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18. Juni 2004 10:32

Re: Diskussionsveranstaltung mit SCO in Jena - so war es

Hi,

ich habe noch was vergessen. Musste gestern abend etwas schneller
gehen.

Herr Blepp hat (zwischen dem ersten und zweiten Teil) die Geschichte
erzählt, wie in Münchens Verwaltung alle Computer auf Linux
umgerüstet werden.
Der Anlass war, dass Microsoft überzogene Lizenzpreise verlangte. Es
wurde sich nach einer kostengünstigeren Alternative umgesehen, und da
kam Suse ins Spiel. Zu dieser Zeit war herr Blepp noch bei Suse. Zu
erst sollten alle Server auf Linux umgestellt werden. Das wäre genug
Arbeit gewesen. Plötzlich hat jemand auch noch die Desktops (14000
Stück) ins Spiel gebracht. Das Angebot von Microsoft waren für alles
32,7 Millionen Euro. Suse hat das Angebot für 30 Millionen gemacht.
Dann wurde Steve Ballmer eingeflogen (Kommentar Blepp:"Als hätte das
der Microsoft-Chef von Deutschland nicht auch hinbekomen.") und die
Summe auf 23 Millionen veringert. Aber Münchens Verwaltung hatte auch
Bedenken vor der Monopolmacht Microsofts. Also wurde Suse genommen.
Aber die können ja niemals 14000 PC's plus Server umrüsten. Also
wurde IBM als Vertrauenslieferant von München mit ins Boot geholt,
weil die haben die Manpower für die Umstellung. Leider kam der Hammer
ab erst hinterher. Nun müssen 4000 Aplikationen (z.B. 80
verschiedenen Urlaubsanträge - mein Kommentar: mal eine gute
Gelegenheit, alles zu vereinheitlichen) neu geschrieben werden. Dann
noch Training, Support usw. Macht nochmal 250 Millionen. Herr Blepp
meinte, damit haben sie sich einfach übernommen. Es wäre besser
gewesen, das zumachen, was man wirklich gut bringt, nämlich die
Server. Und wenn es dann soweit ist, irgendwann auf die Desktops
nachzurücken. Der München-Effekt ist nun, dass auch andere Gemeinden,
und sogar ganze Länder (Indien!) sagen, was München kann, können wir
auch. Und dafür wäre Linux einfach noch nicht reif.
Linux wäre gerade vom Kindergarten in die Vorschule gerückt, und die
Community täte gut daran, sich so zu verhalten, das daraus auch mal
mehr wird. Zum Beispiel sollte die europäische Community sich mal ein
eigenes Sprachrohr suchen.

Ach, noch was zum Prozess. Als SCO IBM beschuldigt hat, dass
Codezeilen geklaut wurden, da hat die Community sich beleidigt
gefühlt und zurückgeschlagen. Das hätte niemand bei SCO vermutet,
dass IBM soviel Rückenwind bekommt. Und nun ist natürlich daraus SCO
gegen den Rest der Welt geworden.

Hatte ich gestern nicht geschrieben, es waren so ca. 300 Leute da.

So, ich hoffe, ich habe jetzt alles.

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