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26. November 2012 02:58

Millimeterwellen und Mikrowellen vs Volksmund

Reinhard Munzert schrieb:

"Wie mit dem Link im Artikel
http://de.wikipedia.org/wiki/Millimeterwelle  bereits aufgezeigt,
sind Millimeterwellen - die kennt kein Laie und klingen harmlos -
also Mikrowellen."

Und genau das ist falsch. Nur weil bei Wikipedia mal wieder Unsinn
steht, muß man das nicht für bare Münze nehmen.

Warum klingen Millimeterwellen harmloser als Mikrometerwellen?

Ob elektromagnetische Wellen harmlos sind oder nicht, hängt nicht
alleine von deren Frequenz ab, sondern auch von ihrer Amplitude. Je
höher die Frequenz wird, um so höher wird auch die Quantendichte und
die Wirkung auf Lebewesen bei gleicher Amplitude relevanter. Bei
deutlich kürzeren Wellenlängen als dem Mikrowellenbereich beginnt im
oberen ultravioletten Bereich des Lichtes die ionisierende Wirkung.
Ionisierende Strahlung wie Röntgenstrahlung oder radioaktive
Strahlung (noch kürzere Wellenlänge als Röntgenstrahlung) hat
unmittelbar zerstörerische Wirkung auf biologisches Gewebe.
Geschädigte Zellen kann ein gesunder Körper bis zu einem gewissen
Grad verkraften und ersetzen. Aus diesem Grund spricht man bei
ionisierender Strahlung - und nur hier - von Dosis, weil sich die
Zerstörwirkung nur bis zu einem gewissen Grad aufaddieren darf, ehe
irreparable Dauerschäden wie z.B. Krebs die Folge sind.

Grundsätzlich werden im kompletten Bereich der elektromagnetischen
Wellen Bezeichnungen entweder nach der konkreten Frequenz (= Anzahl
Schwingungen pro Sekunde) oder nach dem Wellenlängenbereich
(Frequenzband), in dem die Arbeitsfrequenz eingeordnet werden kann,
benannt. 

Mikrowellen sind elektromagnetische Wellen im Wellenlängenbereich um
einen Mikrometer herum. Besser bekannt unter Lichtstrahlung (ca. 0,4
.. 0,7 µm) oder auch Wärme bzw. Infrarotstrahlung (Wellenlänge einige
µm).

"Zum Nachweis von Mikrowellenstrahlung höherer
Frequenzen sind Mikrowellenlecktester sowie Elektrosmog-Geräte nicht
geeignet. dazu geeignet wären Spektrum-Analysatoren
(Radio-Frequency-Analyzer), die aber extrem teuer sind! "

Die Bezeichnung Mikrowelle kommt vom Mikrowellenherd. Der jedoch
arbeitet üblicherweise mit Wellenlängen im Zentimeterbereich (12 cm)
bei 2,45 GHz. Bei dieser Arbeitsfrequenz wird in einen Raum mit die
Hochfrequenzwellen  vollständig reflektierenden Wänden eine hohe
elektrische Feldstärke der elektromagnetischen Wellen eigekoppelt.
Befindet sich kein Gargut im Ofen, erwärmt sich nichts und der Ofen
nimmt nur eine geringe Leistung vom Stromnetz auf. Befindet sich aber
Gargut im Ofen, so ist dieses Gargut diejenige Masse, in welcher beim
Durchdringen der elektromagnetischen Wellen durch aufgrund der hohen
Feldstärke starken Reibung der Atome im Takte der Betriebsfrequenz
(2,45 GHz) aneinander eine neue, viel höhere Frequenz im
Mikrowellenbereich ENTSTEHT.
Dabei nimmt der Mikrowellenherd auch eine deutlich höhere Leistung
aus dem Stromnetz - maximal wie auf dem Leistungsschild angegeben -
auf.

Weil im Gargut durch Reibung der Atome aneinander Mikrowellen
(Wärmestrahlung) entstehen und somit das Gargut diese Wärme selber
"erzeugt", erhielt dieser Ofen den Namen Mikrowelle.

"Gibt es eine erschwingliche Möglichkeit zu Messung oder Nachweis von
Mikrowellenstrahlung ab 10 Gigahertz bis 100 Gigahertz?"

Elektromagnetische Wellen im Bereich 10 GHz bis 100 GHz sind KEINE
Mikrowellen, sondern haben Wellenlängen zwischen 3 Zentimeter und 3
Millimeter.

Wie teuer und damit erschwinglich entsprechende Geräte sind, hängt
sehr vom Einsatzzweck ab. Vermutlich sind zwischen dem, was Sie als
Messung betiteln und dem, was ich darunter verstehe, Welten.

Elektrotechnische Laien, insbesondere die Elektrosmogkomiker
(Elektrosmog gibt es nicht: Da raucht nichts und Nebel entsteht auch
keiner, weshalb der Vergleich zur Suggestion einer Gefahr absoluter
Unsinn ist. Es gibt elektrische Felder, magnetische Felder und, wenn
sich diese zeitlich fortlaufend ändern, elektromagnetische Felder)
tappen bei ihren "Messungen" garantiert in jedes der großen Anzahl an
Fettnäpfchen, welche sich beim Messen der entsprechenden Feldgrößen
im Bereich der Hochfrequenz ergeben. Sie sollten daher vor einer
Messung erst ein Studium der Elektrotechnik mit Fachrichtung
Nachrichtentechnik/Hochfrequenztechnik absolvieren, da alles andere
vorher ohne entsprechend tiefgreifendes Fachwissen inklusive
langjähriger Erfahrung garantiert "in die Hose" geht.

Mit einer billigen Knatterbox, die zur Angsteinflößung der
Umstehenden völlig unsinnig (von selbsternannten Experten mit dem
Titel "Baubiologischer Meßtechniker" verwendet) die Hüllkurve der
Hochfrequenz demoduliert und so schauerliche Töne hörbar werden läßt,
können Sie, wenn diese für den entsprechenden Frequenzbereich
ausgelegt ist, natürlich auch den Nachweis von Sendeaktivitäten
zeigen, wenngleich das mit Messen im elektrotechnischen Sinne sehr
wenig bis gar nichts zu tun hat.

Warum also wollen Sie eine Tätigkeit (Messen) ausüben, wenn Sie nicht
das hierführ zwingend erforderliche Fachwissen haben?

Franz Hornauer, Bruckmühl


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