8. Januar 2013 21:09

Re: Ich bleibe hier

columbo schrieb am 8. Januar 2013 20:19

> Brute Force schrieb am 8. Januar 2013 19:59

> > Selbst wenn erdähnliche Planenten überhaupt erreichbar wären, dort
> > würde sich wohl kaum jemand dauerhaft wohlfühlen.

> Vermutlich, aber darum geht es m.E. auch gar nicht.

Schon. Aber dafür kann man ja Habitate errichten. Planeten sind am
Grunde einer Gravitationssenke, schwerer Zugang zu Rohstoffen oder
Energie - usw.

> Es geht vielmehr um die Frage aller Fragen: 
> Ist die Erde, bzw. sind wir nur eine Laune der Natur, ein "Unfall" in
> der Entwicklung des Universums, oder ist die Enstehung von
> (intelligentem) Leben eher ein ganz normaler Vorgang?  

Jedenfalls nicht von techn. orientierten Zivilisationen. Wäre es das,
wären wir entweder die ersten, oder wir könnten sie nicht mehr
übersehen. Um Habitate im Sonnensystem zu errichten brauchen wir kaum
bessere Technik, wir müssten "nur" entsprechend viel Wirtschaft
entsprechend ausrichten.

> Wenn wird einmal die Ereignisse der letzten Jahre zusammen fassen:
> -Bis vor wenigen Jahren glaubte man noch, dass nur ein Bruchteil
> aller sonnenähnlichen Sterne von Planeten umgeben sei, von potentiell
> "erdähnlich" noch ganz zu schweigen.

Vorsicht! Du musst schon zwischen Sternen verschiedener Populationen
unterscheiden. Population 2 Sterne enthalten kaum ausreichend
Elemente, um Planeten bilden zu können. In der Hinsicht dürfte es
noch Überraschungen geben - in jede Richtung.

> -Bis vor Kurzem war man noch der Meinung (als prominentestes Beispiel
> sei Harald Lesch genannt), dass in Mehrsternsystemen keine stabilen
> Planetenbahnen möglich sein könnten.

Das ist das beste Beispiel, dass du ihm nicht zugehört und noch
weniger verstanden hast.
Also, nochmals: Stabile Bahnen in Mehrfachsystemen: Ganz nahe an
einem der Sterne, oder ganz weit weg mit den Sternen im Zentrum. Das
hat Harald Lesch auch nie bestritten! Jetzt kannst du versuchen, ein
entsprechendes stabiles Modell so zu konstruieren, dass
Planetenbahnen innerhalb der Lebenszohne liegen. Das ist fast
unmöglich, und wird dementsprechend selten vorkommen!

> Jetzt wissen wir:
> -Die Planeten-Bildung scheint ein ganz normaler Prozess bei der
> Enstehung eines Sterns zu sein.

Schon wieder die undifferenzierte Betrachtung... Es gab niemals einen
Felsplaneten rund um einen Population III Stern.
Wieso nicht? Damals gab es noch keine passenden Elemente. Wasserstoff
und Helium passen nicht zu Felsplaneten.

Bei Population II Sternen hielt man das auch für unmöglich, angeblich
hat man in der Zwischenzeit einen gefunden... Wobei noch der Nachweis
zu führen ist, dass er nicht später eingefangen wurde.

> -Stabile Planetenbahnen sind auch in Mehrsternsystem ohne weiteres
> physikalisch möglich. Dies hatte schon vor vielen Jahren ein
> deutscher Astronom mittels Computersimulationen errechnet, nur war

Nope, du pauschalisierst und unterstellst Leuten Sachen, die sie so
nie gesagt haben. Harald Lesch bezog sich definitiv auf potentiell
Leben tragende Planeten!
Dass es in Ausnahmefällen tatsächlich so sein kann, sagt ersteinmal
noch gar nichts über die Wahrscheinlichkeit und die Gesamtzahl aus.

> das schlichtweg kaum bekannt. Die entdeckten Exoplaneten der letzten
> Jahre stützen dies.

Nein. Es wurden extrem viele Einseitendreher gefunden - noch dazu von
einer Größe, die recht sicher kleinere Planeten ausschließen.
Es wurden ein paar Anomalien gefunden die einige Modelle zurück ans
Reißbrett zwingen, aber das war es auch.

Noch immer gilt: 70% der Sterne dieser Galaxis sind Rote Zwerge. Rote
Zwerge, deren Lebenszone so nahe liegt, dass sie sowohl zwangläufig
zu Einseitendrehern werden, als auch von deren Strahlungsausbrüchen
recht häufig immer wieder sterilisiert werden.
Die kannst du bei deiner Suche nach Leben schon mal vollkommen
vergessen! (Allerdings: Die meisten überlebenden Population II Sterne
müssen Rote Zwerge sein, zu schwere Sterne sind verstorben. Damit
muss man das Kriterium nicht unbedingt extra erwähnen.)

Noch immer gilt auch: Ein Stern, der zu viel Masse hat, altert zu
schnell. Selbst wenn es dort absolut perfekte Planeten gäbe, Leben
hätte keine Zeit sich zu entwickeln. Die Sonne dehnt sich langsam aus
- in 900 mio Jahren wird dadurch die Erde aus der Lebenszone rutschen
und anfangen zu kochen. (Gleichzeitig lässt der Vulkanismus der Erde
nach, wodurch kein CO2 nachkommt und irgendwann der Kohlenstoff
ausgeht.)
Das Leben hier auf der Erde brauchte über 3,3 milliarden Jahre, bis
die ersten Mehrzeller auftauchten.

> Es würde mich nicht überraschen, wenn wir in den nächsten 10-30
> Jahren mittels deutlich genauerer Instrumente und Spektroskopie
> herausfinden, dass zumindest ein paar der beobachteten Planeten eine
> der Erde ähnliche Atmosphären-Zusammensetzung haben.

Lol. Sorry, aber du bist so naiv...
Schau dir mal die Grafik auf
> http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Sauerstoffkatastrophe
an. Lies dir dann mal die Artikel über die Entwicklung der Atmosphäre
und zu "Schneeball Erde" durch.

Danach vergleiche mal Venus, Erde, Mars und Titan nach Größe, Abstand
zur Sonne und Atmosphäre. Wenn du dann irgendwann einmal tatsächlich
*verstehen* solltest, wie diese Unterschiede trotz diverser
Gemeinsamkeiten auftreten können, lies dir deinen Satz noch einmal
durch.
Vermutlich wirst du ein paar Jahre brauchen, danach dürftest du dich
dafür aber schämen.

> In jedem Falle bleibt die Zukunft mehr als spannend.

Das schon. Aber nicht auf der Jagt nach "Star Trek" Aliens oder einer
Welt eines "Low Frontier" Szenarios. Stattdessen wird die Menschheit
irgendwann das "High Frontier" Szenario verwirklichen.

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