Mobile Apps Congress
Viele Apps und ein neues Betriebssystem
Keine Mobilfunkmesse ohne spannende Apps: Der Mobile World Congress ist auch eine Leistungsschau der Entwickler-Szene. Mozilla präsentiert nicht nur ein neues Paradigma für Apps, sondern auch ein mobiles Betriebssystem.
Auch im Jahr 2012 spielt der App Planet mit etwa 200 "App-spezifischen" Ausstellern auf 7500 Quadratmetern, einer eigenen Konferenz und Entwickler-Sessions wieder eine wichtige Rolle auf dem MWC. Einige der präsentierten Apps bringen Smartphones sehr nützliche Dinge bei. Das schwedische Softwarehaus Scalado etwa demonstriert mit seiner App Remove eine Technik, mit der man Passanten aus einem Landschafts-Foto herausretuschieren kann.
Das isralische Baboonix offeriert Software-Entwicklern eine Video-OCR-Engine mit API, die unter anderem in der hauseigenen iPhone-App PimpMyClip dazu dient, Videos auf dem Smartphone zu bearbeiten, zu vertonen oder mit Clip-Art zu überlagern. Eine andere, ebenfalls als SDK erhältliche Engine extrahiert sichtbare Texte aus Videos.
Vlingo stellt seine Erzeugnisse zur Spracherkennung in Mobilgeräten erstmals nach der Übernahme durch den Branchen-Platzhirsch Nuance aus. Die für Android, iPhone, Symbian und Blackberry erhältliche gleichnamige App konkurriert mit Apples Sprachassistent Siri, indem sie nicht nur Mikrofon-Aufnahmen in Wörter umwandelt, sondern die erkannten Texte auch als Anfragen an das Mobilgerät interpretiert.
EyeEm vereint Kamera, Album und Community in einer App.
Der kostenlose Visualisierungsdienst Roambi lite von MeLLmo liefert hochgeladene Excel-Tabellen als interaktive Grafiken aufs iPad oder iPhone. Unternehmen mit gesteigerten Sicherheitsansprüchen können gegen Gebühr den Dienst Roambi Pro in Anspruch nehmen. Roambi ES4 verzahnt sich außerdem mit der Salesforce-Anwendungswelt, sodass sich etwa frisch erarbeitete Reports postwendend in die Unternehmens-Cloud Salesforce Chatter einspeisen lassen.
Laut McAfee haben die Angriffe auf mobile Betriebssysteme im Laufe des letzten Jahres deutlich zugenommen. Wie andere große Hersteller von Sicherheitslösungen, darunter Kaspersky und Bitdefender, präsentiert auch McAfee neue Lösungen für die Sicherheit mobiler Geräte. Ein Schwerpunkt bei Good Technology und F5 Networks ist die Sicherung von Firmeninfrastrukturen vor dem Hintergrund von "Bring your own device"-Policies: Wenn Unternehmen ihren Angestellten gestatten, ihre eigenen Geräte für dienstliche Zwecke zu nutzen, stellt dies ein besonderes Sicherheitsrisiko dar, dem die Firmen-IT gerecht werden muss.
Wer sich für neue Apps und Geschäftsmodelle interessiert, für den dürfte sich ein Besuch bei den Mobile Premier Awards lohnen. Der Startup-Wettbewerb findet ein Stück weit außerhalb der Messe statt. Veranstaltet wird der Wettbewerb vom AppCircus, einer globalen Community von Mobilfunk-Enthusiasten. Diese hat eine Vorauswahl von 20 Apps zusammengetragen, aus denen in diesem Jahr die Gewinner ermittelt werden.
Zu den Nominierten zählt Mobile Pocket, das Kundenkarten in einer App verwaltet. In Bear Care, einem Augmented-Reality-Spiel für Kinder, geht es darum, einen Bären zu hegen und zu pflegen. EyeEm kombiniert eine Kamera-App mit Community-Funktionen: Der Benutzer macht ein Foto, die App sucht Fotos anderer Nutzer mit ähnlichen Inhalten.
Mozilla war bisher eher ein Zaungast auf dem MWC. Im letzen Jahr wurde der eigene Mobilbrowser Firefox Mobile zum Beispiel nur mit einer Guerilla-Aktion beworben. In diesem Jahr dagegen wird die Stiftung gleich mit zwei Ständen auf dem App Planet verteten sein -- aus gutem Grund: Sie will unter anderem für Open Web Apps sowie für ihr Mobilbetriebssystem Boot to Gecko trommeln.
Mozilla Labs Apps sollen Geräte- und System-unabhängige Apps ermöglichen.
Open Web Apps (beziehungsweise Mozilla Labs Apps) sollen es Entwicklern ermöglichen, ihre Apps Geräte- und System-unabhängig mit offenen Webtechniken wie HTML5, CSS3 und JavaScript zu schreiben. Dazu entwickelt Mozilla eine Laufzeitumgebung, mit der Entwickler ihre Programme testen können. Auf dem MWC will die Stiftung die ersten App-Partner nennen.
Mehr Offenheit verspricht sich Mozilla auch durch Boot to Gecko (B2G). Motivation für B2G ist, dass sich das mobile Web in Mozillas Sicht hauptsächlich durch geschlossene Plattformen darstellt, mit Nachteilen unter anderem auf den Wettbewerb und die Innovation. Boot to Gecko soll dem als offenes Web-Betriebssystem auf Open-Source-Basis für mobile Geräte entgegengestellt werden -- frei von den Regeln und Einschränkungen der geschlossenen und geschützten Plattformen.
(jo)

