News-Meldung vom 04.03.2009 20:11
Registries sollen bei landessprachlichen Adresszonen die Zeche zahlen
Die Länderregistries sollen die Kosten für die Einführung landessprachlicher Internet-Adresszonen (IDN ccTLDs) tragen. Darauf einigten sich die Vertreter von knapp fünfzig Regierungen beim Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN]) in Mexico City. Die Übernahme der bei ICANN entstehenden Kosten für Adressräume wie etwa .china auf Chinesisch durch die Betreiber der Länderregistraturen sei der richtige Weg. Eine Verpflichtung zur Bezahlung lehnten die Regierungen allerdings kategorisch ab, ebenso wie einen Anspruch der ICANN auf eine Art vertraglicher Regelung zwischen Länderregistry und der privaten Netzverwaltung. Bezahlung und Vertrag sollen lediglich freiwillig von Regierungen und neuen Betreibern zugesagt werden.
Laut den Ausführungen der Vorsitzenden des Regierungsbeirats (GAC), Janis Karklins, sind sich die Regierungen einig, dass es für die möglichst rasche Einführung der ersten IDN ccTLDs keine "Bedingungen" geben dürfe. Die ägyptische Vertreterin dankte ICANN offiziell höflich, erinnerte das Führungsgespann Peter Dengate-Thrush und Paul Twomey aber in einer persönlichen Stellungnahme, dass man letztlich den Gemeinschaften helfen wolle, "die rasch ihre Bürger online bringen wollen". Wenn die Lösung von Kostenfrage und Vertragsproblemen an die Einführung geknüpft werde, "dann helfen wir ihnen nicht." Daher sei beides separat zu diskutieren.
Mehrere Regierungsvertreter monierten, dass völlig unklar sei, welche Kosten nach welchem Schlüssel aufgeteilt werden sollen. Bei den Kosten, die ICANN für die Vorbereitung der Einführung neuer TLDs in den vergangenen Jahren aufgewandt hat, könne man leicht mit 10 Millionen Euro rechnen, sagte Chris Dispain, der Vorsitzende des ICANN Selbstverwaltungsgremiums der Länderregistries (ccNSO). Die ccNSO, der kürzlich auch die deutsche Registry DeNIC beigetreten ist, steht ICANNs Forderungen ebenfalls kritisch gegenüber. Immerhin: die klassischen Länderregistries wie die DeNIC haben sich gegen Verträge erfolgreich zur Wehr gesetzt und bezahlen nach wie vor nur auf "freiwilliger" Basis. Andere Teile der ICANN-Selbstverwaltung, allen voran die Betreiber von allgemeinen TLDs wie .com, seien schon jetzt erbost darüber, dass die ccTLD-Betreiber nur wenig zum ICANN-Budget beitragen, sagte eine Vertreterin des koreanischen NIC.
William Dee erinnerte die ICANN-Spitze als Vertreter der EU-Kommission daran, dass internationale, aber auch nationale Einrichtungen keine vertraglichen Bedingungen eingehen könnten, die sich im Lauf der Zeit, etwa durch veränderte Standards weiter wandeln könnten. Zuvor hatte die Welt-Post-Union (UPU) genau auf dieses Problem für ihre .post-Pläne verwiesen. ICANN Präsident Twomey konterte, dass es gerade die EU-Kommission gewesen sei, die die .eu-Registry Eurid dazu verpflichtet habe, einen Vertrag mit ICANN zu unterzeichnen. Dengate-Thrush sagte, ohne Handhabe gegen IDN ccTLDs, die sich missbräuchlich verhalten würden, sei die IDN-Einführung zu riskant für ICANN. "Das wäre ein ziemliches Desaster", sagte Dengate-Thrush. (Monika Ermert) / (Monika Ermert)
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(vbr)