11. Januar 2013 22:33

Erst denken, dann schreien

Gesundheitschinese schrieb am 11. Januar 2013 19:48

> Wie krank ist das denn bitteschön? Das ist ja genauso als würde ich
> sagen lasst uns mal in allen Neuwagen die Bremsschläuche anritzen,
> und 2 Jahre später können wir, wenn es zu unverhältnismässig vielen
> Unfällen kommen würde, diese Besprechen und in der PKW-Reform
> überprüfen.
> Von einem Unternehmen (GEZ), welches 7 Mrd  Euro jährlich einnimmt
> hätte ich schon erwartet, dass es die Neubelastungen erst überprüft
> und dann die Reformen umsetzt. Hier wird scheinbar erst umgesetzt,
> und falls man zu dem Schluss gerät dass bestimmte Gruppen jetzt
> höhere Belastungen haben, dann bespricht man das 2 Jahre später mal
> ... Ausgang unbekannt.

Das Problem ist schlichtweg das, daß niemand genau weiß wieviel Geld
durch den neuen Beitrag reinkommt. In der vergangenheit haben viele
Leute keine Rundfunkgebühren bezahlt obwohl sie es eigentlich hätten
tun müssen. Über die Zahl der bisherigen Verweigerer hat man keine 
brauchbaren Erkenntnisse. Also muß man schätzen, wie viel künftig in
die Kasse kommt. Die Rechnung hat einfach bisher zu viele Unbekannte.
Auch weiß man nicht wie viele Freiberufler künftig nur noch einen
Beitrag zahlen müssen weil sie ihr Büro im Haushalt haben. Man hat
auch keine Erkenntnisse über die Zahl der Beschäftigten in der
deutschen Wirtschaft.

Aber auf solche Erklärungen hättest du durchaus auch selbst kommen
können. Man muß sich nur ein bißchen in die Problematik einlesen.

> > ARD und ZDF wehrten sich in den vergangenen Tagen gegen die Berichterstattung 
> > des Boulevardblatts "Bild" über den Rundfunkbeitrag. Es sei "grob falsch und 
> > irreführend", wenn das Blatt schreibe, die "TV-Zwangssteuer" diene vor allem 
> > dazu, die Einnahmen zu steigern

> Aber genau darum geht es doch. Bisher galt: Wer kein TV Gerät und
> kein Radio, der braucht nichts zu bezahlen. Heute zahlt jeder. Also
> existiert ein Abgabenzwang. Ob das rein rechtlich gesehen jetzt eine
> Steuer ist weiss ich nicht, aber eine Zwangsabgabe auf jeden Fall. 
Müllgebühren sind auch Zwangsgebühren. 

Die Berichterstattung von BILDblöd ist aber irreführend.
Aufklärung findet man hier:
http://www.bildblog.de/45079/hilfe-bild-ich-bin-zu-doof-fuer-die-gez/
http://www.bildblog.de/45134/die-angezettelte-wut/

Und da wird sehr schnell deutlich wie verlogen dieses Drecksblatt
ist.
Das ist fast wie hier im Forum, wo auch dauernd Leute ihren Senf
dazugeben und eigentlich nicht genügend informiert sind.

> Auch der Vorwurf der Einnahmensteigerung ist korrekt. Wer früher
> keine GEZ zahlte, der zahlt heute 20 Euro pro Monat mehr. 

Wieder eine dieser Übertreibungen, die die ganze Diskussion
vergiften.
Es sind knapp 18 Euro, nicht 20.
Und die zahlen auch nicht alle.

> Wer heute
> nur ein Radiogerät hatte, der zahlt 15 Euro mehr, Pi mal Daumen
> alles. So, wenn jetzt aber Leute erstmals zahlen müssen, dann kann
> entweder die GEZ-Gebühr gesenkt werden um wieder auf die 7 Mrd
> Einnahmen zu kommen pro Jahr, oder man belässt die Gebühr gleich.

Siehe oben. Da niemand genau weiß wie viel Geld anschließend
eingenommen wird, mußte man den Betrag schätzen aufgrund der
vorliegenden und nicht verläßlichen Zahlen.

> Dann steigen aber die Einnahmen. Ob das der Hauptgrund ist weiss ich
> nicht, kann es mir aber vorstellen. 

Sollte es tatsächlich einen Überschuß geben, ist geregelt, daß dieser
über die Gebühren an die Beitragszahler zurückgezahlt werden muß.

> Denn man spart sich mit dem
> Rundfunkbeitrag auch die GEZ Kontrolleure, die quer durch Deutschland
> fahren und schnüffeln mussten. Keine Geschäfts-PKWs mehr, keine
> Reisekostenabrechnungen, etc. 

ich glaube, du hast da falsche Vorstellungen über die Reisetätigkeit
dieser Kontrolleure. Die fahren nicht kreuz und quer durchs Land
sondern haben ihre Gebiete. Viele erledigen ihren Job sogar zufuß.

> Das einzige was die neue GEZ noch
> machen muss ist die Daten des Einwohnermeldeamtes abzugleichen und
> schauen welche Wohnung zahlt und den Rest abmahmen. Ist ein
> einmaliger Aufwand von vielleicht 2 Jahren, danach hat man alle und
> braucht nur noch die Umzügler kontrollieren.

Selbst mit diesem Abgleich ist nicht festgestellt ob der Bewohner
einer Wohnung zahlungspflichtig ist. Es kann auch sein, daß er
befreit ist. Es kann auch sein, daß er Freiberufler ist. Es ist auch
möglich, daß es sich um eine Wohngemeinschaft handelt. Es ist auch
möglich, daß die Wohnung leersteht. Auch können über den Abgleich
durchs Einwohnermeldeamt nicht die Anzahl der Mitarbeiter von
Betrieben oder die Frage geklärt werden ob es sich überhaupt um eine
Betriebsstätte handelt. Auch die Anzahl etwaiger Ferienwohnungen kann
so nicht festgestellt werden.

Es gäbe also viele Gründe warum die GEZ nicht über den Abgleich mit
dem Einwohnermeldeamt zu verläßlichen Zahlen kommt. Und auf das alles
könntest du mit ein bißchen Denken auch selbst kommen, wenn du denn
wirklich wolltest. Aber hier gehts wohl wieder nur ums Rummaulen. Wie
in BILDblöd.

> ARD und ZDF nehmen mit der Aktion schon mehr ein, denn wieso sollte
> jemand auf die Idee kommen ein System aus Jux und Dollerei
> umzustellen für etliche Millionen? 

Man hat eine gerechtere Lösung zur Finanzierung der ÖR gesucht. Aber
die aktuelle ist eben auch nicht gerechter. Sie ist so scheiße wie
die alte.
Im Übrigen sollen die Beiträge die nächsten Jahre nicht steigen.
Überschüsse, so sie denn auflaufen, müssen an die Beitragszahler
zurückgezahlt werden.

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