10. Februar 2013 06:21

Re: Doktortitel berechtigt zu regieren, nicht sonstige Leistung...?

Hallo,

switcher80 schrieb am 10. Februar 2013 02:16

> Frau Schavan, deren politische Ansichten ich in keinster Weise teile,
> hat als "Wissenschaftlerin" komplett versagt, bzw. war als
> "Wissenschaftlerin" unfähig und ungeeignet, doch als Politikerin hat
> sie einiges vorzuweisen, was nichts mit ihrem akademischen Grad zu
> tun hat.

An Personen, die hohe, mit Macht, Einfluß, guter Bezahlung
und Absicherung ausgestattete Ämter bekleiden wollen, sind
auch hohe Ansprüche zu stellen. Dazu gehören Qualifikation
und Integrität. Je höher das Amt, desto höher der Anspruch,
und desto eher wird nicht mehr nur die reine Fachkompetenz,
sondern auch das Verhalten und der Charakter der Person
beurteilt. Man kann nicht willkürlich trennen. Es mag noch
angehen, daß ein Lagerarbeiter mal gewalttätig geworden ist,
ein Dachdecker mal Ladendiebstahl begangen hat oder ein
Lastwagenfahrer mal der sexuellen Nötigung schuldig
befunden wurde. Der Anspruch an diese Ämter ist nicht so
hoch, und wenn keine Wiederholungsgefahr besteht, soll jeder
seine zweite Chance haben und nicht automatisch seine
Existenz verlieren.

Aber der Kinderschänder als Chorleiter, der Unfallfahrer
mit Todesfolge als Verkehrsminister, der Finanzbetrüger
als Finanzminister oder die Wissenschaftsbetrügerin als
Bildungsministerin - das ist zuviel verlangt, das muß
eine demokratische Gesellschaft nicht tolerieren.

> Wer jedoch der Meinung ist, dass nur die klügsten, weisesten und
> erhabensten Menschen über uns regieren sollten, der ist ein
> Anti-Demokrat und verleugnet die Tatsache, dass der Mensch nunmal ein
> Mangelwesen ist.

So ein Quatsch. Es wird nur verlangt (und zum Glück
gelegentlich auch durchgesetzt), daß Betrüger, Blender,
Lügner und Unqualifizierte keine hohen Ämter bekleiden,
insbesondere nicht solche, in denen sie Mist gebaut
haben (Wissenschaftsbetrügerin als oberste Wissenschafts-
Dienstherrin, geht's noch?)
Wieso das dann antidemokratisch sein soll, bleibt sowieso
Dein Geheimnis. Die Möglichkeit der demokratischen
Kontrolle durch Wahl bzw. Abwahl, so indirekt sie auch 
sein mag, soll grade die Geeignetheit der Kandidaten
sicherstellen und aristokratische Erbstrukturen für
die Vergabe von Ämtern verhindern.

> Sie hat, soweit ich das richtig einschätzen kann, in ihrer Tätigkeit
> als Abgeordnete und Ministerin stets vorbildliches Verhalten gezeigt. 

Ich sehe das zwar nicht so, aber sei's drum.

> Ihr Verhalten vor ihrer politischen Karriere sollte eher keine Rolle
> spielen, denn jeder Mensch hat schonmal Dinge getan, die nicht den
> moralischen Ansprüchen  späterer Tätigkeiten gerecht werden.

Glaube ich nicht. Es gibt massenhaft Leute, die zeitlebens
integer sind. Wer mit einem gefälschten Führerschein 33 Jahre
unfallfrei fährt, bekommt die Fahrerlaubnis auch nicht geschenkt
wenn er auffliegt. Und er darf auch den Lastwagen nicht mehr fahren.
Er wird aufgrund der Verjährung nur nicht mehr wegen
Urkundenfälschung belangt. 

Habt einen fahrsicheren Tag.

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