19. Januar 2013 02:16

Re: Aber die alten Sendemasten mussten ja unbedingt weg für das Überall-Fernseh

Tafkahuk schrieb am 18. Januar 2013 23:56

> Wer hat da eigentlich sich die goldene Nase verdient?

Die Sender, wer sonst?

> Wobei im Nachhinein die Gründe unbedingt lesenswert sind

> > Warum wurde DVB-T eingeführt?
> Um das Antennenfernsehen als dritten Empfangsweg neben Kabel und
> Satellit zu erhalten, bedurfte es der Modernisierung, also der
> Digitalisierung.

Richtig.Im Zuge der DVB-T Einführung wurde die Sendeleistung z.T. um
zwei Größenordnungen gesenkt und zudem noch das Sendernetz ausgedünnt
- Obendrein trägt ein Kanal nun typisch 4 Programme gegenüber einem
einzigen.

Für den Betrag den früher die ARD für die terrestrische Verbreitung
des gleichnamigen Programms ausgegeben hat, kannst Du über Astra ca.
50 Programme, vulgo quasi alle Deutschsprachigen Programme mit mit
Markanteilen >0,1% verteilen. - D.h. das Problem des terrestrischen
Verbreitungsweg war, ist und bleibt die relativ gesehen absurd hohen
Kosten.

Betriebswirtschaftlich dargestellt:
- Kabel: Hat für die Sender absehbar keinerlei Distributionskosten
mehr. Die Content-Anbieter haben über die Infrastruktur-Anbieter
gesiegt. Was für die Privatsender unlängst gilt, ist demnächst auch
für die Öffis Realität.
- Sat: Ist dadurch, dass automatisch zumindest Kern-Europa in Gänze
abgedeckt ist, vergleichsweise billig. Obendrein scheint sich mit der
HD+ Plattform ein ähnliches Modell wie im Kabel zu etablieren, vulgo
die Sender zahlen nichts und können die Bedingungen noch teilweise
diktieren.
- Terrestrisch: Ist absolut in einem einzigen Flächen-Bundesland für
die Sender so teuer wie Kabel & Sat zusammen. Relativ gesehen wird
dieser schon absurde Nachteil um ca. den Faktor 9 wegen der
Marktanteile gehebelt. Ohne DVB-T wäre der terrestrische Weg
erheblich mehr als 100x so teuer pro Nutzer wie die Konkurrrenten Sat
& Kabel zusammengenommen.

> > Insgesamt ist für den Markterfolg auch die Verfügbarkeit privater Programme 
> > in der Terrestrik zwingend erforderlich. Deshalb ist die ARD gespannt, wie 
> > sich die privaten Rundfunkanbieter dazu positionieren.

Richtig. Wenn Du dir beispielsweise Berlin anguckst, dann wird ein
durchschnittlicher Konsument keinerlei Notwendigkeit für einen Sat-
oder Kabel-Anschluss ausmachen können. 
Hinzu kommen Industrie-Politische Aspekte: DVB ist ein vornehmlich
Deutsches Projekt. (Nicht nur) am Beispiel des Transrapid kannst Du
die Zurückhaltung von potentiellen Käufern ablesen wenn in der Heimat
des Erfinders niemand die Erfindung haben mag.

Zwei Probleme an der Sache sind aber typisch Deutsch: 
1) Es werden solange Bedenken getragen, bis am Ende gar keiner mehr
Lust auf die Angelegenheit hat. D.h. zum einen kam DVB-T zu spät und
zu zögerlich, zum anderen ist DVB-T2 längst überfällig. -
Anschaulich: Während DVB-S seit 1996 verfügbar war, werden die
letzten analog terrestrischen Kanäle in DE erst in 2013 abgeschaltet.
Als man in vielen Regionen -T tatsächlich einführte stand längst -T2
bereit.
2) Es werden Pfennige gepfuchst, bei DVB-T mit dem Ergebnis, dass das
Bild gruselig ist. Wahlweise ein Programm pro Kanal oder DVB-T2
würden die Bildqualität und damit die Akzeptanz wesentlich erhöhen.
Zudem ist unverständlich warum Sendeleistung und Sendernetz derart
brutal ausgedünnt worden sind, dass erhebliche Teile der Republik vom
terrestrischen Empfang ausgeschlossen worden sind. D.h. man kann die
Kostenrechnung auch dadurch ad absurdum führen, dass man die
Kundschaft vergrault.

Anzeige

heise online Themen