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10. Februar 2013 01:54

Re: Das fördert dann wohl die Betrüger im Internet

ejf schrieb am 9. Februar 2013 23:54
> > - Ich bestelle eine DVD bei Amazon.  Zustand: "Gebraucht, sehr gut". 
> > Für 0,01 Cent und 3 EUR Porto.

> Und du glaubst tatsächlich dass jemand für 0,01€ den Finger rührt?

Klar.  Denn:

> > - Die DVD kommt im Luftpolsterumschlag, 1,45 EUR Porto.

> Du hast 3€ Versandkosten akzeptiert. Hättest du ja nicht tun müssen

Nein, ich habe 3,01 EUR Gesamtkosten für die DVD akzeptiert.  Mir ist
klar wovon der Händler lebt.  Es gibt ja auch 1 EUR DVDs im Handel,
und die sind OK.

BTW: Es geht mir nicht um mich sondern um uns Verbraucher.

Wenn der Verbraucher bei einem Online-Händler bestellt, dann muss er
sicher sein, dass er sicher ist, und keinem Betrüger auflauert.  Wenn
er dann ständig reinfällt wird er damit aufhören.  Das hilft weder
dem Verbraucher noch den Händlern.

Kleine Händler sind viel stärker vom Wettbewerb betroffen als große. 
Wenn andere Shops billiger anbieten, dann müssen sie das auch, damit
sie noch eine Chance haben.

Wenn das Gesetz also die Rücksendung kostenpflichtig erlaubt, MÜSSEN
gerade die kleinen Händler es ihren Kollegen nachmachen, egal ob die
anderen Betrüger sind oder nicht.

Und wenn der Verbraucher dann sehr wahrscheinlich auf Betrüger
reinfällt wird er nicht differenzieren.  Er schert über einen Kamm
und kauft dann nur noch bei den Platzhirschen, da, wo er sich sicher
wähnt.

Das spielt also in die Hände der Großen, ob uns Verbrauchern damit
geholfen ist wage ich zu bezweifeln.

> Es sind nunmal Kosten damit verbunden das Risiko einzugehen
> Gebrauchtware für einen Cent zu kaufen. Wenn du Pech hast, hast du
> Pech. Aber das Risiko bist du freiwillig eingegangen.

Einzelhandel ist kein Glücksspiel.  Für Glücksspiel gelten andere
Gesetze.

Es geht nicht darum, was nun sinnvoll ist zu kaufen oder verkaufen,
und für wieviel, sondern darum, ob ein Gesetz den Betrug fördert oder
nicht.

> > - Und ich habe ganz sicher 1,45 EUR für die Rücksendung verloren.
> > 
> > - Wenn ich die Ware zurücksende hat der Händler in Zukunft also an
> > sich keinen Schaden, und sogar seinen Schrott wieder, um ihn dem
> > Nächsten anzudrehen.

> ... Und hoffentlich gibt's dann auch bald entsprechende Bewertungen
> für den werten Händler. Bei Händlern ohne Bewertung gilt der gute
> alte Grundsatz mit dem "zu gut um wahr zu sein" ...

Du überschätzt Bewertungssyteme.  Eine gute Bewerbung dürfte es schon
ab 30 EUR auf entsprechenden Seiten zu kaufen geben.  Und das ist nur
eine von vielen Möglichkeiten.

Gerade die Händler, die Stress machen, haben oft Top-Bewertungen von
99% und mehr von hunderten Bewertern.  Sie wähnen sich wegen ihrer
guten Bewertung sogar im Recht, gegen die Marketplace-Bedingungen von
Amazon zu verstoßen.  WTF?

> > Soll ich das Risiko eingehen und meinem guten Geld also nochmals 40%
> > mehr Geld hinterherwerfen?  Soll ich auf diese Weise auch noch den
> > zukünftigen Betrug anderer fördern?

> Hättest du mehr als 1 Cent investiert wäre es vielleicht nicht zu so
> einem Debakel gekommen.

Futur!  Das Beispiel liegt in der Zukunft!  Allerdings orientiert an
einem konkreten Fall bei Amazon.

