Icons per Blick auswählen, den eigenen Unterarm als Touchscreen benutzen oder einfach mit den Händen in die Luft zeichnen – all das funktioniert bereits, zumindest unter Laborbedingungen.
Während man im Alltag sein Mobiltelefon per Touchscreen oder oft noch ganz konventionell über Tasten bedient, denken die Forscher weltweit längst über neue Wege der Mensch-Maschine-Interaktion nach. Beim Prototyp namens EyePhone (PDF-Datei, Video), den ein Team um Professor Andrew Campbell am Dartmouth College in Hanover (New Hampshire, USA) entwickelt hat, genügt beispielsweise ein Blick zur Auswahl eines Programm-Icons auf dem Telefonbildschirm; geklickt wird anschließend durch Zwinkern.
Bei EyePhone wählt man die Icons eines speziellen Menüs per Blick aus ...
Bild: Dartmouth College, Hanover, NH
Das für den Prototyp verwendete Smartphone besitzt eine Kamera neben dem Display, die das Gesicht des Nutzers aufnimmt. Die Software muss für jeden individuellen Anwender darauf trainiert werden, eines seiner Augen unter verschiedenen Lichtbedingungen und Blickwinkeln zu erkennen.
... und klickt sie durch Blinzeln an.
Bild: Dartmouth College, Hanover, NH
Die Blickrichtung wird dabei (noch) nicht ausgewertet; statt dessen zerlegt EyePhone das Kamerabild in neun Felder, die den Icons eines speziellen Menüs zugeordnet sind. Dann versucht sie festzustellen, in welchem Feld das Auge aktuell zu sehen ist. Zur Auswahl muss der Nutzer das Gerät deshalb leicht verschieben oder schwenken.
Skinput verwandelt mittels eines vibrationsempfindlichen Armbands und eines Minibeamers die Handfläche in eine Handytastatur.
Bild: Chris Harrison, Carnegie Mellon/Microsoft
Andere Forscher wollen In- und Output gleich ganz vom eigentlichen Mobiltelefon oder Rechner trennen. Beim Projekt Skinput (PDF-Datei, Webseite), einer Kooperation von Chris Harrison von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh (Pennsylvania, USA) mit Desney Tan und Dan Morris von Microsoft Research, misst eine Sensormanschette, die man in der Nähe des Ellenbogens trägt, die Erschütterungen, die durch Tippen auf unterschiedliche Stellen des Unterarms oder der Hand entstehen. Der Prototyp ist in der Lage, beispielsweise zehn verschiedene festgelegte Tipp-Positionen auf dem Unterarm mit einer Genauigkeit von über 80 Prozent zu erkennen. Kombiniert man Skinput mit einem Minibeamer, verwandelt sich die eigene Haut vom Touchpad in einen Touchscreen, sodass man beispielsweise Telefonnummern durch Tippen in die Handfläche wählen kann. Diese Idee an sich ist nicht neu – mit einem ähnlichen Szenario sorgte Anfang vergangenen Jahres der MIT-Prototyp SixthSense für Aufmerksamkeit. Dieser arbeitet allerdings nicht mit Vibrationssensoren, sondern verarbeitet Live-Bilder von einer Webcam, die Gesten des Nutzers verfolgt. Für eine zuverlässigere Bewegungserkennung muss der Anwender bunte Kappen auf den Fingern tragen.
Für Gesten interessieren sich auch Sean Gustafson, Patrick Baudisch und Daniel Bierwirth vom Hasso Plattner Institut an der Uni Postdam. Ihr Ziel ist allerdings nicht, ein Telefon über Winke zu steuern, sie wollen vielmehr den Gesprächspartnern ein „Imaginary Interface“ (Projektseite)zur Verfügung stellen, das ungefähr so arbeitet wie ein vorgestelltes Touchpad: Eine Hand formt ein L und legt damit das Koordinatensystem und den Rand einer vorgestellten Fläche fest, auf die man mit der anderen Hand in die Luft zeichnet.
Eine Videokamera vor der Brust filmt, was der Anwender in die Luft zeichnet, und überträgt die Figuren an den Gesprächspartner.
Bild: Hasso Plattner Institut
Eine an die Brust geheftete kleine Videokamera nimmt dabei die Positionen beider Hände auf. Dank etwas Bildverarbeitung bekommt der andere Gesprächspartner die imaginär gezeichnete Form oder Kurve auf seinem Display grafisch dargestellt.
Dabei ist der Nutzer nicht gezwungen, alles in einem Zug zu zeichnen. Er kann die Skizze in der Luft vielmehr auch aus mehreren Elementen zusammensetzen. Nach Erfahrung der Potsdamer funktioniert das recht gut. „Menschen können räumlich interagieren, auch ohne das Bearbeitete zu sehen“, erklärt Patrick Baudisch. Die unsichtbaren Zeichnungen könnten deshalb helfen, kompliziert zu beschreibende räumliche Dinge während des Telefonats grafisch zu klären, wie das Layout eines Artikels, den Plan einer Wohnung oder die Entwicklung eines Börsenkurses. Ein wissenschaftliches Paper zu dieser Arbeit ist in Vorbereitung, aber noch nicht veröffentlicht.
(pek)