3. Dezember 2012 04:58

Re: »Wir brauchen die bewaffneten Drohnen sehr schnell und sollten [...]

kill-1 schrieb am 2. Dezember 2012 15:17

> Nein, dafür wurden Drohnen noch nie eingesetzt.

Natürlich nicht da es bisher noch keine Drohnen gab.

> Das wäre auch
> vollkommen abwegig, da jedes Land, das Mittelstreckenraketen hat,
> auch über eine funktionierende Flugabwehr verfügt.

Abgesehen davon dass dies nicht stimmt, eignen sich Drohnen
hervorragend zur Flugabwehr. Gerade in zukünftigen Szenarien könnten
sie unverzichtbar werden. Eine Russische SN-22 z.B. lasst einem
Schiff eine Reaktionszeit von ca. 30 Sekunden um: die Gefahr zu
entdecken, Gegenmaßnahmen einleiten, Abwehrwaffen abfeuern und auch
noch treffen. Nun waren die Russen nicht untätig und die neuen Mach 7
schnellen Flugkörper halbieren diese Zeit auf 15 Sekunden. Drohnen
die den Radarhorizont erweitern ermöglichen eine frühere Entdeckung
und längere Reaktionszeit.
Natürlich geht das auch mit bemannten AWACs aber die sind
schweineteuer, brauchen viel personal oder sind nur begrenzt
Einsatzfähig und auch dafür haben die Russen entsprechende Flugzeuge
und Raketen im Programm.
Auch wenn Russland meiner Einschätzung nach der schlechteste Kandidat
für ein Bedrohungsszenario ist, zeigt es dass die Dinger durchaus
ihre Berichtigung in der Modernen Kriegsführung haben. Und es gibt ja
auch andere Länder die an ähnlichem Arbeiten oder ganz einfach den
russen einkaufen.

> Drohnen kann man
> gegen mutmaßliche "Terroristen" einsetzen,

Gegen die kann man alles von dem Sturmgewehr bis zum strategischen
Bomber einsetzen. Und der Effekt ist jedes mal der selbe, die USA
sind da sehr lernresistent.

> Ausdenken kann man sich vieles. Realistisch betrachtet gibt es aber
> mit Ausnahme von Russland kein Land, dass Europa oder die USA
> militärisch bedrohen kann.

Heute. In 50 Jahren, 100 Jahren? Und Europa selbst ist auch erst seit
70 Jahren in Frieden und das nicht so ganz.

> Und wenn du Angst vor den Russen hast,
> wäre es am sinnvollsten, die Entwicklung deutscher Atomwaffen zu
> fordern. Mit Drohnen oder Panzern kämen wir da nämlich nicht weit.

Abgesehen davon dass in Deutschland Atomwaffen stationiert waren oder
sogar noch sind, stimmt das nicht so ganz und es ist wichtig eine
andere Abschrekung als Atomwaffen zu haben, denn sonst denkt sich die
andere Seite am ende noch "traut der sich nie die ein zu setzen" und
genau so könnte es dann zum Atomkrieg gekommen sein.

> Die ganzen Bedrohungsängste werden nur geschürt, um der
> Waffenindustrie nach Ende des kalten Krieges noch genügend Aufträge
> zu verschaffen. Zum Glück brauchen wir inzwischen keine derart
> hochgerüsteten Armeen mehr.

Das Gegenteil ist der Fall: es gibt zwischen modernen Ländern keine
Krieg mehr weil durch die modernen Waffensyteme der unterlegene
Verlierer, dem Gewinner trotzdem solch hohen Schaden zufügen kann
dass sich der Krieg nicht rechnet.
In Afrika ist das anders: einerseits haben die Leute nicht so viel zu
verlieren, andererseits sind Kampfhandlungen mangels starker
Luftwaffen und Panzertruppen örtlich begrenzt und es ist möglich
Gebiete zu Erobern und halten, und genau deshalb gibt es krieg: Man
will etwas das der andere Hat selbst haben. Wobei das geschönt
ausgedrückt ist, es ist oft auch: man ist in einer Notlage und um zu
überleben muss man dem anderen nehmen was es dazu braucht, der andere
wieder muss das unbedingt behalten um selbst zu überleben.

> Und die Probleme, die man angeblich mit
> Drohnen lösen will, kann man nur mit einer vernünftigen Außenpolitik
> in den Griff bekommen.

Drohnen lösen Probleme nicht viel anders als Kampfflugzeuge das
bisher getan haben. Und da haben wir heute auch den Eurofighter und
keine Messerschmidt mehr.

Anzeige

heise online Themen