Wollte man Programme für Symbian-Smartphones mit Series-60-Bedienoberfläche entwickeln, blieb einem lange nichts anderes übrig, als mit C++ oder Java zu arbeiten. Beide eignen sich zwar für hardwarenahe und effiziente Programmierung, sind aber Anfängern nur schwer begreiflich und nützen für die ersten Schritte wenig.
Seit Nokia ein Entwicklerpaket mit der Skriptsprache Python kostenlos bereitstellt, haben auch Programmiereinsteiger die Chance, mit wenigen Schritten nützliche Applikationen für ihr Smartphone zu erstellen. Python ist leicht erlernbar, enthält aber schon Elemente objektorientierter Programmierung. Mit geringem Programmieraufwand kommt man im Vergleich zu den meisten anderen Programmiersprachen schnell zum Ziel. Weil einzelne Klassen beispielsweise auch aus C++ oder Java angesprochen werden können, braucht der fortgeschrittene Programmierer alten Quellcode nicht wegzuwerfen, sondern kann ihn aus anderen Programmen heraus benutzen. Wer sich mit der Sprache Python vertraut machen möchte, findet im Internet eine Fülle von Anleitungen wie beispielsweise das Tutorial des Python-Erfinders Guido von Rossum [1].
Zwar verarbeitet bislang noch kein Series-60-Gerät von Haus aus Python-Skripte, aber mit wenigen Handgriffen bringt man seinem Smartphone die Sprache bei. Die aktuelle Version 1.2 baut auf Python 2.2.2 auf und bedient die Systemversionen Symbian OS Series 60 1st und 2nd Edition. Nokia legt dem Software Development Kit (SDK) alle nötigen Programmbibliotheken bei, um die Fähigkeiten des Smartphones von der Fotokamera über SMS bis zu Bluetooth-Funk in eigenen Applikationen relativ einfach zu nutzen.
Selbst wer kein Series-60-Smartphone besitzt, kann Python-Programme für solche Geräte auf seinem PC erstellen und starten, denn das Python-Paket enthält einen Smartphone-Emulator für PCs mit Windows XP. Der Emulator stellt ein generisches Symbian-OS-Handy mit Series-60-Bedienoberfläche dar, das sich in den meisten Fällen genau wie ein echtes Mobiltelefon verhält.
Aber auch wer bereits ein Series-60-Smartphone besitzt, lernt den Emulator schnell schätzen, spart er doch viel Zeit beim Programmieren und Testen. Zudem erweist er sich zum Prüfen von Applikationen als hilfreich, die gleichzeitig auf mehreren Smartphones laufen sollen (beispielsweise für Peer-to-Peer-Netzwerke), falls die nötigen Endgeräte fehlen. Im PC öffnet man beliebig viele Emulator-Fenster, die auch untereinander kommunizieren können. Sogar GPRS-Verbindungen gaukelt der Emulator vor und nutzt dabei die Internet-Verbindung des PC. Zum Testen gerätespezifischer Funktionen wie Kamera oder Mobilfunk braucht man allerdings ein echtes Smartphone.
Am Beispiel der aktuell am meisten verbreiteten Systemversion Series 60 2nd Edition zeigen wir, wie man PC und Smartphone fit für Python macht. Alle benötigten Dateien stehen unter kom.aau.dk/project/mobilephone/Python/ zum Download bereit.. Man findet sie allerdings auch - nebst der Entwicklerpakete für alle anderen Series-60-Versionen - auf dem Entwicklerportal von Nokia [2]. Für die Installation benötigt man einen Rechner mit Windows XP SP1 oder höher.
Um das SDK mit dem Emulator, der Dokumentation und weiteren nützlichen Tools auf dem PC zu installieren, lädt man die für sein Smartphone-System passende Datei herunter, entpackt sie und führt das enthaltene Setup-Programm aus. Soll der Emulator die Internet-Verbindung des PC für virtuelle GPRS-Verbindungen benutzen, muss man gegen Ende der Installation eine Netzwerkverbindung hierfür auswählen. Auch wenn das Installationsprogramm auf Kompatibilitäten zu C++-Compilern verweist, kann man diese für Python geflissentlich ignorieren.
Das Beispielprogramm fragt die aktuelle Funkzelle ab und sendet bei Erreichen der Homezone eine SMS an eine beliebige Handy-Nummer.
Nach einem Neustart des Rechners spielt man die Python-Komponenten auf seinen PC. Hierzu lädt und entpackt man das passende Python-SDK und führt die darin enthaltene Installationsdatei aus. Das Setupprogramm richtet innerhalb der SDK-Installation ein Verzeichnis für die Python-spezifische Dokumentation und andere nützliche Programme ein. Der Ordner enthält beispielsweise eine Auflistung und Erläuterungen sämtlicher Python-Programmbibliotheken für Series 60 und einen Python-Einführungskurs. Das Installationsprogramm kopiert automatisch die nötigen Dateien des Python-Interpreters samt einiger Beispielprogramme in das richtige Verzeichnis des Emulators. Nach der Installation sollte nun in der Debug-Version des Emulators in der Hauptgruppe des Menüs das Schlangen-Symbol für den Series-60-Python-Interpreter erscheinen. Wer noch kein PC-Python ab Version 2.2.2 hat, installiert sich die aktuelle Version. Dazu startet man das Einrichtungsprogramm python-2.4.2.msi.