1. Januar 2013 22:22

Re: OSI und der Pudding und die Deutschtümelei

woksoll schrieb am 1. Januar 2013 18:51


> Zu Claus Kalles Folien noch: da ist für Berlin ein Fragezeichen
> gesetzt. Ja, Unido in Dortmund mit Gottvater Rüdiger Volk, Karlsruhe
> mit Zorn und Köln mit Kalle waren Leading Edge (und Erlangen hat den
> "vollfunktionsfähigen Router" ins Spiel gebracht, aber die Berliner
> haben nicht nur gepennt. Wir haben damals das Berliner
> Wissenschaftsnetz im Rahmen des DFN-Vereins auf IP-umgesetzt. Und
> besonders perfide haben wir mit OSI-Forschungsmitteln (wir sollten
> einen X.400-Message-Handler auf NOS/VE (Control Data) evaluieren) den
> Internet-Umbau finanziert. Wir migrierten vom Mainframe auf
> Client-Server mit TCP/IP. Ich habe für das Geld u.a. den Domain-Name
> Service für eine Berliner Hochschule mit 20 Subdomainen aufgesetzt
> und die Pflege automatisiert. 1989.

> Die schlimme Botschaft aus dem OSI-Spektakel ist, dass man der
> Regierung auf gar keinen Fall vertrauen darf. Nicht mal bei so
> Trivialitäten wie Kommunikationsprotokollen.

> Na, ja. Hat ja doch noch geklappt und über 40 Mio Deutsche hängen
> fast täglich am IPv4-Netz in D. Trotz CDU-Regierung.

Also jetzt so zu tun als hätten Unido & Co (oder das DFN) irgendetwas
mit dem Erfolg des Internets in Deutschland zu tun - und das DFN und
die dort arbeitenden Spezis als die Pioniere des allgemeinen
Internets darzustellen - ist nicht nur falsch, sondern schon perfide.

Das DFN war, genau wie die von Dir angemeckerten OSI-Forscher und
Regierungskreise, nichts anderes als ein elitärer, aroganter und auf
Isolation bedachter Haufen von Beamtenseelen mit Gottphantasien.

Beweis? Hast Du mal versucht, so um 1992 als Firma oder Privatmann
Zugang zum Internet in Deutschland zu erhalten?

Kein Problem, nachdem man vorher den Anschluss von Firmen und
Privatleuten einfach abgelehnt hatte, baute man einfach eine Paywall
auf, um den Plebs rauszuhalten. Wir reden hier von DM 275,00 im Monat
für UUCP Mail/News plus 20 bis 45 Pfennig Volumengebühr pro KILObyte
und einer attraktive Flatrate von DM 2000,-- im Monat für TCP/IP (64
kBit/s ISDN Zugang). Dazu eine Preisstruktur, die der Komplexität des
OSI Modells entspricht. Siehe auch hier:

http://www.websalon.de/chalisti_ausgaben/chalisti_13/013_MRCC.html

In der Konsequenz kamen in ganz Deutschland kleine Provider auf, die
das Ganze für einen Bruchteil der Unido-Kosten vor Ort leisteten.
DIESE Pioniere haben dem Internet in Deutschland ab etwa 1993/1994
langsam zum Durchbruch verholfen.


Anzeige