17. November 2012 04:51

Re: Mit dieser Meinung wirst Du hier wohl ein glühendes ROT bekommen, aber

> aus eigener Erfahrung kann ich das durchaus bestätigen. Ich wurde von
> meinen Vater zweimal so richtig "weichgeknetet" um mich wieder in die
> rechte Spur zu führen. War damals keine schöne Erfahrung, aber jetzt,
> 25 Jahre später, bin ich ihm da durchaus dankbar für.

Vielleicht war das damals auch nur "nötig", weil ebendieser Vater
vorher etliches versäumt hat? Moderne Erziehung besteht eben nicht
nur im Verzicht auf Gewalt (wie es die Konservativen bei den 68ern
gerne als Teufel an die Wand malten), sondern insbesondere auch in
der Aufklärung des Nachwuchses - also dem ausführlichen Erklären von
Zusammenhängen, dem Ernstnehmen des Nachwuchses als prinzipiell
gleichberechtigten Gegenüber, der sachlichen und altersgerechten
Begründung von Entscheidungen, der aktiven Beteiligung des
Nachwuchses bei der Gestaltung des Alltags und bei Entscheidungen
etc.

Der Gegensatz dazu sind übermäßige Autorität, Befehlston,
intransparente Entscheidungen, Willkür und Launigkeit,
Unberechenbarkeit, Zwang zum bedingungslosen Gehorsam etc. seitens
der Eltern.

> Mit dem Unsinn den ich in der Pubertät angestellt habe, habe ich
> quasi drum gebettelt. Und wenn ich die Dresche nicht bezogen hätte,
> wäre mein Leben, glaube ich jedenfalls, anders und wahrscheinlich
> unschöner verlaufen.

Ich gehe mal davon aus, dass es prinzipiell auch gewaltfreie
Möglichkeiten gegeben hätte, den Unsinn zu stoppen. Aber das ist
natürlich müssig zu diskutieren - es kam, wie es kam, und eine andere
Variante war damals nicht erkennbar.

Ich weiß aber auch von Menschen, denen Gewalt in der Kindheit und
Jugend das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die Menschen
ausgetrieben hat, und die ihr Leben lang darunter leiden. Das geht so
weit, dass sich das auch negativ auf die nachfolgende Generation
auswirkt.

> Bei meinen Kids muß ich mir zum Glück über soetwas keine Gedanken
> machen, da die mehr nach meiner Frau kommen und keine strengen
> Erziehungsmassnahmen notwendig sind. Da braucht es nicht mal
> Hausarrest. Damit verglichen dürfte der Hausarrest den ich von meinen
> Eltern aufgebrummt bekommen habe, heutzutage bestimmt gegen die
> Menschenrechtskonvention verstoßen.

Das spricht wohl mehr für deine Frau als für dich. Sie hat
offensichtlich den Kindern die Welt so erklärt, dass die Kinder sich
ernstgenommen fühlen, ausreichend Perspektiven und Handlungsoptionen
entwickeln können und Probleme mit einem adäquaten und
vertrauenswürdigen Gegenüber besprechen können. Eltern als
zuverlässige und um das Wohl des Kindes besorgte Vertauenspersonen
sind viel wert - aber sie dürfen dieses natürlicherweise vorhandene
Vertrauen eben nicht verspielen.

    fr.osch

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