Bedienoberfläche und Anwendungen orientieren sich am didaktischen Konzept, das auf Theorien vom konstruktiven Lernen von Seymour Papert und später Alan Kay zurückgeht. Auch Negropontes Ideen, die er in seinem Bestseller "Being Digital" dargelegt hat, fanden Eingang. Auf dem XO soll ausschließlich Open-Source-Software laufen. Eine Ausnahme musste OLPC aber zulassen: Die Firmware des WLAN-Controllers gibt es derzeit nur als Binär-Image. Davon abgesehen sollen die Schulkinder so weit wie möglich ihr System verändern können. Das geht nur mit offenliegendem Code.
Das BIOS ist ein LinuxBIOS mit OpenFirmware. LinuxBIOS steht unter GNU GPL, der Source Code ist also frei verfüg- und veränderbar. Auf den Rechnern läuft ein abgespecktes Fedora-Linux von Red Hat (Kernel 2.6.19), das eine speziell für OLPC entwickelte grafische Oberfläche namens Sugar enthält. Die Bedienoberfläche und die Anwendungen werden für die jeweilige Sprache und Schrift lokalisiert. Das gilt auch für die Tastenbeschriftung.
Bedienoberfläche Sugar: Symbole unten am Rand führen zu den Anwendungen, der Kreis zeigt auf geöffnete Anwendungen und die Symbole oben verweisen auf Betriebsmodi (allein oder im Mesh-Netzwerk).
Nach dem Booten prangt in der Mitte von Sugar das X-förmige Logo des Projekts. Sobald man die Maus Richtung Bildschirmrand bewegt oder eine Sondertaste dafür drückt, erscheint ein breiter Rahmen mit diversen Symbolen. Oben links sieht man einen Kreis mit acht Punkten, der für die Gruppe aller Anwender steht, die gerade am Mesh-Netzwerk teilnehmen, ein Kreis mit drei Punkten symbolisiert einen individuell festgelegten Personenkreis, und mit einem Klick auf den Kreis mit nur einem Punkt entscheidet man sich fürs lokale Arbeiten mit den eigenen Anwendungen.
Unten links enthält die Sugar-Oberfläche Symbole zum Start der vorinstallierten Programme. BTest-1 enthält bereits Mozilla fürs Browsen, die Mal- und Experimentier-Umgebung EToys, AbiWord als Textverarbeitung, ein an das bekannte Memory angelehntes Spiel sowie TamTam zum Ausprobieren von Tönen, Melodien und Rhythmen [2]. Sobald man das Bild eines Musikinstruments anklickt, kann man die Tastatur wie die Tasten eines Klaviers dazu nutzen, um Töne zu erzeugen. Das nett gestaltete Musikprogramm liefert die Schlagzeugbegleitung zu den eigenen Kompositionen. Zukünftig sollen ein Flash-Player und ein Multimedia- und E-Book-Reader zum Software-Paket gehören.
Vermutlich wird der endgültige OLPC auch eine Variante der von Seymour Papert entwickelten Programmiersprache Logo enthalten. Jüngere Kinder, so das Konzept, könnten damit experimentieren und erste Programmiererfahrungen sammeln. Für etwas ältere Schüler eignet sich die EToys-Umgebung am besten, während für Jugendliche die Möglichkeit besteht, mit Python zu arbeiten.
Die EToys sind eng mit Squeak verknüpft, einem Dialekt der objektorientierten Programmiersprache Smalltalk. In zahlreichen Projekten in den USA, aber beispielsweise auch in Deutschland, der Schweiz und Österreich beschäftigen sich Lehrer, Psychologen und Didaktiker mit den Möglichkeiten, die die quelloffene Entwicklungsumgebung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht bietet. Der Begriff EToys, der häufig synonym für Squeak verwendet wird, bezeichnet eine kindgerechte Oberfläche, die jüngeren Schülern einen Zugang zu dieser Programmiersprache bietet. Sie können darin sehr leicht selbst gemalte Objekte animieren und deren Verhaltensweisen auf dem Bildschirm beobachten. So setzen sie sich spielerisch etwa mit physikalischen Konzepten von Geschwindigkeit oder Beschleunigung auseinander.
Aktuell arbeiten die Entwickler an einer Journal-Funktion, in die sie später AbiWord als Editor integrieren wollen. Wie in einer Art Tagebuch soll der Schüler im Journal dann die eigenen Arbeitsschritte zurückverfolgen können. Einen Text, an dem er am Vormittag des zurückliegenden Tages zuletzt gearbeitet hat, könnte er mit Hilfe dieser Zeitangabe im Journal jederzeit wiederfinden. Auf diese Weise soll das Journal die explizit vom Anwender vorgenommene Dateiablage in Verzeichnissen oder Unterverzeichnissen überflüssig machen. Der XO soll zudem einen Chat- und einen Mail-Client bekommen.
Auf Videostream-Seiten wie YouTube haben Entwickler viele Videos hochgeladen, die zeigen, wie sich Sugar und die bereits vorhandenen Anwendungen bedienen lassen. Mit VMware oder QEMU auf einem Windows-, Mac-OS- oder Linux-Rechner kann man Sugar aber auch selbst ausprobieren. Entwickler bieten kostenlos Images des aktuellen Softwarebestands inklusive Anleitungen an [3].