News-Meldung vom 21.03.2012 14:20
IPv6: RIPE registriert Bewegung bei Providern
Die seit 2010 laufenden Messungen des RIPE zur Verbreitung des IPv6-Protokolls weisen in den vergangenen Monaten zwei große Ausschläge auf, die auf den ersten Blick eine deutliche Zunahme suggerieren. Bei genauem Hinsehen kann man sie auf die Zunahme von IPv6-fähigen DNS-Resolvern der Telekom und beim DNS-Dienst von Google zurückführen.
Bild: RIPE NCC: http://www.ripe.net
Das RIPE ermittelt seit etwa zwei Jahren, wie Surfer auf die sowohl per IPv6 als auch über IPv4 erreichbare Website www.ripe.net gelangen. Die Messungen unterscheiden dabei zwischen Besuchern, die die Seite über IPv6 aufrufen und solchen, bei denen zusätzlich auch der DNS-Resolver per IPv6 vermittelt.
Wie der RIPE-Mitarbeiter Emile Aben in einem Blog-Beitrag schreibt, muss für den vollständigen Betrieb IPv6 auf diversen Netzwerkelementen laufen. Dazu gehören auch die Resolver für das Domain Name System (DNS), über die Anwendungen Anfragen an DNS-Server stellen. Die überwiegende Zahl dieser DNS-Resolver, laut RIPE rund 80 Prozent, läuft im selben Zugangsnetz wie die anfragende Anwendung – zumeist betreibt also der Internet-Provider den Dienst. Ausnahmen bilden etwa öffentliche DNS-Anbieter wie Google, OpenDNS oder auch die DNS-Server vom CCC.
Noch bis Ende 2010 verliefen beide Kurven fast parallel, doch seither driften sie auseinander; die Zahl der Clients mit IPv6 stagniert. Laut Aben deuten diese Zahlen zwar einerseits darauf hin, dass viele DSL-Provider ihren Kunden bislang noch keinen IPv6-Zugang bereitstellen – etwa weil die Zugangstechnik bisher kein IPv6 unterstützt. Andererseits weist die blaue Kurve auf zunehmende Aktivitäten der Provider hin.
In der RIPE-Grafik sind in der blauen Kurve zwei Sprünge auffällig, einer vom November 2011 und einer vom Anfang März 2012. Der erste lässt sich auf das Netz der Telekom zurückführen, die in diesem Zeitraum bei weiteren DNS-Resolvern die Namensauflösung per IPv6 hinzuschaltete. Das Unternehmen hatte IPv6 bereits vor Längerem auch für Privatkunden-Zugänge angekündigt. Außer knappen Hinweisen zu laufenden Tests hört man seither nur wenig vom größten deutschen Provider. Der zweite Sprung ist den DNS-Servern von Google geschuldet. Diese erreicht man zwar bereits seit Juni 2011 per IPv6, die Google-Server fragen andere DNS-Server aber erst seit März per IPv6 ab. Immerhin kann man aus der Zunahme eine deutliche Steigerung der Provider-Aktivität ablesen, die ja eine Voraussetzung für IPv6 auf Teilnehmerseite darstellt.
Trotzdem gibt sich Aben für das unmittelbare IPv6-Vordringen nicht sonderlich optimistisch, denn die Kluft zwischen den Zahlen der IPv6-tauglichen DNS-Resolver und den tatsächlichen Nutzern sei schlicht zu groß. Berücksichtigt man die Messungen vom APNIC sowie die von Google, gelangen derzeit gerade mal 0,4 bis 0,5 Prozent aller Surfer per IPv6 ins Internet.
(rek)