22. Dezember 2012 08:00

Re: Total OT: Open University

Lernen durch Konsum von Videos funktioniert nur extrem begrenzt.
Lernen ist ein etwas komplexerer Prozess und erfordert Interaktionen
mit Menschen. Man kann allenfalls eine sehr schlechte Vorlesung durch
ein Video ersetzen. In einer guten Vorlesung hingegen gibt es Fragen,
Diskussionen, Gespräche, von Studenten vorgetragene Inhalte usw.

Vorlesungen per Video bedeuten einen Rückfall in die Pädagogik des
19. Jahrhunderts.

Und was ist mit Praktika, Seminaren, Übungen? Diese finden aus
pädagogischen Gründen im Idealfall in direkter Abwechslung mit
Theorieblöcken statt. Auch das geht nicht per Video. Und was ist mit
sozialen Kontakten? Auch diese sind ein wichtiger Teil des
Lernprozesses.

Tut mir leid, aber eine Video-Uni wird keine guten Auswirkungen auf
das Niveau des Studiums haben. Meines Erachtens ist das der feuchte
Traum von Extremsparern und soziophoben Nerds. Man sollte vielmehr
dafür sorgen, dass ausreichend viele Lehrende vorhanden sind, die
wirklich lehren können und dafür, dass die Gruppengrößen erträglich
bleiben.

Dass die Japaner das vorantreiben, wundert mich nicht. Japan steht
finanziell vor dem Abgrund. Und sie wollen ja auch ihre alten Leute
alleine mit Roboter pflegen.

Eine solche Gesellschaft will ich nicht.

Und wenn hier jemand schreibt, dass die Profs solche Fortschritte
verhindern, dann liegt das vielleicht daran, dass die täglich
erleben, wie erfogreiches Lernen funktioniert oder eben nicht
funktioniert. Aber gut, es mag da auch Spinner geben.

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