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23. Dezember 2012 01:03

Quark

Demophob schrieb am 22. Dezember 2012 22:30

> DAS kotzt mich wirklich hier in Deutschland an: Sobald jemand
> Mißstände anprangert bzw. auf negative gesellschaftliche
> Entwicklungen hinweist, bildet sich jedes Mal eine breite
> Gutmenschen-Front, die das alles abstreitet und so tut als wäre alles
> beim Besten. Wir haben keine Verlotterung der Sprache, die
> Gesellschaft ist nicht am Verblöden, die Ausländer sind alle
> vorbildlich integriert bzw. die Ausländerkriminalität ist ja nur ein
> Randphänomen, die Eltern sind nicht mit der Erziehung ihrer
> Sprößlinge überfordert, die Kinder und Jugendlichen sind nicht
> belastungsunfähiger geworden, es gibt keinen Kinderlärm etc.. Wer es
> wagt, das Gegenteil zu behaupten, ist nur ein Miesepeter, ein übler
> Misanthrop und/oder leidet an subjektiver Wahrnehmung. Und wenn die
> Gesellschaftskritik auf einer Studie basiert, muss ja gleich eine
> Gegenstudie dazu veröffentlicht werden...

Ich vermute seit ein paar Tausend Jahren wird vermutet, dass die
Menschheit immer dümmer wird und seit ein paar Tausend Jahren haben
wir eine Explosion des Wissens. 

Hinsichtlich Sprache. In der Generation meiner Oma dürften so etwa
sehr dicht bei Null Menschen eine zweite Sprache beherrscht haben,
der Stand ist heute nach EU Statistik bei 60 Prozent und 30 Prozent
beherrschen sogar eine zweite Fremdsprache. Wer das Arbeitsleben
heute einfacher findet als vor fünfzig Jahren, ist in den
Arbeitsprozess nicht integriert. Noch nie war das Arbeitsleben so
kompliziert und stellte derartige Ansprüche an informelle
Weiterbildung, Flexibilität, Kreativität etc.. Dass agraisch geprägte
Gesellschaften besser Deutsch sprachen, halte ich für ein ganz schwer
zu beweißenden Gerücht. 

"Ausländer" sind zu einem sehr hohen Prozentsatz zweisprachig. Die
sind also schon von vorneherein weiter, als die Leute, die vor 1940
geboren sind. 

Kinderlärm gibt es vielleicht zu wenig, das stimmt, aber die Debatte
ist ideologisch. Die Welt wird nicht notwendigerweise ärmer, wenn es
10 Millionen Deutsche weniger gibt. 


> Könnte es nicht einfach sein, dass Zehetmair Recht hat? Dass Crabtree
> Recht hat (siehe dazu:
> http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article112089976/Werden-die-
> Menschen-immer-duemmer.html )? Dass Sarrazin Recht hat? Dass andere
> Bedenkenträger Recht haben? Aber nein, das darf ja nicht sein, dass
> jemand es wagt zu behaupten, dass die Menschheit am Verblöden ist!

Richtig doof war wohl die Generation, die vor 1920 geboren ist, denn
die haben die Republik in Schutt und Asche gelegt und haben sich
mächtig verarschen lassen. So doof sind die Leute heute nicht mehr.

Kurz und bündig. Der Zehetmair hat brutal Unrecht. Das eigentliche
Problem besteht darin, dass selbst für die heutige Bevölkerung, die
einen noch nie dagewesenen Bildungsstand hat, die Verhältnisse
höllisch kompliziert geworden sind. Was wir folglich brauchen ist
eine Diskussion, wie wir die Komplexität noch beherrschen und der
einzige wirklich vielversprechende Ansatz ist eben Technik, also
Internet und Konsorten. 

Ich glaube du guckst zu viel RTL, also Supernanny und so. Da hat wohl
auch der Zehetmair seine Erkenntnisse her. Bei Sendungen dieser Art
wird halt den bildungsfernen Schichten ihr Leben vorgeführt. Das ist
ein Problem, aber eben nicht typisch. 

Und ganz ernsthaft. Ein Springer Produkt wie das Hamburger Abendblatt
ist signifikant für ein Problem, trägt aber nix bei zur Analyse eines
Problems.

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