24. Januar 2013 00:14

Re: Es gibt verdammt nochmal keinen Einfluss von Killerspielen auf das reale Leb

trolliger_Kritiker schrieb am 23. Januar 2013 19:36

> Predigen doch die Gamer hier dauernd. Gut wenn mal einer von euch das
> Gegenteil darlegt.

Die Frage ist, welche Art von Einfluss. Sicher wird das Interesse
fuer Vieles im spaeteren Leben bei Kindern und Jugendlichen erstmal
im Spiel geweckt, das heisst aber noch lange nicht, dass
"Killerspiele" Menschen zu "Killern" machen.

Wenn nun aber in so einem Spiel ein Hubschrauber vorkommt, und den
z.B. ein Gamer im Spiel cool findet, dann liest er/sie vielleicht mal
auf Wikipedia was ueber Hubschrauber, und findet das interessant.
Davon bleibt vielleicht was haengen, und bei der naechsten
Gelegenheit fragt er/sie vielleicht einen Rettungs- oder
Militaerhubschrauberpiloten ein paar Details, und findet das dann
auch interessant. Dann kauft er/sie vielleicht das naechste taktische
Spiel, WEIL ein Hubschrauber darin vorkommt. Ein paar Jahre spaeter
wird mit'm Modellheli durch die Felder geflogen, und dann will er/sie
vielleicht irgendwann mal Pilot werden, und da das nicht gerade
billig ist, verpflichtet er/sie sich beim Militaer, denn da zahlt die
Ausbildung der Staat - und das vielleicht, obwohl er/sie eigentlich
nicht unbedingt zum Militaer wollte.

Viele Rettungshelikopter-Piloten hier in Oesterreich sind ehemalige
Militaerpiloten. Es hat alles seine positiven und negativen Seiten.
Ob die Killerspiele spielen weiss ich aber nicht ;)

> Ich war auch mal Gamer, aber ich habe festgestellt, dass
> gewalttätige Spiele einem tatsächlich den
> Charakter verderben und abstumpfen lassen.

Kann ich nicht bestaetigen, ich habe ziemlich lange die
Battlefield-Serie gespielt, auch online, und die auch nie als
sonderlich gewalttaetig empfunden. Schlimmer noch, ich hab ein paar
tausend Projektile aus echten Gewehren verschossen, allerdings alle
auf Zielscheiben bzw. Zielobjekte (Zielwuerfel, etc.), nie auf
Lebewesen.
Ich laufe trotzdem nicht in der Gegend herum und ueberlege mir, wen
ich als Naechstes abschlachten koennte.

> Ich kann nur jedem davon abraten solche Spiele zu konsumieren.

Ich denke, das ist wie beim Fernsehen: Durch solche Spiele werden
Dumme noch duemmer, Gescheite noch Gescheiter.
Warum ist einfach: Dumme glauben, das ist realistisch; Gescheite
wissen, dass es nicht realistisch ist, sondern bestenfalls ein an die
Realitaet erinnerendes vergleichsweise harmloses Spiel, und die lesen
dann vielleicht mal nach, was sich im jeweiligen Konflikt wirklich
zugetragen hat (viele dieser Spiele praesentieren sich ja als
Nachempfindung tatsaechlich stattgefundener Schlachten, aber
natuerlich weit entfernt von der Realitaet).

Ich rate Menschen nichtmal grundsaetzlich davon ab, mal ein echtes
Gewehr in die Hand zu nehmen. Es schadet nicht, wenn Menschen etwas
selbst erfahren und nicht darauf angewiesen sind, nur Erzaehlungen
anderer glauben zu muessen.
Das ist meines Erachtens eine der wenigen Schwaechen der Linken:
Wuerden sie sich mal, trotz ihrer Abscheu vor Waffen, informieren und
so ein Ding probeweise in die Pfoten nehmen, koennten sie den meisten
Rechten in den diversen Diskussionen ueber Waffengesetze udgl. ganz
leicht den Wind aus den Segeln nehmen, weil sie dann ganz leicht
gegen den unglaublichen Schwachsinn kontern koennten, den die rechten
Waffennarren oft verzapfen.

> Beim Konsum von Medien mit
> gewaltnormalisierendem Inhalt aber glauben die meisten noch immer
> kindlich-naiv, dies hätte keinerlei negative Folgewirkungen.

Das kommt darauf an, in welchem Kontext und mit welcher Einstellung
dazu solche Medien konsumiert werden.

> Aber es gibt nicht nur schwarz und weiss sondern auch Graustufen. Und
> es findet durch den Konsum solcher geistiger Umweltverschmutzung
> definitiv eine Verschiebung ins Grau statt.

Ich streite nicht ab, dass das in _manchen_ Faellen moeglich sein
kann, nur denke ich, dass es, wenn es um die Praevention von realer
Gewalt geht, einer der wirkungslosesten Wege (und Vorwaende) ist, bei
den Killerspielen anzusetzen.
Mit anderen Worten: Die Killerspiele sind eines der kleinsten
Probleme.

Die Killerspiele sind fuer viele einfach ein bequemer Vorwand, um
nicht das Recht zu verlieren, allwoechentlich mittelstark
alkoholisiert im lokalen Schuetzenverein mit diversen Freunden
fragwuerdiger politischer und gesellschaftlicher Orientierung in der
Gegend herumzuballern. Bei diesen grossen Problemen sollte einmal
angesetzt werden, lange bevor man noch darueber nachdenken muss, wie
Killerspiele auf manche Individuen wirken koennten.

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