Mit der Fusion von U.S. Robotics und 3Com im Jahre 1997 fiel auch Palm Computing an den 3Com-Konzern. Nach internen Differenzen verließen Donna Dubinsky, Jeff Hawkins und später auch Ed Colligan die Firma und gründeten ihre eigene Handheld-Schmiede Handspring, die einer der ersten Lizenznehmer von Palm OS wurde. Dort entwickelte man den Visor-PDA, der als Neuerung einen Slot namens Springboard besaß, in den Speichermodule, Modems und andere Erweiterungen passten. Auch die Visor-Verkaufszahlen konnten sich sehen lassen.
Der erste Farb-Palm wog viel und konnte nur 256 Farben darstellen.
Palm selbst vermarktete mit mäßigem Erfolg den Palm VII als ersten Wireless-PDA der Firma, konnte aber weiterhin mit ihren herkömmlichen PDAs der III- und V-Serie Erfolge verbuchen. Einen Palm mit der Nummer vier ließ man wohlweislich aus, um den Absatz in Asien nicht zu gefährden: Dort ist die Vier eine Unglückszahl.
Im Jahr 2000 ging Palm an die Börse und wurde wieder eigenständig. Obwohl Microsoft mittlerweile dabei war, Multimedia für Handhelds salonfähig zu machen, hielt man bei Palm beharrlich am einfachen Organizer-Modell ohne viel Schnickschnack fest und verschlief damit einen wichtigen Trend. Palms Modelle mit Farbbildschirm, beispielsweise der m515, taugten mit ihrer grobpixeligen Anzeige und ihrem Pieps-Sound weder für Musik noch zur Bildbetrachtung, geschweige denn für Videos.
PDAs mit Microsofts Pocket-PC-Betriebssystem brachten diese Fähigkeiten schon von Hause aus mit. Zu dieser Zeit rutschte Palm in die Miesen und verlor Marktanteile an seinen Konkurrenten aus Redmond.
Claudia Schiffer präsentierte mit ihrer eigenen Edition des Palm V einen Lady-PDA.
Daran konnten auch Aktionen wie die Ankündigung eines Damen-PDAs nichts ändern. In Wirklichkeit handelte es sich bei dem Gerät lediglich um einen Palm-V-PDA mit blauem Anstrich, für den das Topmodel Claudia Schiffer ihren Namen hergab.
Um den Palm schließlich fit für Multimedia zu machen, portierte man als erstes Palm OS für die leistungsfähigeren ARM-Prozessoren, denn selbst bei den schnellsten Dragonball-CPUs war mit 66 MHz Schluss. Des Weiteren vervierfachte man die unterstützte Bildschirmauflösung auf 320 x 320 Pixel und bereicherte das Betriebssystem um Sound-Bibliotheken. Palm OS 5 kam erstmals auf dem Palm Tungsten T zum Einsatz, der sich, obwohl mit Bugs behaftet, gut verkaufte. Als wahrer Kassenschlager erwiesen sich die billigsten PDAs der Low-Cost-Modellreihe Zire (Zire 31, Zire 72s), die Palm für teilweise unter hundert Dollar millionenfach unters Volk bringen konnte.
Lifedrive: Erster PDA mit Festplatte
Von Smartphones wollte man bei Palm lange nichts wissen. Handspring bewies durch seine Palm-OS-Smartphones der Treo-Serie (etwa den Treo 180) den richtigen Riecher, aber zu früh versuchte das Unternehmen, diese Geräteklasse zu etablieren. Zu diesem Zeitpunkt trug die Masse der Kunden lieber zwei Geräte (Handy und PDA) mit sich herum. Die zu diesem Zeitpunkt erhältlichen Smartphones waren meist noch ohne Reife.
Dass sich das bald ändern sollte, erkannte man auch bei Palm. Im Sommer 2003 kaufte das Unternehmen deshalb die Firma der ehemals Abtrünnigen Donna Dobinsky, Jeff Hawkins und Ed Colligan zurück und verleibte sich so das benötigte Smartphone-Know-how für einen Mobilfunk-Palm auf Palm-OS-5-Basis (Treo 600) ein.
Nach der endgültigen Abspaltung von PalmSource im Jahre 2003 konzentriert sich Palm wieder mehr auf die Hardware-Entwicklung. Man trieb die Fertigstellung des Treo 650 voran, das verlorene Marktanteile zurückgewann. Das Treo 650 erwies sich besonders in den USA als erfolgreich. Palm neigte sich mittlerweile sogar dem ehemaligen Konkurrenten Microsoft zu und brachte im Dezember 2005 mit dem 700w das erste Treo-Smartphone mit Windows Mobile auf den Markt.
Beliebtestes Smartphone in den USA, eignet sich gut für mobile Chat-Kommunikation.
In puncto Multimedia haben die aktuellen Palm-Modelle vergleichsweise wenig zu bieten. Versuchsballone wie das LifeDrive mit eingebauter Festplatte, den Palm als Multimedia-Maschine propagiert, überzeugen nicht. Als Terminmaschine stechen die PDAs mit ihrer durchdachten Bedienoberfläche aber auch heute noch alle anderen Handhelds aus.
Durch das gute Treo-Geschäft schreibt das Unternehmen nun wieder schwarze Zahlen. Allein im vorigen Quartal konnte Palm über eine halbe Million Treos absetzen und beansprucht in den USA mittlerweile einen Marktanteil bei Smartphones von 30 Prozent nach verkauften Stückzahlen.
Trotz der guten Zahlen bleibt die Zukunft für Palm-OS-basierte Geräte ungewiss, denn durch die Akquise von PalmSource durch Access fehlt eine treibende Kraft, die neue Entwickler ins Boot holen könnte. Palm selbst sieht sich nicht verantwortlich dafür. Doch obwohl die Treos im Vergleich zu anderen Smartphones wenig Funktionen mitbringen, scheinen sich immer noch genügend Nutzer für das Prinzip zu begeistern, das Jeff Hawkins für den ersten Pilot entwickelte. (dal)