5. Januar 2013 00:17

Re: bevor jetzt das ganze Forum losbrüllt... (Editiert vom Verfasser am 05.01.13 um 00:18)

Edna Krabappel schrieb am 4. Januar 2013 17:41

> Mir scheint, *Du* bist es, der da Probleme mit der deutsche Sprache
> hat. Normalbürger verstehen das Wort "Raubkopie" schon ganz gut, so
> wie "Raub" eben in der Umgangssprache als "sich widerrechtlich
> nehmen" verstanden wird. Vielleicht solltest Du mal bei Goethe,
> dessen Umgang mit der Sprache wohl nicht in Frage steht, nachlesen:

> "Die Verachtung, welche daraus gegen den unverschämten
> Nachdrucker entstand, ließ mich den Verdruss übertragen, den ich bei
> diesem Raub empfinden musste."

> http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/werke/dichtung/16.htm

Interessantes Beispiel das Du da gewählt hast!

Goethe beschwert sich da nämlich über den Berliner Verleger Christian
Friedrich Himburg, also einen Verwerter(!), bezüglich eines
unautorisierten Nachdrucks!

Aus Deinem Link:

  Hierbei will ich eines Falles gedenken, der zwar später eintrat.
Als nämlich meinen Arbeiten immer mehr nachgefragt, ja, eine Sammlung
derselben verlangt wurde, jene Gesinnungen aber mich abhielten, eine
solche selbst zu veranstalten; so benutzte Himburg mein Zaudern, und
ich erhielt unerwartet einige Exemplare meiner zusammen gedruckten
Werke. Mit großer Frechheit wusste sich dieser unberufene Verleger
eines solchen, dem Publikum erzeigten Dienstes gegen mich zu rühmen,
und erbot sich, mir dagegen, wenn ich es verlangte, etwas Berliner
Porzellan zu senden. Bei dieser Gelegenheit musste mir einfallen,
dass die Berliner Juden, wenn sie sich verheirateten, eine gewisse
Partie Porzellan zu nehmen verpflichtet waren, damit die königliche
Fabrik einen sichern Absatz hätte. Die Verachtung, welche daraus
gegen den unverschämten Nachdrucker entstand, ließ mich den Verdruss
übertragen, den ich bei diesem Raub empfinden musste. Ich antwortete
ihm nicht, und indessen er sich an meinem Eigentum gar wohl behaben
mochte, rächte ich mich im Stillen mit folgenden Versen:

    Holde Zeugen süß verträumter Jahre,
    Falbe Blumen, abgeweihte Haare,
    Schleier, leicht geknickt, verblichne Bänder,
    Abgeklungener Liebe Trauerpfänder,
    Schon gewidmet meines Herdes Flammen,
    Rafft der freche Sozius zusammen,
    Eben als wenn Dichterwerk und Ehre
    Ihm durch Erbschaft zugefallen wäre;
    Und mir Lebenden soll sein Betragen
    Wohl am Tee- und Kaffeetisch behagen?
    Weg das Porzellan, das Zuckerbrot!
    Für die Himburgs bin ich tot.

Hätte das vollständige Zitat vielleicht nicht ganz zu Deiner
Einstellung gepaßt?

Denn genau DAS ist heute übliche Geschäftspraktik! Denn die Verwerter
ziehen die Urheber im heutigen System mehr ab, als die ganzen
Raubkopien ihnen je schaden könnten. 
Obendrein klagen die selben Verwerter dann, im Namen der Urheber(!),
Unsummen ein, von denen die Urheber nichts zu sehen bekommen! Das
geben sie auch noch unverholen zu!

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