Die Fortschritte der vergangenen Jahre sind also auch nicht an der Sicherheit der veralteten Funkverschlüsselung der Handys vorbeigegangen. Die Aussichten stehen schlecht, dass sich Telefonate über das GSM-Netz noch lange als ausreichend abhörsicher bezeichnen lassen. Es ist aber auch nicht verwunderlich, dass ein bald drei Jahrzehnte alter Verschlüsselungsalgorithmus nicht mehr dem Stand der Technik entspricht.
Für professionelle Entschlüsseler im Auftrag einer Regierungsbehörde stellt die GSM-Verschlüsselung ohnehin kaum eine Hürde dar. Notfalls greifen sie die Daten direkt beim Provider ab. Wenn eine Hacker-Gruppe innerhalb von Monaten ein funktionierendes Cracking-System bauen kann, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass finanziell besser ausgestattete Organisationen längst über vergleichbare Systeme verfügen. Zwar sind in Deutschland solche Systeme wegen des "Hackertools-Paragrafen" 202c illegal, doch spätestens, wenn jeder Hobbyschnüffler für unter 2000 Euro bei den Gesprächen der gesamten Nachbarschaft mitlauschen kann, wirds brenzlig - gute Richtantennen liefern sogar Reichweiten von vielen Kilometern. Bleibt nur noch der Trost, dass die UMTS-Netze auf dem Vormarsch sind. Im Gegensatz zu A5/1 und A5/2 wurde deren Blockchiffre A5/3 nicht unter Verschluss entwickelt, weshalb er als erheblich sicherer gelten kann. Noch sind keine besonderen kryptografischen Schwächen in A5/3 bekannt. (cr)
| [1] Wiki des GSM Software Project: wiki.thc.org/gsm |
| [2] Elad Pinhas Barkan, Cryptanalysis of Ciphers and Protocols, www.cs.technion.ac.il/users/wwwb/cgi-bin/trget.cgi/2006/PHD/PHD-2006-04.pdf |