Brüssel hat nicht das Recht, die Verbraucher auf dem Altar des
Konsums zu opfern.  Auch dann nicht, wenn die Verbraucher dumme
Entscheidungen treffen.  Ganz besonders nicht in Zeiten der sinkenden
Ausgaben für Bildung und Wissenschaft.

> > allerdings auch nicht um Amazon, sondern allgemein um den Schutz der
> > Verbraucher.  

> ... vor "betrügerischen" Händlern die im Versandhandel Artikel für 1
> Cent anbieten? Wenn jemand so dämlich ist dabei kein Risiko zu
> erwarten ist er selber schuld.

Was sagst Du dann zu dem Händler, der mir auf eine für 0,01 Cent
gekaufte Speicherkarte bei Amazon dann noch 1 EUR zurückerstattete? 
Er hat sich sogar bei mir für den Umstand entschuldigt, dass man bei
Amazon kein Porto unter 3 EUR einstellen konnte, und das für den
Vorgang viel zu viel war (die Karte kam in einem normalen Brief mit
55 Cent Porto und sollte eigentlich nur 1 EUR kosten, den Rest
schluckte Amazon).

Was sagst Du dem?  "Du bist zu billig, also ein Betrüger!"?

Wäre es nicht besser, wenn es für solche ordentlichen Händler
leichter würde, weil die Verbraucher vor Betrügern *besser* geschützt
werden?

Ich bin sicher, dass für solche ordentlichen Händler, die ihre Käufer
korrekt informieren, überhaupt kein Problem besteht wenn das
Verbraucherrecht strenger wird.  Probleme kriegen nur die, die
sowieso denken, die Verbraucher sind Melkkühe.

> > Diese verstehen das Internet (in der Regel) noch
> > wesentlich weniger als die Politik, 

> Was, alles Kleinkinder hier? Verbraucherschutz in allen Ehren, aber

Ja, unmündige Kleinkinder passt haargenau.  Das Heise-Forum ist nicht
das Maß.

Das Maß ist der gerade geschäftsfähig gewordene Jugendliche, der
keine Ahnung hat wie ein Smartphone intern funktioniert und unter
"Programm" das versteht, was gerade im lokalen Kino läuft.

Das Maß ist der durchschnittliche Hauptschulabbrecher, der zwar ein
800 EUR Smarphone hat, aber Prepaid verwenden muss damit ihm keine
1000EUR-Rechnungen ins Haus flattern.

Das Maß sind Rentner über 70 Jahre, deren Fernseher plötzlich
Internet enthält, weil die Telekom ihren Telefonanschluss auf IP
umgestellt hat (und denen verschwiegen wurde, dass das neue
IP-Telefon nicht mehr Notstrom-, also im Fall des Stromausfalls auch
nimmer notruffähig ist.  Dass das in der Schublade liegende
Notruf-Handy seit neuestem eine SIM-Karte braucht damit man 112 rufen
kann wurde, nebenbei, auch vergessen).

Das Maß sind all die normalen Verbraucher, die keine Ahnung von
Internet haben, und die in solchen Massen auftreten, dass für
Betrüger geradezu Goldgräberstimmung aufkommt, wenn es so leicht
wird, diese abzuzocken.

> irgendwo darf man auch getrost die Grenze ziehen und
> Selbstverantwortung fordern.

Selbstverantwortung in allen Ehren, aber bitte nicht indem man
Betrüger füttert.

> die Rede von 30% Rückläuferquote. Willst du mir allen Ernstes

Ich bin verwundert dass sie so niedrig ausfällt.  Du bestellst 1
Kleidungsstück in 3 verschiedenen Größen und lässt die anderen 2
zurückgehen.  Rechne mal die Rückläuferquote aus.

> Hast du gute Lösungen für solche Probleme?

Ja: Wenn Du damit nicht leben kannst, werde kein Händler.

> > ja ständig auf dem Gebiet.  Außerdem kann es nicht sein, dass wir
> > Betrug Vorschub leisten, damit die Verbraucher endlich etwas Vorsicht
> > im Internet lernen.

> Wie gesagt, es gibt auch genügend betrügerische Verbraucher.
> Ansonsten wäre so ein Schritt nämlich ziemlich sinnlos.

