Unter der Flagge Wimax (Worldwide Interoperability for Microwave Access) segelt eine Breitband-Funktechnik, die sich noch in der Entwicklung befindet und in zwei Ausprägungen auf unterschiedliche Einsatzfelder zielt: Die eine Variante tritt als stationäre Funk-Alternative gegen das Festnetz-DSL an, gewissermaßen als "Wireless DSL" (W-DSL). Die andere lässt sich besser als Weitbereichs-WLAN beschreiben. Dabei versorgt die Wimax-Basisstation portable Endgeräte in einem verglichen mit WLAN erheblich größeren Hotspot von einigen Kilometern Durchmesser mit dem Netzzugang.
Auf der Fieberkurve von Euphorie, Enttäuschung und Ernüchterung, die neue Technologien gewöhnlich durchlaufen, befindet sich Wimax nach Einschätzung des Gartner-Marktanalytikers Ian Keene "derzeit auf dem Gipfel der überzogenen Erwartungen". Dort befanden sich auch die drahtlosen Ortsanschlusstechniken schon einmal: Ende der neunziger Jahre war Wireless Local Loop (WLL) der Kandidat, das Leitungsmonopol der vormals staatlichen Telefongesellschaften auf dem Weg zum Endkunden aufzubrechen. In Deutschland hatte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) in mehreren Runden bundesweit rund 1600 Lizenzen in den 3,5- und 26-GHz-Frequenzbändern erteilt. Doch wie überall platzten auch hierzulande die schönen Geschäftsmodelle und der von den Deregulierungspolitikern ersehnte Infrastruktur-Wettbewerb kam nicht in Gang. Zu den Preisen, die die Hersteller für ihre proprietären WLL-Systeme verlangten, war gegen die Telekom nicht anzukommen, die begann, ihren wirtschaftlich längst abgeschriebenen Kupferleitungen mit DSL neuen Umsatz zu entlocken.
Neben den zwischenzeitlich erzielten technischen Fortschritten führen Branchenbeobachter vor allem drei Gründe an, weshalb Wimax mit besseren Voraussetzungen an den Start geht als WLL. Zum Ersten ist Wimax nicht auf ein Einsatzfeld festgelegt: Netzbetreiber können damit WLAN-Hotspots ebenso vernetzen wie die Basisstationen des Mobilfunks. Für den Endkunden bleibt das drahtlose Internet nicht auf den festen Hausanschluss und damit die eigene Wohnung beschränkt, der Zugang wird im Einzugsbereich einer Wimax-Station portabel.
Zweitens ist Wimax keine proprietäre Technik, die den Provider und seine Kunden langfristig an einen Hardware-Anbieter bindet. Ein weltweiter Standard fördert durch austauschbare Produkte den Wettbewerb und lässt wie schon bei WLAN mit steigender Nachfrage drastisch fallende Preise erwarten. Heute kostet ein Wimax-Adapter für die Hauswand noch rund 700 Euro.
Drittens hat sich nach dem Vorbild der WiFi Alliance, die sich für die Interoperabilität der WLAN-Produkte stark machte, mit dem Wimax-Forum ein Industriekonsortium gebildet. Ihm gehören von A wie Alcatel bis Z wie der chinesischen ZTE Corporation mehr als 200 Firmen an, die analog zur WiFi Alliance dem Wimax-Standard zum Durchbruch verhelfen wollen.
Mit der Standardisierung eines "Broadband Wireless Access" hatte die IEEE-Arbeitsgruppe 802.16 schon 1999 begonnen. Zwei Jahre später legte sie eine erste Fassung der Funkschnittstelle für die klassischen Richtfunk-Frequenzen zwischen 10 und 66 GHz vor, die eine überwiegend freie Sicht zwischen den Stationen braucht. Nicht zuletzt unter dem Einfluss Intels verschob sich dann der Fokus auf die Übertragung im Frequenzbereich zwischen zwei und 11 GHz, wobei keine Sichtverbindung zwischen Basisstation und Client mehr nötig ist. Die zugehörige Standardergänzung 802.16a wurde 2003 fertiggestellt und beide Spezifikationen nach einer Revision zu 802.16d im vergangenen Jahr dann als 802.16-2004 alias "Wimax fixed" konsolidiert. Auch wenn sich viele Hersteller gerne mit dem Wimax-Schild schmücken, stellt dies nur eine der möglichen Implementierungen des 802.16-2004-Standards dar. Wimax ist jedoch lediglich eine Untergruppe dieses Standards.
Auf der für neue Techniken typischen Hype-Kurve steht Wimax nach Ansicht von Marktanalytikern das Tal der Tränen erst noch bevor.
Daneben bildete sich die Untergruppe 802.16e, die an einer Erweiterung für mobile Anwendungen bei niedrigen Geschwindigkeiten in lizenzpflichtigen und lizenzfreien Bändern unterhalb von sechs Gigahertz arbeitet. Der auch "Wimax mobile" genannte Standard soll noch im Laufe dieses Jahres verabschiedet werden.