Derzeit liegen Bestellzusagen von Argentinien, Brasilien, Libyen und Nigeria über insgesamt knapp vier Millionen Laptops vor. Um die Jahreswende haben auch Ruanda und Uruguay ihre Teilnahme am Projekt angekündigt, aber noch keine Zahlen genannt. Nur Libyen hat bislang ein Abkommen unterzeichnet, in dem sich das Land zur Ausstattung jedes der 1,2 Millionen Schulkinder verpflichtet. Was die Absichtserklärungen wert sind, wird sich zeigen, wenn der Laptop die Serienreife erreicht hat, denn erst dann will OLPC Kaufverträge abschließen.
Der Startschuss für die Produktion fällt, wenn Regierungen insgesamt fünf bis zehn Millionen Stück bestellt haben, gibt OLPC als Messlatte vor. Um diese zu erreichen, trommelt der OLPC-Vorsitzende Negroponte laut auf der politischen Bühne: Im Januar 2005 hat er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Organisation OLPC angekündigt und im November 2005 anlässlich des Weltgipfels der Informationsgesellschaft (WSIS) in Tunesien den Laptop zusammen mit Kofi Annan, dem damaligen UN-Generalsekretär präsentiert.
Der XO-Laptop orientiert sich an Kinderhänden, deshalb überragen herkömmliche Notebooks ihn deutlich; die beiden Ohren oben schützen die Ports und beherbergen WLAN-Antennen. Der Display-Deckel ist drehbar für Lese- und Mal-Aktionen.
Nicht nur das Händeschütteln auf höchster politischer Ebene soll die Ausweitung des Projekts auf viele Länder ermöglichen, sondern auch ein Abkommen, das Negroponte und Kemal Dervis, Chef des UN Development Program (UNDP), auf dem Weltwirtschaftsforum 2006 unterzeichnet haben. Darin verspricht UNDP, mit seinen 166 Niederlassungen in fast allen Nationen das OLPC-Projekt vom ersten Kontakt mit dem Bildungsminister bis zur Logistik zu unterstützen.
Ein derart großes Projekt bedarf einer soliden Finanzierung. Das Startkapital stammt von den Sponsoren AMD, Brightstar, Google, Marvell, News Corporation, SES Global und Red Hat. Im Mai 2006 kamen Nortel Networks und eBay dazu. Negroponte konnte von den Sponsoren bis Februar 2006 schon 20 Millionen Dollar einsammeln – ohne das charismatische Auftreten und die glänzenden Kontakte des OLPC-Chefs wäre das wohl undenkbar. Von den Geldern deckt OLPC nicht nur alle Kosten, sondern auch die Entwicklung des Laptops. OLPC besteht aus nur zehn Hauptmitgliedern und acht Beratern, darunter Alan Kay und CTO Mary Lou Jepsen.
Schon wegen der schieren Dimension ist das Projekt für die Großen der Branche interessant. Außerdem ist der große Maßstab unerlässlich, um die Kosten für den XO zu drücken. Die Unternehmen unterstützen OLPC, wirtschaften aber mit der Produktion des XO in die eigene Tasche. Quanta verdient an der Endfertigung, Red Hat am Fedora-Linux, CMO am Display. Marvell will die WLAN-Hardware mit Gewinn verkaufen, von Google stammen Karten und eBay kommt mit Skype und PayPal ins Spiel. In Libyen will SES Astra ein Satellitensystem aufbauen.
Für die erste Runde von fünf bis zehn Millionen XO-Laptops geht die aktuelle Kalkulation von einem Verkaufspreis von 150 US-Dollar aus – ein 100-Dollar-Laptop wird der XO also vorerst nicht. Etwa 140 US-Dollar kostet der Laptop, die größten Posten bilden Display und CPU inklusive Chipsatz mit jeweils knapp 30 US-Dollar. Zehn US-Dollar bleiben als Marge für Quanta und Co übrig. OLPC sorgt nach der Fertigstellung dafür, dass die Laptops zu den Regierungen kommen. Um die Logistik vor Ort müssen sich die beteiligten Regierungsstellen und eventuell UNDP kümmern.
Da auch abgespeckte x86-Notebooks zu viel kosten und bestehende Betriebssysteme nicht für Kinder taugen, kommt übliche AMD/Intel-Hardware ebenso wenig in Frage wie aktuelle Betriebssysteme mit ihren Bedienoberflächen. Also musste etwas völlig Neues her. Solchermaßen von aller Kompatibilität mit Hard- und Software entbunden, konnte OLPC einen XO entwickeln, der jede Menge Innovationen enthält.