29. November 2012 00:18

Re: Mehr Marktanteil als Linux nach 20 Jahren

freax schrieb am 28. November 2012 19:03

> Ok, da braucht die Basisinstallation von Windows länger mit den
> Updates. Dafür geht das gut im Hintergrund und ich kann währenddessen
> schon was anderes machen.

Auch wenn's dich vielleicht schockiert: Ich schiebe in einen
beliebigen Rechner einen USB-Stick und habe nach ~20 Sekunden ein
voll funktionsfähiges Linux live. Inklusive Netzwerkanschluss,
Surffähigkeit, Office suite. Da kann ich sogar live schon pakete
installieren die ich gerade brauche. Viel glück bei windows – selbst
wenn du zwei DVD-Laufwerke hättest. Und dann kann ich durch klick
eines Desktopicons die Installation im Hintergrund starten. Und das
ist jetzt kein spezieller Nerd-USB-Stick, sondern das ganz normale
Ubuntu/Mint image. Du hast in den letzten fünf Jahren kein Linux
aufgesetzt, oder?

> > sudo apt-get install build-essential inkscape gimp thunderbird vlc
> > gnuplot htop git dos2unix meld vim valgrind rar unrar jabref texlive
> > kile qt-sdk doxygen clementine...

> Blubb. Ich hab deutlich mehr auf einer Kiste als du anscheinend.

Was Auslassungszeichen sind, weißt du? Ich wüsste nicht, worum es die
Diskussion bereichern würde, wenn ich hier all meine installierten
Pakete herunterbete.

> > return und ich bin fertig. Dann vielleicht noch home mit rsync von
> > einem backup rüber und gut ist, inklusive aller configs aller
> > Programme. Da hast du mit Windows noch nicht einmal deine msconfig
> > geschrubbt und bist noch dabei die Palette Install-CDs durchzunudeln
> > und dreißigstellige serial-Keys zu klimpern und bei der Aktivierung
> > vier support-hotlines anzurufen.

> Backup incl. aller Einstellung zurücksichern? Darum geht es hier
> gerade nicht, es geht um NEU-Installation mit setzen ALLER
> notwendigen Einstellungen von Hand

Das ist gleichermaßen der Punkt. Von "Hand" geht unter Linux so, dass
du viele config files bereits aus alten Systemen hast und meistens
nur Kleinigkeiten ändern musst. Aber bitte, sagen wir, du hast das
nicht. Dann ist Linux einrichten trotzdem simpler, weil man sich
nicht durch eine riesige Hierarchie von Schaltflächen und Feldern
klicken muss, bis man sieht, was man sucht.
Es ist eher so, dass der unbedarfte Benutzer bei Linux – ganz
hypothetisch ohne Internet – mehr Schwierigkeiten haben dürfte, neu
herauszufinden, wo welche Einstellung ist. Dafür sind grafische
Benutzerschnittstellen gemacht, dass sie das System dem User
vorstellen und (zumindest die einfacheren) Funktionen präsentieren.
Aber von unbedarften Benutzern reden wir hier ja nicht mehr wirklich.
Die merken zwischen Linux und Windows eh keinen großen Unterschied.

> lokaler Mailserver, Backup etcpp,
> aber auch Anlegen von Benutzern, setzen (bzw. streichen) von Rechten
> für diese Benutzer

Jetzt wird's albern. Gerade darin ist Linux (allgemein unixoide
Systeme) aus historischen Gründen sehr stark. Es kommt einfach genau
aus dieser Mehrbenutzer-Ecke von Forschungseinrichtungen, Unis etc.
Die solche services laufen hatten, in großem Stil backups machen und
komplizierte ACLs verwalten. Während Windows ganz klar auf dem
Heimrechner mit üblicherweise ein oder zwei „Benutzern“ eingesetzt
werden sollte und wird.

> Das was du beschreibst ist unter Windows wohl eher eine
> Reparaturinstallation.

Mit dem Unterschied, dass es „Reparaturinstallationen“ bei Linux
mangels Notwendigkeit nicht gibt.

> Ich sehe eben gerade für den Normalouser im Windowsumfeld,
> gerade auf Grund der starken Verbreitung, den Vorteil, dass er
> eventuelle Probleme schneller gelöst bekommt, er Treiber auch für
> exotische Hardware kriegt und er die Software nutzen kann, die er im
> Arbeitsumfeld auch nutzt. 

Nein, Naja und Ja.
Probleme gelöst bekommen: Aus langer Windows- und langer
Linux-Erfahrung kann ich sagen, dass man Probleme bei Linux leichter
gelöst bekommt. Das liegt vermutlich daran, dass erstens mehr geht –
man tiefer ins System kommt, wenn man will. Und daran, dass die
Community deutlich fachkundiger ist. Was man teilweise in
Windowsforen als Ratschläge auf Probleme bekommt, grenzt an Monty
Python (Das ist der Nachteil der Masse: Mit großer Masse kommen auch
große Massen an Idioten, denen das aber noch keiner gesagt hat).
Treiber für exotische Hardware: Da bin ich zwiegespalten. Bei
Grafikkarten für hohe Leistung hat Windows klar die nase vorne, weil
die Grafikkartenentwickler eben dort mehr Geld fließen sehen. Bei
anderer Hardware muss ich sagen, haben mich die Treiberhacker schon
teilweise zum Staunen gebracht. Da hat man für Windows schon eine
eiwigkeit beim googlen nur noch 404er bekommen, da kann man für linux
noch einen Treiber auftreiben (pun not intended).
Software aus dem Arbeitsumfeld: Wenn du so willst, ist das ein
Nachteil aller Nicht-Windows-Systeme. Aber merkst du, wie viele
deiner Argumente für Windows einzig und allein darauf zurückkommen,
dass Windows einfach weiter verbreitet ist? Genau meine These. Aber
mit dem steigenden Beliebtheitsgrad von cross-platform-Entwicklung,
blicke ich beruhigt in die Zukunft.

> Und mal ganz ehrlich, dein apt-get von oben, welcher Normalouser wird
> das so 
> nutzen? ;-)

Ich würde behaupten der Großteil! Aber ich behaupte ja nicht, dass
der durchschnittliche Windows-Bediener auf gleichem Niveau mit einem
Computer arbeiten kann als der durchschnittliche Linux-Benutzer.

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