Die Ortung übers Mobiltelefon erweist sich von allen Verfahren als das zwiespältigste: Das notwendige Gerät trägt fast jeder mit sich herum und die Kosten bilden keine echte Hemmschwelle. Missbrauch ist bei der derzeitigen Praxis mancher Anbieter aber nicht ausgeschlossen. Geht es wirklich um Leben und Tod, dürfen sich Telefongesellschaften und Polizei ohnehin Zugriff auf die Daten verschaffen. Für private Zwecke und bei Alltagskatastrophen gerät die Ortung aber so ungenau, dass sie kaum nützt. Um Argwohn zu schüren, reicht das allerdings aus – wenn etwa der gute Freund, der laut Hosentaschen-Radarschirm kaum zwei Straßen weiter unterwegs ist, offenbar einen weiten Bogen um mich macht, obwohl – oder weil? – er meinen Standort auch sehen kann ...
Wer lieber die zufällige räumliche Nähe als die eigene Lust darüber entscheiden lassen will, mit wem er sich trifft, kann sich mit WLAN, Browser-Erweiterungen und Webdiensten ein passendes System zum Nulltarif stricken. Das Verfahren funktioniert im Unterschied zu GPS auch in Innenräumen, wenn auch nur in Ballungsgebieten – aber schließlich setzen sich die wenigsten mit ihrem Klapprechner zum Arbeiten auf die grüne Wiese. Ernsthaft vorm Verlorengehen schützen kann man teure Menschen und Karossen derzeit allerdings nur mit speziellen – und ebenfalls nicht ganz billigen – GPS-Trackern, die ihre eigene Position gleich an einen Server weiterleiten.
Bei einem Gerät wie Spot hat es sein Besitzer selbst in der Hand, ob er per Knopfdruck seinen aktuellen Aufenthaltsort bekannt macht oder nicht. Hingegen stellt gerade im persönlichen Bereich jede kontinuierliche automatische Positionsübertragung oder Ortungsmöglichkeit von Außen einen massiven Eingriff in die Privatsphäre dar – egal, wie gut der Zweck auch gemeint ist. Hat man die Handy-Ortung ursprünglich mal für Notfälle freigeschaltet, sollte man konsequent in allen anderen Fällen die Finger davon lassen. (pek)
| [1] | Oliver Lau, Global Positioning System, Antworten auf die häufigsten Fragen, c't 24/07, S. 202 |
| [2] | Steffen Meyer, Wo bin ich?, Positionsbestimmung per WLAN, c't 5/08, S. 194 |
| [3] | Oliver Lau, Fährtenleger, Dreizehn GPS-Logger ab 50 Euro, c't 19/08, S. 106 |
| [4] | Achim Barczok, Komfortabel geführt, Navis entdecken das Internet, planen die Fahrt ins Blaue und werden lernfähig, www.heise.de/mobil/artikel/121284 |
| [5] | Dusan Zivadinovic, Jean-Marie Zogg, GPS im Haus, Ortung per Handy: Funktion und Verfeinerung, c't 20/04, S. 222 |
| [6] | Daniel Lüders, Teure Vielfunker, billige Pfadfinder, Mobilfunk-Navis als Nachrichtenzentrale im Auto, c't 5/08, S. 30 |
| [7] | Abdeckung von Skyhook: www.skyhookwireless.com/howitworks/coverage.php |