15. Dezember 2012 08:29

Re: Drehknopf

> wenn dem so wäre, hätte man das paper wohl weder im EPL noch im EPN
> veröffentlicht

Ach ja? 
1) ich kenne eine lange Liste von Papers welche beispielsweise in
Nature veröffentlicht sind und schlichtweg falsch sind. Generell ist
die Statistik wohl so, dass wenn man genügend lange wartet, wohl etwa
30-40% aller Publikationen sich als nicht korrekt rausstellen
(überinterpretiert, Messfehler, ...)
2) Was dich stutzig machen sollte ist der Fakt, dass zwischen
Einreichen und akzeptieren des Papers gerade einmal 5 Tage vergangen
sind (nur 3 davon Arbeitstage). Das ist höchst unüblich und deutet
stark darauf hin, dass der Referee keinen einzigen Kommentar hatte.
Normalerweise sind 30 Tage oder mehr die Regel (paper geht an
Journal, formelle Sachen werden geklärt, Editor liest es sich durch,
Editor sucht einen Referee, dieser muss akzeptieren, dieser liest
sich das Paper aufmerksam durch und gibt Verbesserungsvorschläge ab,
Paper geht zum Editor zurück, Paper geht zum Autoren zurück, Autor
verbessert Manuskript, Manuskript geht zum Editor zurück, ...)

> einfach lächerlich was ihm hier unterstellt wird und seine reaktion
> in den kommentaren wird da umso verständlicher

> vielleicht solltest du wenn du nicht den grips oder das fachwissen
> hast eine publikation zu begreifen erst einmal sorgfältig nachdenken
> bevor du den verfasser mit wilden anschuldigungen bewirfst

Ok - nur kurz zum Klarstellen. Ich hab sowohl das Fachwissen als auch
mehrere Laborkollegen (also Leute welche ihr Experiment im gleichen
Labor haben wie meines), welche Experimente mit Mikrowellen machen.
Ich denke also dass ich sehr wohl eine fundierte Aussage machen kann.
Ich würde dir also vorschlagen, dich bei mir zu entschuldigen ;-)

Zusammengefasst kann man über das Experiment sagen, dass jegwelche
Aussage ins Reich der Spekulationen gehört, weil schlichtweg nicht
sauber gearbeitet wurde:

1) Empfänger und Sender sind ca. 10 cm voneinander entfernt (ich sag
nur Antenne). Wenn man das Experiment sauber machen möchte, müsste
man das Kupferrohr als lange gerade Strecke machen (mehrere
Kilometer).
2) Phase shift ist nicht geeignet um eine Verzögerung herzuleiten:
Denn einerseits ist die Phase bloss auf ein mehrfaches von 2pi genau
bestimmt und andererseits kriegst du sobald du eine Induktivität oder
Kapazität hast (hast du IMMER) einen Phase shift.
3) Wenn man die Geschwindigkeit richtig messen möchte, würde man
einen einzelnen Puls nehmen und ca. 200 Seiten lang ausführlichst
beschreiben, was man alles gemacht hat um sein Timing auf 1
Nanosekunde genau hinzukriegen.

Generell sollte man vielleicht noch sagen, dass
Mikrowellen-Experimente generell extrem kompliziert und schwierig
sind und kleinste Abweichungen vom Idealfall grosse Auswirkungen
haben können. Noch schwieriger sind Timing-Sensitive Experimente
(beispielsweise das vom Cern welches Überlichtgeschwindigkeit von
Neutrinos gemessen hat). Denn hast du irgendwo einen kleinen Delay
(rechne beispielsweise nur mal den Delay eines 1m langen Kabels mit
kleiner Kapazität aus) den du nicht beachtest, ist deine ganze
Messung futsch.

Ich werfe dem Autoren keinesfalls vor, dass er absichtlich etwas
falsches publiziert hat. Was ich dem Autoren allerdings vorwerfe
sind:
1) Das Experiment ist unsauber designt und nicht geeignet, die
gemachte Aussage zu unterstützen.
2) Der Artikel zum Experiment ist grottenschlecht und als Autor würde
ich mich schnellstmöglich davon distanzieren (hat er nicht gemacht).

Dass aufgrund dessen der Autor (sowohl des Artikels als auch des
Papers) mit kritischen Fragen/Kommentaren überhäuft wird zeigt, dass
Wissenschaft grundsätzlich funktioniert. Dies hat rein gar nichts
damit zu tun, dass man dem Autoren seinen "Nobelpreis für die
Überwindung von Einstein" nicht gönnen würde sondern damit, dass
Leute mit entsprechendem Fachwissen den Laien klar machen möchten,
dass der ensprechende Heise-Artikel mit einer grossen Menge Vorsicht
zu geniessen ist.

So long und ein schönes Wochenende,
SirMammut

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