6. November 2012 01:56

So sprechen die Feinde der Demokratie

fr.osch schrieb am 6. November 2012 00:51

> > > Ich stimme Dir zu und ergänze - es gibt nur eine Art heutzutage zu
> > > wählen.
> > > Ins Wahllokal gehen, den Stimmzettel bekommen und ein großes Smiley (
> > > :_-( ) draufzeichnen. So wird die Stimme undgültig und nicht zwischen
> > > den Parteien die eh keiner wählen wird aufgeteilt...
> > Das ist falsch. natürlich wird Deine Stimme zwischen den anderen
> > parteien entsprechend ihres Anteils aufgeteilt. Die Prozente die um
> > 18.00 Uhr im ARD-Wahlstudio gezeigt werden sind nämlich die "Anteile
> > der Stimmen für Partei X an den abgegebenen GÜLTIGEN Wählerstimmen".
> > Die Methode den etablierten in die Suppe zu spucken ist eine andere
> > Partei zu wählen. Da gab es ja zuletzt die Auswahl von ungefähr 30
> > Stück.

> Nein nein, der Vorredner hat schon recht. Ungültige Stimmen ärgern
> die am meisten.

Mal schauen.

> Denn der Wähler war im Wahllokal - er ist also kein Totalverweigerer
> (hat sich noch nicht vergraulen lassen). Gleichzeitig ist er aber
> auch kein Spinner oder Querulant, der irgendwelche extremistischen,
> monothematischen oder durchgeknallten Splitterparteien unterstützt.
Also, da haben wir schon mal die erste Demokratiefeinde-Propaganda.
Natürlich sind alle kleinen Parteien extremistisch, monothemathisch
oder durchgeknallt. Klar, wir wollen mal gar nicht die Idee aufkommen
lassen, es gäbe Alternativen. Denn Alternativen (=Wahlmöglichkeiten)
sind es ja erst, die eine Demkratie möglich machen. Wenn man die Wahl
hat zwischen A und A - dann ist das nicht wirklich demokratisch. Um
also die Entfaltung der Demokratie zu unterbinden redet man die
Alternativen kaputt. Natürlich ohne Argumente - wo kämen wir denn da
hin.

> Den etablierten Parteien ist also klar, du bist Demokrat, nimmst
> Wahlen wichtig und willst auch vernünftig wählen... hast aber unter
> den etablierten Parteien zur Zeit niemanden, dem du guten Gewissens
> deine Stimme geben könntest.
Aha.

> Das ärgert die, denn für jede Stimme
> gibt es bares Geld... und hier war ein vernünftiger Demokrat, der den
> etablierten Parteien aus irgendwelchen Gründen verlorengegangen ist
> und also kein Geld bringt.

Auch das ist falsch. Die Parteienfinanzierung ist in der Gesamtsumme
gedeckelt. Eine ungültige Stimme oder Wahlenthaltung kostet die
großen Parteien gar nichts. Eine Stimme für eine kleine Partei
dagegen kostet die großen - denn die Gesamtsumme ist ja gedeckelt.

> Das ist wirklich ärgerlich.

Tatsächlich, Deine FUD-Propaganda ist ärgerlich.

> Was in der Splitterparteien-Ecke passiert, das ist den etablierten
> Parteien im Übrigen ziemlich egal. Das hat noch nie eine Rolle
> gespielt, und das wird es wohl auch nie.
Nee, das Aufkommen der Grünen Splitterpartei hat ja so gar nicht
bewirkt, dass sich die etablierten für Umwelt interessieren und das
Aufkommen der Piraten Splitterpartei hat nicht für panische
Netzpolitik-Programme gesorgt. Es redet auch niemand davon, dass eine
Stimme für eine Kleinpartei für die Tonne wäre - wählt lieber uns. So
was kommt gar nicht vor - oder?

> Die Fünf-Prozent-Hürde sorgt
> dafür, dass die großen Parteien unter sich bleiben.
Und wenn man Propaganda streut, dass die Unzufriedenen zu Hause
bleiben oder ungültig wählen, dann kann man sich sicher sein, dass
die Kleinen nie groß genug werden die 5%-Hürde zu überspringen.

Die Grünen scheiterten erst an der 5%-Hürde. Doch die Stimmen damals
haben ihnen geholfen - finanziell und moralisch - beim nächsten Mal
die 5% zu knacken.

> Nur gelegentlich
> gelingt es Parteien, diese Ecke zu verlassen, und diese Parteien
> passen sich zumeist schnell den traditionellen Gepflogenheiten unter
> den etablierten Parteien an.

Und wenn man möglichst allen erzählt, die sollen ihre Stimmen
wegwerfen sorgt man dafür dass es so bleibt.

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