
Besitzer von Fahrzeugen mit fest eingebautem Navigationssystem winken gerne ab, geht es um die Genauigkeit, mit der mobile Navigationslösungen arbeiten - schließlich können diese keine zusätzlichen Sensordaten aus der Fahrzeugelektronik für die Positionsbestimmung abrufen. Daten von Gyro-Sensoren etwa, magnetfeldunabhängige Trägheitssensoren, die unmittelbar jede Richtungsänderung des Fahrzeugs registrieren, oder elektronischen Tachosignale, über die kontinuierlich die zurückgelegte Strecke ermitteln wird. Handy-Anwendungen erhalten solche Informationen bislang nur verzögert über die Positionsermittlung per GPS und das mit einem durchschnittlichen Fehlerradius von etwa 10 bis 15 Metern.