Ein Verbraucher der sein Recht nutzt ist kein Betrüger.  Ansonsten
gälte "Sie ham's berührt, sie müssen's kaufen".

> > Ach ja, und allen Kleinhändlern, denen jetzt die Hutschnur hochgeht,
[..]
> > niemand gezwungen, Händler zu sein, also müssen diese auch nicht vor
> > betrügerischen Verbraucher geschützt werden.

> Hihi. Du möchtest also dass es keine kleinen Händler mehr gibt,

Nein, ich will die Kleinhändler nicht, denen die Hutschnur hochgeht,
weil sie meinen, es ist ihr gutes Recht, alle Verbraucher zum
Freiwild zu machen, damit sie vor unbequemen Verbrauchern geschützt
sind.

> Otto, oder sonstwo zu bestellen wo die kostenlose Rücksendung ein
> Servicemerkmal ist. Genau wie es dem Verbraucher frei steht einen

Sag mal, glaubst Du allen Ernstes, dass Leute die Anleitung
durchlesen bevor sie ein Gerät benutzen?  Oder die AGB beim Händler? 
Und selbst wenn sie das tun, wer bitte versteht das Gefasel da ohne
einen Anwalt zu konsultieren oder selber Händler zu sein?

Die Welt ist so und so schon viel zu kompliziert, lass sie uns also
noch komplizierter machen?  Das ist doch der falsche Weg!

> geringere Preise bieten kann (denn bezahlen tun wir die 30%
> Rücklaufquote alle -- auch wenn wir keine betrügerischen Verbraucher
> sind).

Richtig.  Wenn wir die Rückläuferquote sowieso schon alle bezahlen,
wozu dann die Leute individuell nochmals dem Risiko aussetzen, dass
sie nochmals zur Kasse gebeten werden, besonders weil sie es sich
evtl. nicht leisten können, die hohen Preise anderswo zu zahlen?  Das
ist doch vollkommen antisozial! (Ohne Ironie jetzt.)

> > Aber Verbraucher zu sein kann man sich nicht aussuchen.

> Seinen Händler aber schon.

Sag das der Oma auf dem Land, in dem Ort, an dem gerade der letzte
Einzelhändler zugemacht hat.

> > übernehmen will, dann hat er die Pflicht, Verbraucher grundsätzlich
> > gegen betrügerische Händler zu schützen, so gut es nur geht.

> ... und umgekehrt. 

Wie jetzt?  Der Verbraucher muss den Staat vor betrügerischen
Händlern beschützen?

Spaß beiseite: Händler musst Du nicht schützen.  Es ist ihre Aufgabe
sich selber zu schützen.  Wer das nicht kann muss das Risiko eben
tragen oder muss aufgeben.
Das gehört zum Business.  Wer das nicht kapiert darf auch nicht
darüber meckern, dass die Banken die Gewinne privatisieren und die
Verluste sozialisieren.

> Vielleicht würde es ja schon reichen einen Minimalpreis zu definieren

Willkommen in der aktuellen Realität, da ist es nämlich genau so
gelöst.  Allerdings einfacher, es gibt da keine Betrugsklausel oder
sonstigen komplizierten Kram.

> > Internet-Shops zu fälschen ist einfach, eine Empfängeradresse in
> > Deutschland eher schwer.

> Tja, als Verbraucher darf man sich seinen Händler aussuchen. Wer

Und nach welchen Kriterien bitte?  Die Angaben auf der Homepage?  Die
IP-Adresse vom Webserver in Amerika?  Die Registrierungsadresse der
.DE-Adresse im DeNIC?  Dem Output des Browsers bei der Überprüfung
des SSL-Zertifikats?

Welche objektiv haltbaren Kriterien kann ein normaler Mensch bitte
überprüfen?  Wie kann er überhaupt eine Wahl haben?  "Amazon?  Nee,
aus Amazonien will ich nix, bis das hier ist ist die Butter schon
schlecht."

> Vielleicht einfach nur Glück gehabt, das glaube ich aber nicht. Sogar

Wir sprechen uns nochmals wenn Du die 1000ste Bestellung hinter Dir
hast.

-Tino

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