News-Meldung vom 09.11.2009 14:53
Viel wird über die Digitale Dividende diskutiert – in Nordrhein-Westfalen wird nun die Praxistauglichkeit getestet: Im sauerländischen Herscheid hat NRW-Medienminister Andreas Krautscheid heute ein Pilotprojekt gestartet, bei dem erstmals eine ehemalige Rundfunkfrequenz für die neue Mobilfunktechnik Long Term Evolution (LTE) genutzt wird.
An dem Projekt sind neben der nordrhein-westfälischen Landesregierung auch die Landesanstalt für Medien, der Westdeutsche Rundfunk und der Mobilfunkanbieter Vodafone beteiligt. Haushalte können an dem Feldversuch nicht teilnehmen. Bei dem auf ein Jahr ausgelegten Sendebetrieb geht es zunächst um die Frage, ob LTE den Fernsehempfang stört. Dies war von Experten angesichts der für das kommende Jahr geplanten Versteigerung der Funkfrequenzen befürchtet worden. Zwar gibt es schon mehrere andere Test-Projekte wie unter anderem im österreichischen Innsbruck, bei dem nordrhein-westfälischen Testlauf soll aber erstmals LTE auf einer Frequenz getestet werden, die durch die Umstellung auf das digitale DVB-T frei geworden ist. Im Downlinkbereich werden die Frequenzen zwischen 790 und 802 Megahertz genutzt, für den Uplinkbereich die Frequenzen zwischen. 830 und 842 Megahertz.
Krautscheid bezeichnete das Pilotprojekt am WDR-Sender Nordhelle als "ein Stück Mobilfunkgeschichte". "Dadurch können wir die noch offenen technischen Fragen zügig klären und die schnelle Internetversorgung der ländlichen Gebiete vorbereiten", betonte der Minister. Für das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, Breitband-Anschlüsse bis Ende 2010 in ganz Deutschland verfügbar zu machen, kommt die neue Mobilfunktechnik freilich zu spät. In Nordrhein-Westfalen sollen zunächst Prototypen getestet werden; wann LTE-Geräte für den Masseneinsatz zur Verfügung stehen, ist noch unklar.
Jürgen Brautmeier von der Landesanstalt für Medien erläuterte zum Hintergrund der Teilnahme seiner Institution an dem Projekt, so könnten auch die Interessen des Rundfunks berücksichtigt werden. Ziel sei, dass der Rundfunk einen weiteren technisch ausgereiften Verbreitungsweg erhalte. Der WDR-Direktor für Produktion und Technik, Heinz-Joachim Weber, betonte, der öffentlich-rechtliche Fernsehsender wolle die Ausstrahlung seiner Angebote über die LTE-Technik erproben. Zudem könne ein mobiler Internetzugang mit hohen Datenraten bei der technischen Abwicklung der Berichterstattung helfen.
Ob die Versteigerung der ehemaligen Rundfunk-Frequenzen wie geplant 2010 stattfinden kann, ist noch unklar – zuletzt hatte die EU-Kommission Zweifel angemeldet und mit einem Stopp der Auktionspläne gedroht. Die Ergebnisse des Testlaufs im Sauerland sollen erst am Ende des kommenden Jahres vorliegen. (Torsten Kleinz)
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(anw)
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